Forschungssemester

Ein Semester in Amerika

Prof. Katharina Theis-Bröhl forscht den Sommer über an magnetischen Flüssigkeiten.
Quelle: Antje Schimanke

Jetzt ist Schluss mit Lehre – aber nur für ein Semester. Professorin Katharina Theis-Bröhl verbringt den Sommer in Amerika. Dort legt die studierte Physikerin eine Pause vom Lehralltag ein, nimmt sich Zeit für ihre Forschung und auch für Kreatives – als Mitglied im "Heart of Maryland Chorus".

Hochschule Bremerhaven: Nach sechs Jahren als Professorin an der Hochschule Bremerhaven gehen Sie für das Sommersemester an das Center for Neutron Research am National Institute of Standards and Technology (NIST) in Gaithersburg, in der Nähe von Washington D.C.. Warum?

Katharina Theis-Bröhl: Ich verbringe dort ein Forschungssemester. Dafür befreit mich die Hochschule zum Teil von meinen Lehraufgaben, außerdem baue ich Überstunden ab.

Hochschule Bremerhaven: Warum haben Sie sich gerade für dieses Institut entschieden?

Katharina Theis-Bröhl: Das Center for Neutron Research ist ein international sehr angesehenes Institut, dessen Forschungsfeld perfekt zu meinem passt. Ich möchte mich mit Neutronenstreuung an Ferrofluiden – das sind magnetische Flüssigkeiten – beschäftigen. Wichtig sind mir das wissenschaftliche Umfeld und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die dort auf ähnlichem Gebiet arbeiten.

Hochschule Bremerhaven: Ist das hier an der Hochschule denn nicht möglich?

Katharina Theis-Bröhl: Hier konzentriere ich mich auf die Lehre im Studiengang Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologie, unterrichte Grundlagen- und angewandte Fächer im Bereich Physik und Mathematik. Daneben bleibt oft zu wenig Zeit für die Forschung. Bevor ich als Professorin an die Hochschule Bremerhaven gekommen bin, habe ich als studierte Physikerin an der Universität Bochum hauptsächlich geforscht. Hier fördert die Hochschule auch ein kleines Forschungsprojekt von mir, darauf aufbauend möchte ich weitere Drittmittel beantragen. Die kommende Forschungszeit werde ich auch dafür nutzen, um die für den Antrag notwendigen Ergebnisse zu produzieren. Natürlich werde ich auch Experimente mit den sogenannten „smarten“ Flüssigkeiten durchführen, die winzige magnetische Nanopartikel enthalten.

Hochschule Bremerhaven: Klingt als ginge mit dem Auslandsaufenthalt ein großer Wunsch für Sie in Erfüllung?

Katharina Theis-Bröhl: Ich habe schon lange vor, mir mehr Zeit für Forschung zu nehmen. Dieses Semester passt dafür auch privat: Mein Sohn geht jetzt in die zehnte Klasse. Das ist ein perfekter Zeitpunkt, um mich in die USA zu begleiten und dort die High School zu besuchen. Wir werden dann in einer Art Wohngemeinschaft wohnen, gemeinsam mit einer Frau, die auch wissenschaftlich arbeitet. Heißt, es wird Englisch gesprochen. Schon das ist für uns beide eine gute Erfahrung.

Hochschule Bremerhaven: Wie wichtig ist solch ein Auslandsaufenthalt für Forschende?

Ich halte es grundsätzlich für sinnvoll, andere Erfahrungen zu sammeln und eine kreative Pause vom Alltag einzulegen, egal ob man forscht oder studiert. So gewinnt man auch einen neuen Blick auf das eigene Umfeld und lernt die Dinge besser zu schätzen, die man zu Hause hat. Außerdem knüpft man Kontakte, von denen man ein Leben lang profitieren kann. Ich selbst war als Post-Doc ein Jahr in den USA an der University of Illinois und habe auch dadurch schon viele Kontakte  – auch zum NIST – geknüpft. Als ich kürzlich am NIST für das Forschungssemester angefragt habe, wurde mir sofort zugesagt.

Hochschule Bremerhaven: Wie finanzieren Sie die Zeit in Amerika?

Katharina Theis-Bröhl: Mein Gehalt von der Hochschule läuft während dieser Zeit weiter, meine Kosten in Deutschland aber natürlich auch. Ich bekomme vom NIST eine Art Aufwandsentschädigung, die auch nötig ist, da die Lebenshaltungskosten in Amerika und gerade im Raum Washington sehr hoch sind.

Hochschule Bremerhaven: Also kommen Sie auf jeden Fall zurück nach Deutschland und an die Hochschule Bremerhaven?

Katharina Theis-Bröhl: Klar, mir macht die Lehre doch Spaß.

Hochschule Bremerhaven: Profitieren denn Ihre Studentinnen und Studenten von Ihrem Forschungsjahr?

Katharina Theis-Bröhl: Sicher. Viele Amerikaner haben diese wunderbar erfrischende Art und halten beispielsweise sehr gute Vorträge. Ich hoffe, dass diese positive Einstellung automatisch abfärbt.

Hochschule Bremerhaven: Und womit werden Sie außerhalb der Forschung Ihre Freizeit verbringen?

Katharina Theis-Bröhl: Ich bin Mitglied im Bremer Barbershop-Chor „Sugar n Spice“. Wir singen vierstimmig a cappella. Über die internationale Organisation „Sweet Adelines“ habe ich mir schon einen Barbershop-Chor in Maryland gesucht: Den „Heart of Maryland Chorus“. Kurz nach meiner Landung werde ich schon an meinem ersten Chorwochenende teilnehmen.

Ein Forschungssemester für Hochschullehrende:

  • ermöglicht die Freistellung von Lehraufgaben zugunsten von Forschungsprojekten
  • muss beim Dekan des Fachbereichs beantragt werden
  • kann auch an Forschungsinstituten, Universitäten und Hochschulen auf der ganzen Welt verbracht werden
  • wird nach dem Semester mit einem Bericht über die Forschungstätigkeit abgeschlossen
  • soll als Grundlage zur Beantragung weiterer Forschungsprojekte und Drittmittel dienen