Hochschulblog

Forschungsexpedition von Jana Geuer und Urban Wünsch

Forschungsschiff Maria S. Merian
Forschungsschiff Maria S. Merian
Quelle: Jana Geuer

 

Forschungsschiff Maria S. Merian

Expedition MSM-56; 02.07. - 25.07.2016

Longyearbyen - Reykjavík

4. Fahrtbericht für die Hochschule Bremerhaven

Küste Westislands
Küste Westislands
Quelle: Claudia Burau

Nach der ausführlichen Beprobung des grönländischen Scoresbysunds begaben wir uns in den isländischen Arnarfjörður (Adlerfjord), zweitgrößter der Westfjorde Islands. Schnell stellten wir fest, dass es sich, mit einer Tiefe von maximal etwa 120 m, um einen vergleichsweise flachen Fjord handelt und dass beim Navigieren dadurch besondere Vorsicht geboten war. Obwohl die Überfahrt nach Island nur einen Tag in Anspruch nahm, änderte sich das Bild der Landschaft sehr schnell. Die Eisberge verschwanden und die kargen Felsen Grönlands wichen einer sehr grünen Landschaft auf denen deutliche Spuren der Zivilisation zu sehen waren.

Quallententakel am Wasserschöpfer
Quallententakel am Wasserschöpfer
Quelle: Claudia Burau

Im Wasser befanden sich nun neben dem einen oder anderen neugierigen Wal neue Begleiter: Quallen aller Arten und Größen. Wann immer wir den Wasserschöpfer aus dem Wasser holten, wurde dieser zunächst ordentlich geduscht, um die nesselnden Tentakel abzuspülen bevor wir unsere Proben nahmen. Der Arnarfjörður hat etwas weniger als ein Zehntel der Länge des Scoresbysunds. Dementsprechend wenig Zeit nahm die Probennahme hier in Anspruch.

Proben aus diesem eisfreien Fjord sollen uns eine Vergleichsmöglichkeit zu den stark von Gletschern beeinflussten Fjordsystemen liefern. Wir wählten unsere Stationen so, dass sie sich mit den Lokationen einer vor 4 Jahren durchgeführten früheren Expedition mit der MS Merian deckten, sodass wir hier Vergleichswerte erhalten können.

Anlegen im Hafen von Reykjavik
Anlegen im Hafen von Reykjavik
Quelle: Jana Geuer

Nachdem die letzte Station angefahren war, begann das große Packen, was insgesamt mehr als 2 Tage beanspruchte. Nachdem die letzten Proben prozessiert waren, wurde alles wieder in die Kisten geräumt und in unseren Frachtcontainer gestaut. Dank guter Manövrierfähigkeiten unserer fleißigen Packer passte schlussendlich alles. Nachdem dies und der dazugehörige Papierkram erledigt war, blieb uns noch die Aufgabe, die Labore zu reinigen.Wie schon zu Beginn löste sich auch dieses bunte Chaos irgendwann, sodass wir am nächsten Morgen entspannt, aber ein wenig melancholisch gestimmt in Reykjavik anlegen konnten.

Damit ging unsere dreiwöchige Ausfahrt auf Maria S. Merian zu Ende. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Kapitän und Mannschaft dieses wundervollen Forschungsschiffs für die tolle Unterstützung bedanken.

3. Fahrtbericht für die Hochschule Bremerhaven

Nordarm des Scoresbysund
Nordarm des Scoresbysund
Quelle: Urban Wünsch

Wir sind nun endlich angekommen: Der Scoresby Sund (grönländisch: Kangertittivaq) an der Ostküste Grönlands. Für die 350 km vom Eingang des Fjords bis zum Gletscher im Nordarm (Daugaard-Jensen Gletscher) brauchte unser Forschungsschiff Maria S. Merian knapp 24 Stunden. Da das Wetter mitspielte, zeigte sich der Scoresby Sund von seiner besten Seite. Mit jedem Kilometer boten sich immer neue Anblicke: kleine Eisschollen, riesige Eisberge, Eisfelder inklusive Robben, zahleiche Vögel. Die Landschaft wurde dominiert von bis zu 2000 km hohen Bergen von denen sich zahlreiche Gletscher den Weg in den Fjord bahnen. Diese Gletscher und ihre eiszeitlichen Vorgänger sind für die beeindruckende Wassertiefe verantwortlich: Mit bis zu 1600 m ist der Fjord nahezu so tief wie die ihn umgebende Berglandschaft.

