Erfahrungsberichte

Von Wurst, schnellen Autos und anderen Vorurteilen

Entdeckten Gemeinsamkeiten zwischen dem französischen Le Havre und Bremerhaven: Teilnehmerinnen im Studium Generale.
Quelle: privat

Bremerhavener Studentinnen verbrachten deutsch-französisches Gemeinschaftsseminar an der Université Le Havre in Frankreich

Von Kristina Müller

Ein wenig nervös darüber, ob die Französischkenntnisse wohl reichen würden, stiegen elf Studentinnen einem Sonntagmittag im Mai in Hamburg in das Flugzeug nach Paris. Das deutsch-französische Gemeinschaftsseminar an der Partnerhochschule Université Le Havre im Rahmen des Studium Generale war ihr Ziel. Zwei Stunden Flug, nochmal zwei Stunden Bahnfahrt gen Westen und die Hafenstadt in der Normandie, angrenzend an "La Manche" - den Ärmelkanal - war erreicht.

Der erste Test für die Französischkenntnisse wartete gleich am ersten Morgen des Seminars bei der Vorstellung der französischen Université durch die Auslandskoordinatorin Basilia Marachandise-Ruiz. Gefüttert mit Zahlen und Fakten über die Hochschule, die Stadt und die Region war auch der Appetit auf das Mittagessen inzwischen gewachsen. Auf zur Mensa, die in Frankreich stilecht "Restaurant Universitaire" genannt wird. Ein weiterer Unterschied zur Bremerhavener Esskultur wurde schnell deutlich: Dozenten und Studierende speisen getrennt. Die deutschen Gaststudentinnen kamen jedoch in den Genuss des Professoren-Speisesaals, da ihnen ganz einfach die Mensakarte fehlte, ohne die man als Studierender mittags leer ausgeht.

Stadt und "Université" kennenlernen

Gestärkt gab es am Nachmittag eine Erholungspause für die Französischkenntnisse - eine Stadtführung auf Deutsch erwartete die Gruppe. Beeindruckt vom Beton-Baustil Auguste Perrets, der Le Havre nach der nahezu kompletten Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit seinem ganz eigenen Stil versehen hat, stellten die deutschen Studentinnen einige Ähnlichkeiten zwischen Bremerhaven und Le Havre fest.

Eine davon, das Kreuzfahrtterminal, wurde am nächsten Vormittag besichtigt. Ein guter Tag dafür, da gleich drei Kreuzfahrtschiffe an der Pier von Le Havre lagen. Im Anschluss erarbeiteten die deutschen und französischen Studierenden gemeinsam Präsentationen zu Themen wie "Ziemlich beste Freunde - Deutsche und Franzosen" oder "Touristische Attraktionen der Normandie" und präsentierten diese einem Deutschkurs der Université Le Havre.

Länder Quiz baut Vorurteile ab

Highlight war sicherlich das Quiz über das jeweils andere Land sowie die Diskussion über Vorurteile und Assoziationen. Bier, "Wurscht" und Autos kamen den französischen Studierenden bei dem Gedanken an Deutschland als erstes in den Sinn, während die (weiblichen) Gäste aus Deutschland als erstes an die französische Romantik und das Stereotyp "Macho" dachten. Eine gelungene Präsentationsrunde in jedem Fall.

Die Exkursion am nächsten - und letzten - Tag des Seminars führte die Reisenden zum UNESCO Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel. Gewohnt an Ebbe und Flut staunten die Bremerhavener Studentinnen dennoch darüber, wie beindruckend der Klosterberg aus dem Watt vor der französischen Küste ragt. Noch einmal wurden bei der Führung durch die 1520 fertig gestellte Klosteranlage die Sprachkenntnisse getestet - diesmal jedoch auf Englisch.

Auf Wiedersehen hieß es am kommenden Vormittag - ein baldiges Wiedersehen für manche, da zumindest eine Teilnehmerin ihr anstehendes Auslandssemester an der Université Le Havre verbringen wird.