Tipps vom Oscarpreisträger

Seit 2001 Honorarprofessor an der Hochschule: Oscarpreisträger Volker Engel.
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Dauerschichten statt Sektfrühstück: Wer in der Traumfabrik Hollywood erfolgreich sein will, muss engagiert arbeiten. Das weiß auch Volker Engel, Filmproduzent und Honorarprofessor der Hochschule. Der gebürtige Bremerhavener gewann 1996 einen Oscar für die besten visuellen Effekte im Film „Independence Day“ und führt in Los Angeles eine eigene Produktionsfirma. Dort sind ab und an auch Praktikanten und Nachwuchstalente aus Deutschland anzutreffen. Welche Tipps junge Filmemacher auf ihrem Weg beherzigen sollten, verrät Volker Engel im Interview.

Hochschule Bremerhaven: Die allererste Praktikantin in Ihrer Firma Uncharted Territory soll eine Studentin aus Bremerhaven gewesen sein. Stimmt das?

Volker Engel: Ja, das muss ungefähr im Jahr 2002 gewesen sein, während der Anfangsphase unserer Firma.

Hochschule Bremerhaven: Wie hat sie das angestellt?

Volker Engel: Damit wir überhaupt Studierende oder generell Nachwuchs aus Deutschland in Los Angeles zu Gast haben können, müssen die sich im Vorfeld eigenständig um die üblichen Formalitäten kümmern. Diese Studentin hatte das gemacht und ihr Visum und Flugticket organisiert. Hinzu kam eine Empfehlung von der Hochschule. Als sie dann bei uns war, wurde sie auch komplett mit in die Arbeit einbezogen. Jemanden im Team zu haben, der überflüssig ist, kommt nicht in Frage. Was ich oft erklären muss: Da sitzt keine Firma in Hollywood mit 300 Angestellten, in der es nicht darauf ankommt, ob ein oder zwei Leute zusätzlich da sind. Unsere Firma besteht zwischen Projekten grundsätzlich nur aus zwei Leuten: meinem Kompagnon Marc Weigert und mir. Für unsere Projekte heuern wir die restlichen Leute an - Artists, TDs und Management. Aber die Firma selbst hat eher Boutique-Größe. Wir arbeiten zusätzlich mit größeren Firmen zusammen.

Hochschule Bremerhaven: Wenn junge Menschen in Ihre Fußstapfen treten wollen, was raten Sie ihnen?

Volker Engel: Wenn man eine eigene Firma gründet, muss man sich auf extrem viel Arbeit und Verantwortung einstellen. Bei Leuten, die sich für diese Branche interessieren, ist die wichtigste Eigenschaft die Eigeninitiative. Es hinterlässt Eindruck, wenn uns jemand zeigt, dass er über den Lehrplan oder die Aufgabe hinaus gearbeitet hat. Nicht aus Zwang, sondern weil es ihn interessiert. Weiterbildung ist heutzutage viel einfacher als früher, schon allein durch das Internet. Und wenn Studiengänge wie die Digitale Medienproduktion hier an der Hochschule noch zusätzlich das technische Equipment bereitstellen, sollte man die Möglichkeit nutzen, so viel wie möglich auszuprobieren.

Hochschule Bremerhaven: Zuletzt haben Sie auf der FMX in Stuttgart gesprochen, einer internationalen Konferenz für Animation und Effekte. Wie wichtig ist Ihnen generell die Nachwuchsförderung?

Volker Engel: Sehr wichtig - und Spaß macht mir der Austausch mit jungen Filmemachern natürlich auch. All die Tipps und Hinweise, die ich damals selbst nicht bekommen habe, gebe ich jetzt gerne weiter. Der erste Schritt ist, dass ich aus der Praxis berichte und sage, wie die Branche wirklich ist. Schon als ich noch an der Filmakademie in Ludwigsburg gelehrt habe, traf ich hin und wieder auf Bewerber mit folgender Einstellung: "Ich möchte gerne in die Filmindustrie. Da kann man ausschlafen und beginnt den Tag mit einem Sektfrühstück." (lacht) Die sind dann zwar nicht aufgenommen worden aber an diese Aussage habe ich mich erinnert. Zum Beispiel als ich in New York für Dreharbeiten um vier Uhr morgens bei Nieselregen auf dem Dach eines Wolkenkratzers saß oder 18-Stunden-Schichten geschoben habe. Aber meine Devise ist: "Such dir das, was dir Freude macht und du musst nicht eine Stunde in deinem Leben arbeiten." Das fasst für mich zusammen, was ich beruflich mache.

Hochschule Bremerhaven: Sehen Sie sich als Vorbild?

Volker Engel: Wen man sich als Vorbild sucht ist jedem selbst überlassen. Aber freuen würde es mich natürlich, wenn mich andere als solches sehen. Ich selbst hatte als junger Mann Vorbilder, beispielsweise Douglas Trumbull, ein Visual Effects Supervisor. Er war unter anderem verantwortlich für die Effekte von Blade Runner, bis heute einer meiner Lieblingsfilme. Inzwischen sind wir nicht nur Kollegen, sondern auch befreundet.

Hochschule Bremerhaven: Die nächsten Aufträge warten bereits in Amerika auf Sie: Im Mai beginnt die Vorproduktion zu Independence Day II. Werden Sie in Zukunft öfter Zeit für Lehrveranstaltungen an der Hochschule haben?

Volker Engel: Mir hat mein Besuch sehr viel Spaß gemacht, aber wann ich Zeit habe ist abhängig vom Produktionsplan der jeweiligen Filmproduktionen - das ist eben mein Hauptberuf. Er lässt das Lehren, das oft eine lange Vorbereitung fordert, eben nur zu bestimmten Zeiten zu. Die Fortsetzung von Independence Day wird mich wohl die nächsten zwei Jahre beschäftigen. Aber wenn ich in Bremerhaven bin und Zeit habe, werde ich mich vorher bei der Hochschule melden und kann dann zumindest für eine Frage- und Antwort-Session vorbeikommen. Das ist versprochen.

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