Hochschulallianz für den Mittelstand fordert Verdreifachung der Fördermittel für die Forschung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften

BMBF-Programm "Forschung an Fachhochschulen" ist massiv unterfinanziert und überreguliert

Im Vergleich zu anderen Förderprogrammen oder den milliardenschweren Budgets der außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Förderung der Forschung an Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften massiv unterfinanziert und überreguliert. Darauf wies die Hochschulallianz für den Mittelstand, zu deren Gründungsmitgliedern auch die Hochschule Bremerhaven zählt, anlässlich eines Treffens mit den SPD-Bundestagsabgeordneten der AG Bildung und Forschung hin. Im Fokus der Kritik steht insbesondere die Förderlinie "FHprofUnt" für die Förderung von anwendungsbezogenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die die Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Kooperation mit mittelständischen Unternehmen durchführen. Für die im Jahr 2006 eingeführte Förderlinie hat das BMBF seit 2006 insgesamt lediglich 176 Millionen Euro Fördergelder bewilligt. Aufgrund der äußerst knappen Ausstattung des Programms mussten daher in den zurückliegenden Jahren viele sehr gute Projektanträge abgelehnt werden.

Wurden 2010 noch 129 Projekte mit einem Volumen von 34,3 Millionen Euro gefördert, so waren es 2011 nur noch 49 Projekte mit 13,5 Millionen Euro. Dagegen stieg der Anteil grundsätzlich förderungswürdiger Anträge von 67 Prozent (2007) auf 82,3 Prozent (2011). Die geringe Erfolgsquote für die Antragsteller von aktuell unter 13 Prozent bei gleichzeitig hohen Bewertungen der Anträge führt zu erheblichen Frustrationen bei den Forscherinnen und Forschern an den Hochschulen wie auch auf Seiten der beteiligten Unternehmen und weiterer Kooperationspartner.

Prof. Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein und Vorsitzender der Hochschulallianz für den Mittelstand, fordert eine nachhaltige Verbesserung: "Die Aufstockung der Fördersumme für die aktuelle Förderperiode 2015 um gerade einmal 4 Millionen Euro wird das Problem nicht lösen. Das Programm ist mit Blick auf das Aufwand-/Erfolg-Verhältnis einfach kein interessantes Angebot mehr, denn der administrative Aufwand ist extrem hoch. Auch die Bereitschaft der Unternehmen sich zu beteiligen, lässt deshalb stark nach. Um wieder zu vernünftigen Förderquoten zu kommen ist mindestens eine Verdreifachung der Fördermittel und eine Verschlankung der Förderkriterien nötig."

An der Hochschule am Meer werden derzeit acht Projekte durch den Bund gefördert. "In allen unseren vier Forschungsclustern können wir aktuell an der Hochschule Bremerhaven anwendungsbezogene Entwicklungsprojekte dank der Förderung durch den Bund durchführen", so Prof. Dr. Josef Stockemer. Dabei beläuft sich das Gesamtvolumen in den Bereichen Energie & Meerestechnik, Informations- und Kommunikationstechnologie & Automatisierung, Life Science sowie Logistik & Dienstleistungen auf fast 3,34 Millionen Euro im Zeitraum 2013 bis 2018. "Leider wurden aber in den vergangenen Jahren auch immer wieder Projektanträge, die sehr gut bewertet wurden, nicht bewilligt, da die Ausschreibungsprogramme nicht über genügend Finanzvolumen zur Förderung verfügten", so Prof. Stockemer.

Auch bei der Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern fordert die Hochschulallianz für den Mittelstand eine stärkere Beteiligung der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Gerade in regionalen Verbünden könnten sie eine Schlüsselrolle im Wissens- und Technologietransfer einnehmen. Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften / Fachhochschulen ergänzen das Profil der Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen entlang der Innovationskette. Die Exzellenzinitiative sollte deswegen auch intelligente hochschultypenübergreifende Forschungskooperationen in der Region ins Visier ihrer Förderung nehmen. Prof. Hans-Hennig von Grünberg: "Fachhochschulforschung hat einen direkten, stimulierenden Effekt auf die Innovationskraft von klein- und mittelständischen Unternehmen. Insofern hätten die Fördergelder einen unmittelbaren Mehrwert für die Gesellschaft und die regionale Wirtschaft, was man keineswegs von jeder Form von Forschungsförderung behaupten kann."

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