Anrechnung beruflicher Kompetenzen

Die Anerkennung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen ist ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, da sich dadurch die Studiendauer für im Berufsleben Stehende verkürzen lässt. Im Rahmen des Projektes stehen folgende Fragen im Fokus:

  • Anhand welcher Faktoren kann die „Studierfähigkeit“ nachgewiesen werden und die Motivation zum Studium gesteigert werden
  • Wie können unterschiedliche, im  beruflichen Kontext erworbene Kenntnisse auf den berufsbegleitenden „Bachelor of Science Windenergie“ angerechnet werden

Mit Blick auf diese Fragestellungen werden unter der Leitung von Dr. phil. Müskens (assoziierter Projektpartner, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement) Workshops zur Kompetenzanrechnung durchgeführt.

In AufWind werden aktuell Ansätze für die pauschale Anrechnung erarbeitet. Das Hauptaugenmerk liegt zunächst auf der pauschalen Anrechnung beruflicher Kompetenzen für „(Industrie-)Meister/innen“ in technischen Berufen.

Methodik des Äquivalenzvergleichs

Mit dem an der Carl von Ossietzky-Universität entwickelten, auf dem Instrument des MLI (Module Level Indikator) basierenden Werkzeug des Äquivalenzvergleiches nach dem Oldenburger Modell steht ein systematisches und erprobtes Verfahren zur Identifizierung/Überprüfung der Anrechenbarkeit beruflicher Lernergebnisse auf Hochschulstudiengänge zur Verfügung. Die Bestimmungen in den Hochschulgesetzen lassen in der Regel eine Anrechnung außerhochschulisch erworbener Kompetenzen im Umfang von bis zu 50% eines Studienganges zu.

Vorgehen beim Äquivalenzvergleichs

Als Voraussetzung für die praktische Durchführung eines exemplarischen Äquivalenzvergleiches wurde in Absprache der Projektpartner mit der Universität Oldenburg und dem Industriemeisterverband Deutschland aus Hannover festgelegt, dass die in dem Weiterbildungslehrgang „Industriemeister Kunststoff und Kautschuk“ erworbenen Qualifikationen den Modulen des Referenzstudienganges „Maritime Technologien MAR“ der Hochschule Bremerhaven gegenübergestellt werden. Hierfür wurden dem Industriemeisterverband von der Hochschule Bremerhaven im Vorfeld Unterlagen (Modulhandbuch, Prüfungsordnung) des vorhandenen Studiengangs „MAR“ zur Verfügung gestellt. Dementsprechend wurden folgende, mögliche Module für den Äquivalenzvergleich ermittelt

  1. Physik (Grundlagen, Übung, Praktikum),
  2. Elektrotechnik (Grundlagen, Praktikum),
  3. CAD-Konstruktionslehre (Technisches Zeichnen, Übungen zur Konstruktionslehre),
  4. Werkstoffe (Grundlagen der Werkstoffkunde I, Praktikum der Werkstoffkunde I),
  5. Anwendungen in der Energietechnik (Basic Engineering Vorlesung und Labor, Messtechnik in der Energietechnik Vorlesung und Labor, Elektrotechnik II (Praktikum Wechselströme),
  6. Automatisierungstechnik (Vorlesung und Praktikum),
  7. Programmiersprachen (Einführung in höhere Programmiersprachen und Praktikum),
  8. Windenergietechnik (Normwesen und technische Arbeitssicherheit/Navigation),
  9. Betriebswirtschaft (BWL I und BWL II mit Übung),
  10. Allgemeines Recht (Vorlesung).

Es wurde gemeinsam festgelegt, das Modul „BWL“ aus dem Studiengang „MAR“ als exemplarische Lerneinheit für eine Gruppenarbeit/Übung zur Bestimmung des MLI als Maß für das Niveau einer Lerneinheit heranzuziehen. Zur Vorbereitung erfolgte von der Hochschule Bremerhaven eine Zusammen- und Bereitstellung ausgesuchter Vorlesungsunterlagen/Lehrmaterialien der Veranstaltungen BWL1 und BWL2 (Vorlesungsskripte, Übungen, Klausuren und deren Ergebnisse, Präsentationsfolien).

Eine der Besonderheiten bei Anwendung des Oldenburger Modells besteht darin, dass nicht nur offizielle Lernergebnisse (Zeugnisse, Zertifikate) als Vergleichsbasis für den Übereinstimmungsgrad der Lernergebnisse, sondern auch einzelne Lehrmaterialien, Prüfungsordnungen, Rahmenstoffpläne, etc. für einen gut strukturierten, nachvollziehbaren Anrechnungsentscheid herangezogen werden.

Aktuelle Arbeiten

Bei der Betrachtung von Industriemeisterabschlüssen wird im Rahmen des zu entwickelnden B. Sc. Windenergie derzeit der Industriemeister Elektrotechnik mit den ausgewählten Modulen „Physik Grundlagen“, „Elektrotechnik Grundlagen“, „Messtechnik in der Energietechnik“ und „Automatisierungstechnik“ von der Universität Oldenburg in Zusammenarbeit mit einem externen Gutachter einem Äquivalenzvergleich unterzogen. Hierfür hat die Hochschule Bremerhaven alle notwendigen Unterlagen im Sinne des „Oldenburger Modells“ vollständig zur Verfügung gestellt.