Wissenschaftliches Team der MSM 56
Wissenschaftliches Team der MSM 56
Quelle: Emmerich Reize

Nach knapp 24 Stunden war unser Ziel dann erreicht: Die Gletscherzunge des Daugaard-Jensen Gletschers am Ende des Nordarms. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging die wissenschaftliche Erkundung los: Beprobt wurden zahlreiche Stationen, bei denen ein umfangreiches Programm abgearbeitet wurde: Wasserproben zur Bestimmung von chemischen Parametern, Planktonnetze zur Bestimmung der biologischen Diversität und Sedimentfallen mit denen herabsinkende Partikel charakterisiert werden.

Eisprobenahme mit dem „Zodiak“
Eisprobenahme mit dem „Zodiak“
Quelle: Elina Nystedt

Höhepunkt des Programms war die Beprobung von Gletschereis und Schmelzwasserflüssen mit Hilfe eines kleineren Bootes ("Zodiak"). Da in der Arktis jederzeit mit Eisbären zu rechnen ist, bestand das Erkundungsteam immer aus zwei Wissenschaftlern, die ausschließlich auf Bärenausschau waren. Obwohl Eisbärenspuren im Sand zu sehen waren, hatte unser Team Glück und konnte sich ungestört der Probenahme widmen. Eine Vielzahl von Proben des Gletschereises, Schmelzwassers und der ufernahen Vegetation wird wertvolle Hinweise liefern, um die biologische und chemische Diversität des Nordarms zu verstehen.

Zudem wurden zahlreiche Stationen angefahren, die 1990 zum letzten und nahezu einzigen Mal wissenschaftlich erkundet wurden. Das Forschungsschiff Polarstern führte 1990 eine geologische Erkundung durch. Die erneute Untersuchung der Wassersäule 26 Jahre später bietet nun eine faszinierende Gelegenheit, die historischen mit den aktuellen Daten zu vergleichen: Im Hinblick auf Salzgehalt des Wassers stellten wir schnell fest, dass selbst nach 26 Jahren noch nahezu identische Bedingungen herrschen. Für reichlichen Gesprächsstoff dürfte allerdings der Temperaturanstieg des Tiefenwassers um knapp + 0.5° C sorgen.

Nach einem umfangreichen wissenschaftlichen Programm ist es dann aber auch schon bald Zeit, den Nordarm des Scoresby Sund zu verlassen. Unser nächstes Ziel: Arnarfjörður (deutsch: Adlerfjord), Teil der sogenannten "Westfjorde" Islands.

2. Fahrtbericht für die Hochschule Bremerhaven

Aussicht auf den eisschollenbedeckten Ozean während des Transits nach Grönland
Aussicht auf den eisschollenbedeckten Ozean während des Transits nach Grönland
Quelle: Jana Geuer

Bereits länger als eine Woche sind wir nun schon unterwegs und die Zeit vergeht wie im Fluge, wobei das Zeitgefühl hier generell anders ist. Sowohl Tage der Woche als auch die Uhrzeit spielen an Bord weniger eine Rolle. Der Tagesrhythmus wird vornehmlich durch die Stationen bestimmt, die wir zur Probenahme anfahren, aber auch durch die festgelegten Essenszeiten, die verlässlicher sind als jede Uhr und uns zu regelmäßigen Pausen nötigen. Die Arbeitstage sind sehr voll und je nach Experiment wird rund um die Uhr gearbeitet. Diese Tatsache ist jedoch durch die gute Stimmung und hohe Motivation, die innerhalb der gesamten Gruppe herrscht, vernachlässigbar.

Nachdem wir Spitzbergen verlassen haben, befinden wir uns nun vor Grönland, am Rande unseres zweiten zu untersuchenden Fjordsystems, dem Scoresby Sund in Grönland. Seit Monaten wird bereits auf einen zugänglichen Fjord hin gefiebert, da bis kurz vor der Reise ein Eiskeil noch den Weg versperrte. Zu diesem Zweck wurden uns während des Transits von Spitzbergen (Svalbard) nach Grönland von daheimgebliebenen Kollegen regelmäßig Satellitenaufnahmen des Fjords und dessen derzeitiger Eisbedeckung über die hier im hohen Norden oft instabile Internetverbindung zugeschickt. Der weite Ozean, ein wenig Seegang und ein Transekt von Stationen begleiteten uns in der Zeit der Überfahrt. Zu guter Letzt kamen vor Grönland einige Eisschollen hinzu, die vom Kapitän und seinen Nautikern geschickt umschifft wurden.

