Szenenapplaus für mathematische Formeln

Studierende der Hochschule Bremerhaven zeigten Showdemonstrationen in der Physik-Vorlesung

Langsam schwankt der Studierende zurück zu seinem Platz im großen Hörsaal. Er hat nicht etwa zu viel getrunken, nein - er war der Mittelpunkt eines physikalischen Phänomens. Um das Gesetz der Drehimpulserhaltung zu demonstrieren, wurde er von einem Kommilitonen auf einem Drehstuhl herumgewirbelt. Auf diese Weise verwandelten rund 15 Studierende der Hochschule Bremerhaven den Hörsaal in eine Showbühne und trocken klingende Formeln in anschauliche Erkenntnisse. Und dabei war das Experiment mit Drehwurmgarantie nur eines von vielen Highlights der Showvorlesung. Im Rahmen eines Sommerprojektes hatten Studierende der Studiengänge Medizintechnik, Gebäudeenergietechnik, Process Engineering and Energy Technology, Produktionstechnologie und Maritime Technologien die Möglichkeit, selbst aktiv an der Vorlesungsgestaltung mitzuwirken und den Lehrinhalt spannend zu gestalten.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Katharina Theis-Bröhl und mit Unterstützung der Technischen Mitarbeiter Thorsten Koopmann und Antje Mües aus dem Physiklabor, konzipierten und bauten sie Demonstrationsexperimente mit Show-Effekt für Physikvorlesungen. Doch hinter der großen Show steckt ein ernstes Anliegen von Prof. Theis-Bröhl, die in der Hochschule für die Physik-Vorlesungen zuständig ist. "Früher war die Physikvorlesung immer im kleinen Seminarraum neben dem Physiklabor. Da war es kein Problem, Experimente aus dem Physiklabor während der Vorlesung zu zeigen", so die Professorin des Studiengangs Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien. Nach Einführung des gemeinsamen Grundstudiums sei es aber problematisch geworden, die vorhandenen Demonstrationsexperimente auch im großen Hörsaal zu nutzen. Die Versuche waren meist nicht groß genug, hatten nicht den gewünschten Showeffekt. Gemeinsam mit dem Studierenden Thomas Körner wollte Prof. Theis-Bröhl Versuchsanordnungen für größere Zuschauergruppen entwerfen. Schnell wurde aber klar, dass die meisten Experimente eigens angefertigt werden mussten - eine Aufgabe, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommerkurses, der als Wahlpflichtfach angeboten wurde, zwei Wochen lang mit Begeisterung und Erfolg übernahmen.

"Ziel ist es, die Experimente zukünftig in den regulären Physikvorlesungen einzusetzen", so Prof. Theis-Bröhl. So werden künftig ein Raketenauto - ein mit CO2 betriebenes Ketcar zur Demonstration des Impulses - oder eine Nebentonne - zur Veranschaulichung der Verwirbelungen von Luftströmen - Physik zum Anfassen ermöglichen. Neben diesen Versuchen wurden noch eine Menge kleinerer Experimente, z.B. die Demonstration der Bestimmung des Flächenschwerpunktes mithilfe einer Deutschlandkarte aus Plexiglas, entwickelt. Dieser Versuch war ein besonderer Herzenswunsch von Prof. Theis-Bröhl, der ihr von drei Produktionstechnologiestudierenden erfüllt wurde.

Wie elektrisierend Vorlesungen durch die richtigen Versuche gestaltet sein können, wurde von den 15 Studierenden im Rahmen der Showvorlesung eindrucksvoll bewiesen. Denn wann gibt es sonst schon Szenenapplaus in einer Physik-Vorlesung?

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