Entwicklung des berufsbegleitenden Bachelorstudiengangs

In den regelmäßigen Projekttreffen und auf der Grundlage der didaktisch-methodischen Workshops wurde gemeinsam mit dem Koordinationsteam und den Lehrenden das grundlegende didaktisch-methodische Konzept und die Struktur des Bachelorstudienganges entwickelt und festgelegt. Dabei haben sich die Verbundpartner zunächst auf das folgende grundsätzliche Konzept und die grobe Struktur für die Weiterentwicklung geeinigt:

Zugangsvoraussetzungen:

  • Vorkenntnisse in den technisch-mathematischen Grundlagen (fehlende Vorkenntnisse können in Vorkursen erworben werden)
  • Einstufungsprüfung
  • 1 Jahr Berufserfahrung in einem technischen Bereich

Anrechnung von Kompetenzen auf Studienleistungen:

  • Anerkennung von Berufspraxis im Umfang von bis zu 30 ECTS möglich
  • Anerkennung von mathematisch-technischer, elektrotechnischer und naturwissenschaftlicher Weiterbildung (z. B. externe Kurse VHS, Zertifikate)
  • Anerkennung von Schlüsselkompetenzen
  • Pauschale Anerkennung auf der Basis systematischer Äquivalenzvergleiche.

Umfang:

  • Dauer: 7 Semester entsprechend 210 ECTS
  • Davon Praxissemester im Windenergetischen- oder maritimen Bereich (30 ECTS) mit Studienarbeit

Der Studiengang wird strukturell und inhaltlich berufsbegleitend konzipiert d.h.:

  • begrenzte Präsenzzeiten (ein bis maximal vier Tage pro Modul mit 6 ECTS)
  • die Präsenzzeiten werden für folgende methodische Elemente verwendet: Projektarbeiten, Labore, Prüfungen und persönlichen Dialog
  • es wird ein blended Learning Ansatz verfolgt, d.h. es werden neben den Präsenzzeiten E-Learning Elemente wie z.B. Online Sessions, Online Labore, Online Prüfungen in den Studiengang integriert.
  • Dafür wird eine Lernplattform aufgebaut um z.B. Skripte, Aufnahmen der Sessions, Foren, Lernkontrollen zur Verfügung zu stellen.
  • Definiertes Betreuungskonzept zur Förderung der Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden und Koordination (Betreuungskonzept)
  • Präsenzfreie Prüfungsformate
  • Wissenschaftliches Arbeiten als integrativen Teil jeden Moduls

Der Anwendungsbezug des Studienganges wird gewährleistet durch:

  • die möglichst umfangreiche Integration des Problembasierten Ansatzes (PBL)
  • Problemorientierte Projektarbeiten aus der Praxis
  • und dem direkten Wissenstransfer aus der Forschung in das Studium

Die Kooperation mit den Unternehmen der Windenergiebranche wird durch:

  •  unternehmensspezifische Facharbeiten
  • Praxisphasen und Bachelorarbeiten in den Unternehmen
  • und die Integration der Unternehmensexperten und -expertinnen als Lehrende für den Studiengang und über einzelne Vortragsreihen realisiert

Auf der linken Seite der Abbildung sind die wesentlichen Zielgruppen (Meister/-in, Quereinsteiger/innen, Techniker/innen, Personen mit Familienpflichten), die für den Studiengange identifiziert wurden, dargestellt. Dem stehen auf der äußeren rechten Seite die drei definierten wesentlichen Arbeitsfelder gegenüber, in denen die Absolventen und Absolventinnen nach Abschluss perspektivisch tätig werden könnten: z.B. Windparkplanung, Betriebsführung eines Windparks und als Experte/Expertin für die ganzheitliche Erfassung des Windenergiesystems (in Abgrenzung zu den Experten und Expertinnen, die sich in die Entwicklung einer Komponente vertieft haben). Die Mathematik wird aufgebrochen und in Lerneinheiten aufgeteilt, die flexibel und zeitunabhängig abgerufen werden können, wenn sie in den Spezialisierungsmodulen tatsächlich benötigt werden.

Problembasiertes Lernen als Grundprinzip für den Aufbau des Curriculums

Auf der Grundlage der Diskussionsergebnisse der regelmäßigen Projektreffen und der Didaktisch-Methodischen Workshops wurde der Ansatz des problembasierten Lernens (PBL) als besonders wichtiges Element des grundsätzlichen didaktisch-methodischen Konzepts des Studienganges identifiziert. Er wurde als besonders geeignet für die Zielgruppe befunden, um dem Wettbewerb sowie verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden.

"PBL geht stets einher mit der „Gestaltung komplexer Lehr-, Lernsituationen, die individuell oder kooperativ, vor allem eigenständig durchgeführte Projekte beinhalten" (Müller, K. (2010). Forschungsbasierte Lehre. In U. Klingovsky & J. Ludwig (Hrsg.), Brandenburger Beiträge zur Hochschuldidaktik 2. Potsdam: Universitätsverlag Potsdam, S.8).

Die zentrale Fragestellung lautet daher: Wie lassen sich Konzepte problembasierten Lernens erfolgreich in die Module des Studienganges integrieren und auf der Ebene der einzelnen Module implementieren und realisieren?

Um PBL in einen berufsbegleitenden Studiengang auch nur ansatzweise zu implementieren, muss schon bei der Entwicklung des gesamten Curriculums generell umgedacht werden, weil in den Ingenieurswissenschaften die mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen immer eine große Rolle als Basis für komplexe Fragestellungen spielen.

Wenn jedoch von Anfang an vom komplexen Problem ausgegangen wird, muss an bestimmten Stellen die Reihenfolge des Curriculums aufgebrochen werden, damit die Grundlagen auch problembedingt abrufbar zur Verfügung stehen, wenn sie nicht, wie sonst, am Anfang stehen. Allein das Fach Mathematik muss dann in möglichst kleine und den Fragestellungen angepasste Lerneinheiten unterteilt werden, die dann bei Bedarf online zeitlich und räumlich flexibel abgerufen werden können.

Die Verzahnung der Grundlagen mit den Spezialisierungsmodulen wird im Rahmen von Lehrenden in Workshops erarbeitet und anhand der konkreten Problemfragestellungen in der Abfolge im Curriculum festgelegt. Für eine erfolgreiche Umsetzung spielen die neuen Möglichkeiten der medientechnischen Aufbereitung des Wissens, die Recherchemöglichkeiten und die Vernetzung der Lernenden zur Wissensgenerierung und Problemlösung untereinander und mit den Lehrenden eine entscheidende Rolle. Die Verzahnung des Curriculums orientiert sich so auch an den medientechnischen Anforderungen.