Studieren ohne Abitur?!

Ein Studium ohne Abitur ist auch an der Hochschule Bremerhaven möglich.

Abhängig vom persönlichen Lebenslauf, den erworbenen beruflichen Qualifikationen und dem individuellen Studienwunsch sind verschiedene Wege möglich.

Bereits mit einer anerkannten beruflichen Fortbildung haben Sie eine Hochschulzugangsberechtigung. Beispielhaft zu nennen wäre die Meisterfortbildung, eine anerkannte Fortbildung mit einem Umfang von 400 Unterrichtsstunden (z.B. IHK-Betriebswirt, geprüfter Bilanzbuchhalter, technischer Fachwirt) etc.

Ferner gibt es die Möglichkeit über die Einstufungsprüfung sowie ein Probestudium die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung zu erwerben.

Nähere Informationen über die verschiedenen Wege sowie die anerkannten beruflichen Qualifikationen sind auf der Seite der Offenen Hochschulen Bremen zusammengefasst: http://www.offene-hochschulen-bremen.de.

Bereit für die Hochschule

2 Studierende sitzen in einem Seminarraum
Strahlende Gesichter: Frederike Schmachtl und Henrik Dannenberg freuen sich über die Unterstützung seitens der Hochschule Bremerhaven.
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Offene Hochschule heißt das Konzept, das jungen Erwachsenen ohne Abitur oder Fachhochschulreife ein Studium ermöglicht. An der Hochschule Bremerhaven gibt es für sie einen Kurs, der Inhalte aus dem Grundstudium praktisch angewandt und in kleiner Gruppe vermittelt. Die Teilnehmenden verstehen sich als Gleichgesinnte, die ihr Studium hundertprozentig nutzen wollen – als Chance für den Traumberuf.

Die E-Mail-Bestätigung war eine Erlösung: Frederike Schmachtl ist drin in dem Kurs, der ihr das Studium an der Hochschule Bremerhaven in den ersten beiden Semestern erleichtern soll. „Ergänzungsmodul“ nennt sich das Seminar für Mathematik und Technische Mechanik, das mehrere Vorlesungen aus dem technischen Grundstudium ersetzt. Die Grundlagen dieser Fächer aus der Schulzeit liegen für die 24-Jährige lange zurück.

Nach dem Abitur hat die heutige Studentin drei Jahre lang eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert, ein Jahr in dem Beruf gearbeitet – stets begleitet von dem Gefühl, dass da noch mehr ist: Ein Job in einer völlig anderen Branche, ein Job, der ein Studium verlangt. Frederike Schmachtl erfährt vom Bachelorstudiengang Maritime Technologien in Bremerhaven und schreibt sich ein. Dennoch quält sie die Frage: Schaffe ich das überhaupt?

Die Studentin ist eine von 20 Teilnehmenden, die für das Ergänzungsmodul zugelassen worden sind. Die wenigsten haben das klassische Abitur absolviert oder nach dem Abitur direkt den Weg an die Hochschule eingeschlagen. Viel häufiger sind sie über Umwege zum Studium gelangt, haben gearbeitet oder die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung über ihre Berufsausbildung erworben. „Offene Hochschule“ nennt sich das Projekt für das Land Bremen, dessen Ziel es ist, die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu fördern und mehr Menschen ohne das klassische Abitur an die Hochschulen zu holen.

„All diese Nachwuchskräfte würden uns mit großer Wahrscheinlichkeit verloren gehen, wenn wir dieses Angebot nicht hätten“, sagt der verantwortliche Hochschullehrer Matthias Kniebusch. Seit drei Jahren leitet er den kleinen Kurs, der die unterschiedlichen Bildungsabschlüsse der Teilnehmenden auf ein Niveau bringen soll – mit anschaulichen Beispielen und Raum für Dialog und Fragen. Oft sei es nicht das Wissen, sondern das mangelnde Selbstbewusstsein, das den Teilnehmern das Studium erschwert. „Dabei gibt es dafür keinen Grund – im Gegenteil. Ihr Lebensweg und ihre praktischen Erfahrungen sind wertvolles Wissen, das die Lehre bereichert.“ In drei Jahren hat der Hochschullehrer rund 60 Studierende im Ergänzungskurs aufgenommen, rund 80 Prozent bestehen die Prüfung, so schätzt er. Zwei Semester betreut er die Studierenden aus den technischen Studiengängen, danach geht es zurück in den Regelbetrieb des Grundstudiums.

Viele sehen das spätere Studium als zweite, mitunter auch als letzte Chance – und das schweißt zusammen. Die wöchentliche Arbeitsgruppe und die gegenseitige Hilfe sei eine Selbstverständlichkeit, auch in harten Phasen. „Wenn einer hinschmeißen will, muss er das erstmal mit der Gruppe aushandeln“, sagt Henrik Dannenberg, Student der Anlagenbetriebstechnik. Für den Installations- und Heizungsbaumeister wäre der „Ingenieurstitel natürlich das höchste der Gefühle“. Als Abgänger der Hauptschule nicht nur ein persönlicher Erfolg, sondern auch die Möglichkeit, sich beruflich zu entwickeln – „ohne körperliche Schufterei und natürlich auch besser bezahlt“.

Mit jedem Semester kommt auch Frederike Schmachtl ihrem Ziel näher: das Studium auf jeden Fall durchziehen, wie sie sagt. „Ich bin sogar ein bisschen überrascht, wie gut es für mich läuft“, sagt die gelernte Industriekauffrau. Als nächsten Schritt freut sie sich auf den Schwerpunkt in ihrem Studiengang, die Marine Biotechnologie. „Genau darauf arbeite ich hin.“

Das teilnehmerbegrenzte Ergänzungsmodul kann von Studierenden des Fachbereichs 1 (ausgenommen Lebensmitteltechnologie/Lebensmittelwirtschaft) besucht werden und ersetzt die Vorlesungen Analysis 1, Lineare Algebra und Technische Mechanik 1 und 2.

Zielgruppe sind junge Erwachsene, die zwischen Hochschulzugangsberechtigung und Studium pausiert haben oder diese durch Berufsausbildung oder Aufstiegsfortbildung wie die Meisterprüfung erworben haben. Die Dauer des Kurses ist auf zwei Semester begrenzt, danach folgt das Regelstudium.
Bewerbungen für das Ergänzungsmodul und Fragen bitte an Matthias Kniebusch: mkniebusch@hs-bremerhaven.de

 

 

Zugehörige Dokumente

  • Hochschule BremerhavenQuelle: Hochschule Bremerhaven Frederike Schmachtl und Henrik Dannenberg nehmen am Ergänzungsmodul teil.

    JPG4.3 MB