Schule und Hochschule gleichzeitig – für Frühstudierende ist das möglich

Die Frühstudierenden bekommen ein Zertifikat als Bescheinigung für ihre erbrachten Leistungen.
Die Frühstudierenden bekommen ein Zertifikat als Bescheinigung für ihre erbrachten Leistungen.
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Beim Frühstudium an der Hochschule Bremerhaven können Schülerinnen und Schüler ihre ersten Vorlesungen belegen

Studieren, obwohl man noch in der Schule ist - geht das? Klar, sagt die Hochschule Bremerhaven. Sie muss es wissen: Seit vielen Jahren bietet sie ein sogenanntes Frühstudium an. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler den Hochschulbetrieb kennen, während sie noch am Abschluss tüfteln. Die Doppelbelastung schreckt aber nicht wirklich ab. Pro Semester sind bis zu 35 Frühstudierende an der Hochschule am Meer eingeschrieben. Kürzlich endete die aktuelle Runde des Frühstudiums mit einer Feierstunde und der Übergabe von Teilnahmezertifikaten durch den Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Josef Stockemer.

"Das hier ist schon etwas ganz anderes als eine normale Schule", sagt Urthe Gebauer, Mitarbeiterin der Kontaktstelle Schule-Hochschule der Hochschule Bremerhaven, die das Projekt koordiniert und leitet. "Unsere Frühstudierenden müssen genauso arbeiten wie die regulären Studierenden", berichtet sie. Das bedeutet für die 16-Jährigen, Vorlesungen selbst aufsuchen, vor- und nachbereiten und auch recherchieren. Wer will, kann eine Prüfung absolvieren. "Es ist kein schulischer Unterricht", sagt sie. Das sei aber allen auch klar. Hilfe bekommen die Nachwuchs-Studierenden dabei von Urthe Gebauer und den Professorinnen und Professoren, die sie in ihren Vorlesungen betreuen.

Das funktioniert, berichtet die Koordinatorin. "Wir arbeiten sehr gut mit Schulen zusammen", berichtet sie. Bisher sind das das Kreisgymnasium, das Schulzentrum Geschwister Scholl, die Max-Eyth-Schule und das Lloyd-Gymnasium. Die Lehrerinnen und Lehrer betreuen die Schülerinnen und Schüler, die sie für das Frühstudium ausgewählt haben. Denn die Zulassung läuft nur über die Schule. "Entweder bewerben sich interessierte Schülerinnen und Schüler bei ihren Lehrerinnen und Lehrern oder diese gehen direkt auf geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu", sagt Urthe Gebauer. Dazu müssten sie ein Motivationsschreiben abliefern. Diese Filter sind nötig, um die Schülerinnen und Schüler nicht zu überlasten. Dennoch brechen auch wenige das Frühstudium ab, da das Pensum doch schon recht groß ist. Denn immerhin kommen zur regulären Schulzeit noch bis zu drei Semesterwochenstunden hinzu.

Die nutzen die Frühstudierenden für ganz unterschiedliche Fächer und Zwecke. "Einige haben sich gezielt zum Beispiel Mathematik oder Physik ausgesucht", erzählt die Mitarbeiterin der Hochschule am Meer. Diese Schülerinnen und Schüler würden damit ihre Abitur-Prüfungen vorbereiten und das Wissen vertiefen. "Andere haben Fächer aus Neugierde belegt", so Urthe Gebauer. Und wieder andere wollen sich das spätere Studium erleichtern. Denn die Prüfungen geben Credit Points und können so unter bestimmten Umständen später direkt oder in Teilen als Schein anerkannt werden. An der Hochschule Bremerhaven gelten sie in der Regel als vollständige Leistung. Rund die Hälfte der Frühstudierenden nimmt daran teil.

Das Frühstudium geht auf eine Initiative der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2004 zurück. Damals wurden die Rahmenbedingungen geschaffen. Die Hochschulrektorenkonferenz hat das dann umgesetzt - viele Hochschulen und Universitäten bieten daher entsprechende Projekte an. Für die Hochschule Bremerhaven ist das Frühstudium inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden, natürlich auch als Möglichkeit zur Nachwuchsgewinnung. "Einige schreiben sich dann auch hier ein", sagt Urthe Gebauer.

"Uns geht es aber nicht nur um den Nachwuchs", verdeutlicht die Mitarbeiterin der Kontaktstelle Schule-Hochschule: "Wir wollen die Schülerinnen und Schüler sowohl für das selbstständige als auch für das wissenschaftliche Arbeiten interessieren und sie heranführen", sagt sie. Das sei sogar der wichtigere Teil der Arbeit. "Das Angebot ist ein Teil der Studienfachorientierung", erklärt Urthe Gebauer. Vor dem Hintergrund der bundesweiten Abbruchquoten an den Hochschulen helfe das, sich in die Wissenschaftswelt einzufinden. "Es gibt einen Unterschied zwischen Schule und Hochschule", sagt sie. Der könne hier kennen gelernt und so der Übergang erleichtert werden.

Den Schulen gefällt das. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv, das Engagement groß, berichtet die Koordinatorin. Schräg angeschaut werden die Frühstudierenden dabei weder in der Schule noch in der Hochschule. "Im Gegenteil - ihnen wird meistens Respekt gezollt", sagt Gebauer. Sowohl die Studierenden als auch die Mitschülerinnen und Mitschüler würden die Doppelbelastung hoch ansehen. Denn das beweisen die Frühstudierenden regelmäßig: Schule und Hochschule gleichzeitig: das geht.

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