Verfahrenstechnik im Kochtopf

Studierende bereiten ihr Essen vor und erklären verfahrenstechnische Prozesse anhand des Rezeptes
Studierende bereiten ihr Essen vor und erklären verfahrenstechnische Prozesse anhand des Rezeptes
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Studierende der Hochschule Bremerhaven kreieren ein Buffet mit verfahrenstechnischen Prozessen

Langsam schmilzt die Butter in der Pfanne. Fasziniert blicken die Studierenden dem Vorgang zu, denn was für einen Koch oder eine Köchin einfach nur ein normaler Zubereitungsschritt ist, ist für die Studierenden des Studiengangs Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien der Hochschule Bremerhaven eine Veränderung des Aggregatzustands. Dass in der Küche die gleichen verfahrenstechnischen Prozesse vorkommen wie in der Industrie, lernten jetzt rund 30 Studierende des zweiten Semesters. Im Rahmen der Veranstaltung "kitchen process engineering - Verfahrenstechnik in der Küche" übersetzen die Nachwuchsingenieurinnen und -ingenieure quasi Kochrezepte in Ingenieurssprache. Um im Labor "Küche" nicht allzu trockenen Stoff zu produzieren, kreierten die bachelorstudierenden dabei ein kulinarisches Fünf-Gänge-Menü.

"Uns ist es wichtig, dass die Studierenden schon früh verstehen, womit sie sich im späteren Berufsleben beschäftigen werden", so Prof. Dr. Wilfried Schütz. Das neue Event-Lehrangebot helfe den zukünftigen Ingenieurinnen und Ingenieuren dabei, den Begriff der Verfahrenstechnik als elementarer Bestandteil des Studiums der Nachhaltigen Energie- und Umwelttechnologien näherzubringen. Und so wird aus Paprika schneiden schnell Zerkleinern und aus dem Kaffeekochen eine Fest-Flüssig-Extraktion.

Organisiert wurde die verfahrenstechnische Küche von der Studentin aus höherem Semester Helene Lüers: "Wir haben einen kleinen Wettbewerb ausgerufen, in dem jede Studierendengruppe ein Teil des Buffets kocht und zwar mit möglichst vielen verfahrenstechnischen Prozessen." Dabei sei es weniger darauf angekommen, ein sehr komplexes oder teures Gericht zu kreieren, als vielmehr die unendlich vielen verfahrenstechnischen Prozesse auch bei den einfachen Speisen zu entdecken." Gemeinsam wurden die Gerichte dann zubereitet und anschließend in einem kurzen Vortrag die Rezepte in der fachspezifischen Sprache mit den darin verbundenen Verfahren präsentiert. Sowohl die Kochkünste als auch die Vielfalt der Ingenieurkunst wurden von einer Jury aus Lehrenden und Masterstudierenden bewertet.

Wie wichtig es ist, schon im ersten und zweiten Semester mit fachspezifischen Anwendungsbeispielen in Kontakt zu kommen, weiß die Tutorin Helene Lüers aus eigener Erfahrung: "Bei mir gab es solch eine Veranstaltung leider noch nicht, die einem neben den notwendigen Grundlagenfächern wie Mathematik, Physik und Chemie auch einen Einblick gibt, was sich im gewählten Studienfach versteckt und noch erwartet." Umso mehr freue es sie, wenn die Studierenden jetzt schon so früh mit fachspezifischen Fragen auf sie zukämen.

Vor dem Hintergrund der bundesweiten Diskussionen um anwendungsorientierte Studieneingangsphasen und Studienabbrecherzahlen haben wir eine weitere praktische Veranstaltung ins Curriculum integriert, die Heißhunger auf Verfahrenstechnik macht", so Prof. Schütz. Man stelle sich eine Klausuraufgabe vor, in der Aromastoffe aus einem Röstgut mit dem Lösungsmittel Wasser extrahiert werden sollen. Klingt schwer - aber die zukünftigen Ingenieure des Bachelorstudiengangs erledigen diese mit einem Lächeln - denn ihnen erscheint vor dem inneren Auge eine duftende Tasse Kaffee.

Zugehörige Dokumente

  • Hochschule BremerhavenStudierende bereiten ihr Essen vor und erklären verfahrenstechnische Prozesse anhand des Rezeptes

    JPG3.6 MB

Zurück zur Übersicht