Ideen für den Arbeitsmarkt

Prof. Dr. Michael Vogel startete ein Compreneurship-Projekt: Die Zeitschrift der Straße.
Prof. Dr. Michael Vogel startete ein Compreneurship-Projekt: Die Zeitschrift der Straße.
Quelle: Antje Schimanke

Wettbewerb der Europäischen Union: Hochschulprofessor im Halbfinale

Armut, Niedriglöhne und Arbeitslosigkeit – gegen diese Probleme setzt sich die Europäische Union seit Oktober 2012 mit dem Ideenwettbewerb „Social Innovation Competition“ ein. Ziel des mit 30.000 Euro dotierten Wettbewerbs ist es, innovative Lösungen zur Verbesserung des europäischen Arbeitsmarkts zu finden. Prof. Dr. Michael Vogel, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Bremerhaven, ist einer von 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die es mit ihren Vorschlägen bis ins Halbfinale geschafft haben. Insgesamt waren 1.254 Einsendungen aus ganz Europa für den Wettbewerb eingegangen.

Anfang März ist der Hochschullehrer gemeinsam mit den übrigen Halbfinalistinnen und Halbfinalisten zu einer dreitägigen „Social Innovation Academy“ ins spanische Bilbao eingeladen, um dort die Projektvorschläge in Workshops weiterzuentwickeln und für die Finalrunde fit zu machen. „Ich bin sehr gespannt auf die anderen Sozialinnovatoren und wünsche mir, dass dort ein tolles Netzwerk entsteht“, sagt der Professor, der im Studiengang Cruise Tourism Management lehrt.

Beworben hat er sich mit dem Projekt „Compreneurship“. Der Begriff verbindet – wie das Projekt – unternehmerisches mit gemeinschaftlichem Handeln. Dahinter steckt die Idee, Arbeit, Zeit und Kreativität, die Studierende in ihr Studium stecken, teilweise gesellschaftlich nutzbar zu machen, und sie in Compreneurship-Unternehmen einzubringen. Diese werden unter fachkundiger Anleitung von Studierenden selbst betrieben und binden zugleich Menschen ein, die sich am Arbeitsmarkt schwer tun. Letzteren bieten solche Unternehmen Einkommen, Anerkennung und Qualifizierungsmöglichkeiten. Für Studierende sind Compreneurship-Unternehmen die ideale Umgebung, um ihr im Studium erworbenes Wissen in der Praxis zu erproben, wichtige Kompetenzen zu erwerben und Erfahrung mit sozialem Engagement zu sammeln.

Ein modellhaftes Compreneurship-Projekt gibt es bereits: die von Michael Vogel initiierte „Zeitschrift der Straße“ in Bremen. Sie wird seit drei Jahren von Menschen auf der Straße verkauft. Gestaltet wird sie von Studierenden der Hochschule für Künste Bremen, vermarktet von Prof. Vogels Studierenden der Hochschule Bremerhaven. Rund 120 Studierende haben an der Zeitschrift bislang lernen können und über 200 registrierte Straßenverkäuferinnen und -verkäufer haben von ihr profitiert.

Prof. Vogel wünscht sich mehr solcher Kooperationen: „Würden nur zehn Prozent der deutschen Studierenden ihre Projekte, die sie ohnehin im Rahmen des Studiums durchführen, einem gesellschaftlichem Nutzen widmen, hätten wir rund 250.000 Engagierte für die gute Sache“, erklärt der Hochschullehrer.

Der europäische Sozialinnovationspreis wird nach der Finalrunde im Mai verliehen. Das Preisgeld soll genutzt werden, um die Siegerprojekte in die Tat umzusetzen.

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