Keine Mitleidstour

Ausschnitt aus dem Kinospot
Ausschnitt aus dem Kinospot
Quelle: Mannchen, Schürmann, Schmidt, Schulke, Bentley

Studierende der Digitalen Medienproduktion drehen Kinospot für "Zeitschrift der Straße"

Ganz auf sich allein gestellt, läuft der Held die dunklen Straßen und Gassen entlang. Düstere Gestalten mustern ihn. Nein, das ist keine Szene aus einem Hollywood-Streifen. Es handelt sich weder um einen Großstadtcowboy noch einen Actionhelden. Es ist ein Obdachloser, der sich durch den harten Alltag auf der Straße kämpft. Im ihrem soziale Projekt drehten Darlien Schürmann, Lennard Schmidt, Felix Schulke, Sebastian Mannchen und Leroy Bentley einen Kinospot und beleuchteten Obdachlosigkeit von einer ganz anderen Seite. Von der Idee über das Konzept bis hin zur fertigen Produktion erarbeiteten die Studierenden des Bachelorstudiengangs Digitale Medienproduktion (DMP) völlig selbstständig einen 1-minütigen Kinospot für das Magazin "Zeitschrift der Straße", das von Obdachlosen in Bremen und Bremerhaven verkauft wird.

"Der typische Actionheld, der allein in einer dystopische Welt durch die Straßen geht, ist jedem aus Hollywood-Filmen bekannt. Genau mit diesem Element wollten wir spielen", erklärt Mannchen. Mit Streetworkern machten die Studierenden einen Rundgang im Bahnhofsviertel, um ein Gefühl für die Thematik zu bekommen. Dass das Thema anders als üblich aufgezogen werden muss, um niemanden bloßzustellen oder zu bemitleiden, war dabei schnell klar. " Wir wollten im Spot nicht auf die Tränendrüse drücken und uns vom gängigen Klischees verabschieden, dass Obdachlose beispielsweise nur bemitleidenswert sind", erzählen Mannchen und Bentley. Vielmehr ginge es darum, Obdachlose als stark statt schwach darzustellen - eben wie ein Filmheld, der sich alleine durchkämpft und dafür bewundert wird.

Als Prof. Dr. Holger Rada vor gut einem Jahr mit der Aufgabenstellung zu ihnen kam, waren die fünf Studierenden erst im dritten Semester statt, wie für das soziale Projekt vorgesehen, im sechsten. "Uns war egal, dass das mehr Arbeit im Semester bedeutete. Wir fanden die Idee, einen Kinospot für die "Zeitschrift der Straße" zu drehen so spannend, dass wir sofort zusagten", so Bentley. Und tatsächlich war es kein "einfaches" Projekt, sondern nahm viel Zeit in Anspruch. "Nachdem wir wussten, wie der Spot ungefähr aussehen sollte, mussten wir ein Storyboard erstellen, ein Drehbuch schreiben, einen Ablaufplan aufstellen, Requisiten besorgen, Locations aussuchen und Drehgenehmigungen einholen", erklärt Mannchen. Einen professionellen Sprecher und einen Schauspieler besorgten sich die Studierenden für den Spot auch.

Beim Vorführen der Rohfassung wussten dann alle, dass es genau in die richtige Richtung geht. Die Besprechungen führten die Studierende jedoch nicht mit "Zeitschrift der Straße", sondern mit Studierenden vom Studiengang Cruise Tourism Management (CTM). "Unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen erhielten den Auftrag von der "Zeitschrift der Straße", ein Marketingkonzept in ihrem Projektmodul zu kreieren. Sie gaben den Teilauftrag für den Kinospot an uns weiter, da wir im Bereich Filmproduktion mehr Erfahrung haben", erzählt Bentley. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der 1-minütige Film sieht so professionell aus, dass auch Prof. Rada beeindruckt ist: "Die Qualität ist herausragend."

Nicht nur ihre Fähigkeiten in Sachen Filmproduktion und Projektplanung haben die Studierenden mit diesem Projekt verbessert. "Seit wir uns für den Spot mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigen, sehe ich die Menschen, die die "Zeitschrift der Straße" verkaufen, mit völlig anderen Augen. Früher hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht beachtet. Jetzt kaufe ich mir sogar öfter mal das Magazin", erzählt Mannchen. Vielleicht gelingt es auch ihrem produzierter Kinospot, mehr Aufmerksamkeit für das Thema Obdachlosigkeit zu schaffen.

Der fertige Spot kann eingesehen werden unter https://vimeo.com/303867602

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