Anrechnung beruflicher Kompetenzen

Die Anerkennung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen ist ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, da sich dadurch die Studiendauer für im Berufsleben Stehende verkürzen lässt. Die Bestimmungen in den Hochschulgesetzen lassen in der Regel eine Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen im Umfang von bis zu 50% eines Studienganges zu.

Für den Betreiber des Studiengangs wie für Studierende ist hier zu unterscheiden zwischen pauschaler Anrechnung und individueller Anrechnung:

  • Bei der pauschalen Anrechnung werden den Studierenden automatisch gewisse Studienleistungen erlassen (angerechnet), wenn sie den erfolgreichen Abschluss eines spezifischen Bildungsgang nachweisen können. Welche Bildungsgänge in welchem Umfang angerechnet werden, ist dem Studierenden schon vor seiner Bewerbung zum Studium bekannt.
  • Bei der individuellen Anrechnung beantragen Studierende die Anrechnung auf der Basis von Zusammenstellungen von Nachweisen über ihre außerhochschulisch erworbenen Kompetenzen, Kenntnisse und Fähigkeiten. Diese Anträge werden von der zuständigen Stelle der Hochschule individuell geprüft und beschieden. Anträge auf individuelle Anrechnung können in der Regel erst nach der Einschreibung zum Studium gestellt werden und der Umfang der Anrechnung ist für Studierende vorab nur schwer einzuschätzen.

In AufWind werden Ansätze für die pauschale wie für die individuelle Anrechnung verfolgt.

Pauschale Anrechnung

Mit dem an der Carl von Ossietzky-Universität entwickelten, auf dem Instrument des MLI (Module Level Indikator) basierenden Werkzeug des Äquivalenzvergleiches nach dem Oldenburger Modell steht ein systematisches und erprobtes Verfahren zur Identifizierung/Überprüfung der Anrechenbarkeit beruflicher Lernergebnisse auf Hochschulstudiengänge zur Verfügung, das in Aufwind für die Entwicklung der pauschalen Anrechnung zum Einsatz kommt.

Prototypisch wurde für AufWind von dem Kompetenzbereich Anrechnung der Carl von Ossietzky-Universität eine Anrechnungsempfehlung für die Fortbildung "Geprüfte/r Industriemeister/in - Fachrichtung Elektrotechnik" erarbeitet. Referenzstudiengang hierfür war der B.Sc. Maritime Technologien (MAR) der Hochschule Bremerhaven. Dieser Studiengang wurde gewählt, da die Studienziele der Vertiefung Windenergietechnik weitgehend denen des berufsbegleitendende B.Sc. Windenergie entsprechen und der berufsbegleitendende B.Sc. Windenergie wegen noch fehlender Akkreditierung nicht als Referenz genutzt werden konnte.

Die Allgemeine Anrechnungsempfehlung für die Fortbildung "Geprüfte/r Industriemeister/in - Fachrichtung Elektrotechnik" steht auf der Website des Kompetenzbereichs Anrechnung als Allgemeine Anrechnungsempfehlung Nr. 22 zum Download zur Verfügung.

Individuelle Anrechnung

An der Hochschule Bremerhaven werden Verfahren der individuellen Anrechnung in einer Aufgabenteilung zwischen Studiengangsverantwortlichen, Prüfungsausschüssen und Fachvertretern durchgeführt. 

Mit Blick auf die mit berufsbegleitenden Studiengängen voraussichlich steigende Anzahl von individuellen Anrechnungsanträgen wird mit den oben genannten Zuständigen und dem Prüfungsamt an der Entwicklung optimierter Anrechnungsverfahren gearbeitet.