Training schafft Sicherheit

Christian Wellner
Christian Wellner
Quelle: Christian Wellner

Student der Hochschule Bremerhaven plant und koordiniert Notfallübung im Offshore Windpark alpha ventus

In der Gondel einer Windenergieanlage brennt es, beim Abstieg verliert einer der Monteure den Halt und verletzt sich am Bein. Er muss aus der Leiter gerettet und von der Außenplattform auf das eingetroffene Schiff Windforce III der Reederei Frisia Offshore heruntergelassen werden. Damit bei den Expertinnen und Experten des Windpark alpha ventus auch im Notfall jeder Handgriff sitzt, hat die EWE Offshore Solutions & Services (kurz: EWE OSS) mit einer groß angelegten Rettungsübung den Ernstfall geprobt. Christian Wellner, Student des Masterstudiengangs Integrated Safety and Security Management an der Hochschule Bremerhaven, hat das Drehbuch für die Ausnahmesituation konzipiert und koordinierte die Übung im Auftrag der EWE OSS.

"Notfälle zu trainieren gehört zum sicheren Betriebsalltag eines Offshore-Windparks", erläutert Wellner. "Eine Übung mit so vielen Beteiligten war aber eine Premiere für EWE OSS und auch für mich." Als Student im Masterstudiengang Integrated Safety and Security Management hat er in Laborübungen praxisnah gelernt, wie ein Drehbuch für ein Krisenszenario verfasst wird, wie die Vorgehensweise für eine erfolgreiche Notfallübung sein muss und auch wie im Nachgang geprüft und kontrolliert wird. Dieses Know-how half dem 30-Jährigen ebenso wie seine Berufserfahrungen als Nautischer Wachoffizier auf Containerschiffen. "Während meiner Berufstätigkeit an Bord war ich unter anderem für die Sicherheitsdrills zuständig", so der studierte Nautiker.

Im Vorfeld der Übung führte der Student zunächst Interviews mit Experten und Behörden durch. "Ich habe Empfehlungen über mögliche Szenarien eingeholt und mir erklären lassen, was besonders wichtig ist, zu üben", so Wellner. Außerdem wertete er die bisherigen Unfälle und Vorfälle und die daraufhin ergriffenen Maßnahmen im Offshore Windpark alpha ventus aus. Aus diesen Informationen entwickelte er zunächst das konkrete Szenario und schrieb das Drehbuch. Im Drehbuch wird jeder Schritt des Übungs-Szenarios inklusive der erwarteten Maßnahmen von allen Beteiligten im Detail beschrieben. "Es ist sinnvoll, dass bei der ersten Übung von diesem Umfang alle im Vorfeld das Szenario kennen. Auf diese Weise können die Expertinnen und Experten die Übung mitgestalten und sich auf die einzelnen Manöver vorbereiten", so Wellner. Dies schaffe Sicherheit und verhindere Fehler in der Planung.

Den Ernstfall unter realen Bedingungen zu proben, ist aber nicht nur wichtig für die Sicherheitsroutine der Offshore-Macher an Land und auf See. Auch die offiziellen Genehmigungsauflagen sehen vor, dass Notfälle trainiert werden. Eine echte Herausforderung war die Organisation der Notfallübung auf hoher See - nicht nur mit Blick auf passende Wetterverhältnisse mit niedrigem Wellengang und ohne Regen. Der Betrieb im Offshore-Windpark alpha ventus konnte während der Rettungsübung weiter laufen. "Abgeschaltet wurde lediglich die Anlage, auf der der Ernstfall inszeniert wurde", erklärt Christian Wellner. "Das ist aber das gängige Procedere: Wenn auf den Anlagen Wartungsarbeiten laufen, gehen diese vom Netz." Aber auch dies habe ebenso organisiert werden müssen, wie die insgesamt 20 Leute als Akteure oder Beobachter", sagt Christian Wellner. "Das Spektrum der Beteiligten reichte von den Rettungsteams (EWE, Adwen) über Helikopter (Northern Helicopter) - und Schiffsbesatzung (Frisia Offshore) bis zu den HSE-Managern von EWE OSS und Kolleginnen und Kollegen aus dem Offshore-Betrieb von EWE NETZ." Außerdem eingebunden waren die EWE OSS-Betriebswarte und die des Windanlagenherstellers Adwen.

Wie alle Beteiligten sich bei Übung schlugen, beobachtete und dokumentierte der Student, der mittlerweile als HSE-Manager bei EWE OSS eingestiegen ist von Bord der Wind Force III aus. "Wir sind froh, wenn das Notfallmanagement funktioniert und jeder mit seinen Aufgaben vertraut ist", so Wellner. Allerdings seien Fehler in einer Übung auch wichtig, um Ansatzpunkte für Verbesserungen auszumachen. Im Nachgang hat der Student die Aufzeichnungen genau ausgewertet, um im Rahmen seiner Masterarbeit "Analyse des Notfallmanagements eines Offshore Windparks im Geltungsbereich der deutschen Gesetzgebung aus Sicht des Betreibers anhand des Beispiels alpha ventus" zu beschreiben, wie Sicherheitskonzepte stetig verbessert werden können. Und dann heißt es hoffentlich am Ende immer: "Alle sind in Sicherheit, die Beteiligten haben das Notfallkonzept zügig und professionell umgesetzt."

Bildergalerie der Übung

Per Seilwinde wechselt der Verletzte (ein Dummy) vom Windrad aufs Schiff.
Per Seilwinde wechselt der Verletzte (ein Dummy) vom Windrad aufs Schiff.
Quelle: Christian Wellner
Der Helikopter bringt mit Notarzt und Rettungsassistenten medizinische Hilfe.
Der Helikopter bringt mit Notarzt und Rettungsassistenten medizinische Hilfe.
Quelle: Christian Wellner
Auf dem Schiff wird das Seil gesichert, während der Helfer herabschwebt.
Auf dem Schiff wird das Seil gesichert, während der Helfer herabschwebt.
Quelle: Christian Wellner
Puls? Auch ein Dummy wird mit aller Sorgfalt untersucht und behandelt.
Puls? Auch ein Dummy wird mit aller Sorgfalt untersucht und behandelt.
Quelle: Christian Wellner
Als Tandem heben Notarzt und der Verletzte in der Trage ab.
Als Tandem heben Notarzt und der Verletzte in der Trage ab.
Quelle: Christian Wellner
 

Zugehörige Dokumente

Zurück zur Übersicht