Wasserprobenahme des Chemie-Teams an der CTD (v.l.n.r.: Claudia Burau, Jana Geuer, Miriam Seifert, Urban Wünsch)
Wasserprobenahme des Chemie-Teams an der CTD (v.l.n.r.: Claudia Burau, Jana Geuer, Miriam Seifert, Urban Wünsch)
Quelle: E. Nystedt

Zwischendurch nahmen wir immer wieder Proben. Wir, die wir uns mit Parametern der Wasserchemie befassen, interessieren uns für Nährstoffe, Gase und gelöstes organisches Material in den Fjordsystemen. Unsere Wasserproben werden mit der sogenannten CTD (dies steht für conductivity, temperature, density - zu Deutsch: Leitfähigkeit, Temperatur, Dichte ab) entnommen, eine Sonde, an der 24 Flaschen befestigt sind, die sich in beliebigen Wassertiefen verschließen lassen. "Piloten" dieses Gerätes sind unsere Ozeanographen, die sich zudem damit auseinandersetzen, welche Strömungen und Wassermassen uns umgeben.

Andere Teams beschäftigen sich derweil mit den biologischen Aspekten der hiesigen Umgebung. So filmt ein Team das Herabsinken von Partikeln, an welchen sich Ruderfußkrebse laben. Mit verschiedenen Netzen wird Plankton eingesammelt und deren genotypische und phänotypische Biodiversität bestimmt, einhergehend mit der Analyse von einzeln herausgepickten Planktonzellen - eine mühsame Feinarbeit unter dem Mikroskop. Auch sind Spezialisten für die Zählung und die Charakterisierung von Bakterien an Bord. Es laufen außerdem Versuche zur Primärproduktion in diesen Gefilden. Dabei sind alle gespannt, welche Ergebnisse die Untersuchung des Fjords bringen wird.

1. Fahrtbericht für die Hochschule Bremerhaven

Seit einigen Tagen befinden wir uns nun schon an Bord des Forschungsschiffes Maria S. Merian. Unsere Reise begann in Longyearbyen, wo sich die Teilnehmer der Reise aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und den USA an Bord trafen.

Verladen des Reinraumcontainers
Verladen des Reinraumcontainers
Quelle: Boris Koch

Hier kamen nicht nur die verschiedenen wissenschaftlichen Teams an Bord, sondern auch die gesamte Laborausrüstung; gut verstaut in Containern und Kisten. Und nicht nur das - auch ein mobiler Reinraum-Laborcontainer wurde, in einem beeindruckenden logistischen Manöver, durch zwei enge Luken tief in den Bauch des Schiffes gelassen.

Es dauerte zwei sehr aufregende Tage bis alle Materialien und Geräte ausgeladen und in den verschiedenen Laboratorien installiert waren. Das dabei entstehende augenscheinliche Chaos ließ sich dabei durch gute Zusammenarbeit und die tolle, hilfsbereite Schiffscrew überraschend schnell bewältigen. Während die Aufbauarbeiten noch stattfanden, reisten wir zum Kongsfjord; unserer ersten Probenregion. Bereits am Morgen konnte somit an der Mündung des Fjordes die erste Teststation stattfinden. Eine solche Station ist sinnvoll und hilfreich, um die geplanten Probennahmen und Abläufe an Bord aufeinander abzustimmen.

Mündung des Kongsfjord zu Mitternacht
Mündung des Kongsfjord zu Mitternacht
Quelle: Boris Koch

Die sommerliche Arktis zeigt sich uns von ihrer schönsten Seite mit einer sehr ruhigen See und rund um die Uhr Sonne. Kurz nach der Mittsommerwende ist es hier immer taghell, sodass man auch um Mitternacht noch ein nächtliches Sonnenbad genießen kann.

Da die Expedition uns in arktische Fjorde führt, begleitet uns nicht nur die Aussicht auf den weiten Ozean, sondern außerdem eine sehr einzigartige braun-weiße Berglandschaft mit vielen Gletschern. Einigen kann man den Klimawandel sehr deutlich ansehen; große Krater und Täler zeichnen dort die Landschaft, wo sich früher einmal dicke Eisschichten türmten. Dabei handelt es sich noch immer um eine faszinierende, unberührte Gegend, in der man vornehmlich verschiedenen Vögeln und mit etwas Glück sogar Walen begegnen kann.

Kongsbreen
Kongsbreen
Quelle: Boris Koch

Die eigentliche Arbeit begann im Inneren des Kongsfjord, direkt vor dem Kongsfjord-Gletscher (Kongsbreen), in dem wir unser intensives Stationsprogramm begannen. Auf dem Rückweg aus dem Fjord fuhren wir in regelmäßigen Abständen Stationen an. Unmittelbar nach jeder Probennahme erfolgen weitere Arbeitsschritte im Labor um die frisch gewonnen Proben weiterzuverarbeiten. Nach wenigen Tagen haben sich die Arbeitsabläufe weitestgehend eingespielt und dank der großartigen Zusammenarbeit mit der Crew der Merian sind die Feldarbeiten deswegen nun in vollem Gange und wir konnten uns sogar bereits über einige Ergebnisse der ersten Gruppen freuen.