Professor der Hochschule Bremerhaven entwickelt neuartige Testmethode für Blutgerinnungsmittel

Hat die neuartige Testmethode entwickelt: Prof. Dr. Stefan Wittke
Hat die neuartige Testmethode entwickelt: Prof. Dr. Stefan Wittke
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Erfindung verspricht mehr Sicherheit für Patientinnen und Patienten

Die Gefahr steckt tief in den Venen: Allein in Deutschland sterben jährlich rund 100.000 Personen an Gefäßverschlüssen aufgrund von Thrombosen und Lungenembolien. Damit sind diese die dritthäufigste Todesursache bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Herzinfarkten und Schlaganfällen. Um dies zu verhindern, werden Blutgerinnungsmittel verschrieben. Wirken sie nicht richtig, kann es allerdings zu gefährlichen Komplikationen kommen. Eine neuartige Analysemethode verbessert nun die Qualitätssicherung dieser Medikamente.  Prof. Dr. Stefan Wittke, Professor für marine Biotechnologie an der Hochschule Bremerhaven, und Dr. Stephan Kiessig entwickelten auf Grundlage der Masterarbeit des ehemaligen Biotechnologie-Studenten Christian Wilhelm das Verfahren. Gemeinsam wurde die Analysemethode nun mit dem Unternehmen Previpharma Consulting patentiert.

Bei einer Blutgerinnungsstörung ist das Blut dicker, als es eigentlich sein sollte. Dies erschwert den Blutfluss durch den menschlichen Körper. Kommen noch weitere Faktoren, wie Bettlägerigkeit oder langes Sitzen, hinzu, kann dies schnell zu Verklumpungen im Blut und so zu einer Thrombose führen. Abhilfe schaffen Medikamente, sogenannte Prothrombinkomplex-Konzentrate (PKK), die die Blutgerinnung normalisieren. Wichtig ist dabei, dass die vorhandenen Blutgerinnungsfaktoren nicht aktiv sind. „Aktive Faktoren würden die Blutgerinnung auslösen und das Problem noch verschlimmern“, erklärt Prof. Wittke. Dementsprechend wichtig sei es, aktive und inaktive Faktoren voneinander unterscheiden und direkt nachweisen zu können. Bisherige Testmethoden können dies allerdings nicht leisten. Prof. Wittke wandte sich der Problematik zu und stellte schnell fest, dass ein solcher Nachweis mithilfe bioanalytischer Testverfahren möglich sein sollte. Der Student Christian Wilhelm lieferte schließlich mit den Ergebnissen seiner Masterthesis die Grundlage für die Entwicklung der neuartigen Analysemethode.

Auch heute werden bei der Qualitätskontrolle von Medikamenten bereits Blutgerinnungsfaktoren analysiert. Bisher funktioniert dies allerdings nur indirekt, zum Beispiel über die Gerinnungszeit. Dieser Nachweis ist nicht nur sehr zeitintensiv, sondern auch anfällig für Fehler. Anders das nun entwickelte Verfahren. „Unsere Methode basiert auf der Bestimmung von spezifischen Fragmentgrößen der Gerinnungsproteine in flüssigen Proben, wie zum Beispiel Körperflüssigkeiten oder Medikamenten“, erklärt Prof. Wittke. Das Besondere: So können die wichtigsten Gerinnungsfaktoren zeitgleich untersucht und nachgewiesen werden, was die Methode besonders schnell und sicher macht. Schon bald könnten auf diese Weise sämtliche Blutgerinnungsmittel untersucht werden. Prof. Wittke erforscht nun, wie sich seine patentierte Erfindung noch weiter optimieren lässt.

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