Sechs Nominierungen und Publikumspreis in Frankfurt: „Kimberly“ jetzt bei YouTube

Filmplakat Kimberly
Filmplakat Kimberly
Quelle: Prof. Dr. Holger Rada

Studierende der Hochschule Bremerhaven machen animierten Dokumentarfilm für die Öffentlichkeit zugänglich

Zehn Studierende der Hochschule Bremerhaven haben einen besonderen Dokumentarfilm produziert. Der Film "Kimberly" behandelt das Thema Depressionen aus einem besonders wichtigen Blickwinkel - dem der Betroffenen. Seit Produktionsende ist einiges passiert. Neben mehreren Nominierungen und der Auszeichnung mit einem Publikumspreis wurde der Film in den letzten Monaten auf internationalen Filmfestivals gezeigt und sorgte für mediales Interesse. Damit "Kimberly" für ein breites Publikum zugänglich ist, haben die Studierenden den Film jetzt auf YouTube veröffentlicht.

Der animierte Dokumentarfilm lief zuletzt auf Filmfestivals in Freising und Detmold. Zuvor wurde er beim E&U European Short Film Festival in Frankfurt mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Auf internationaler Bühne war er in Israel zu sehen, während das Filmfestival in Wales wegen der Corona-Krise auf 2021 verschoben werden musste.

Dennoch hat sich das Filmteam aus dem Studiengang "Digitale Medienproduktion" nun dafür entschieden, den Film bei YouTube einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen - in der englischen Sprachfassung mit deutschen Untertiteln. "Die Vielzahl an Nominierungen ist für uns eine große Überraschung gewesen", erklärt Michael Niemann, einer der Animatoren aus dem DMP-Team. "Andererseits zeigt dies uns deutlich, dass sehr viele Menschen an Kimberlys Geschichte interessiert sind. Nun sollen sie die Möglichkeit haben, weltweit daran teilzuhaben."

Das Thema des Films ist ernst. "Kimberly", so die Protagonistin des Films, leidet unter Depressionen. Der Film basiert auf ihren Tagebucheinträgen. "Kimberly heißt in Wirklichkeit anders, das Team kennt ihren richtigen Namen nicht", erläutert Kristen Maree Jewson das Konzept. "Wir kommunizieren über eine Kontaktperson mit ihr." Daher ist die Kimberly des Films gleichzeitig die Kimberly des Tagebuchs und doch auch eine ganz andere Figur - entsprungen aus der Vorstellungskraft des Teams und gezeichnet von der Illustratorin Caroline Schneider. Fast ein Jahr lang haben sich zehn Studierende des Studiengangs "Digitale Medienproduktion" an der Hochschule Bremerhaven mit der Thematik Depression und der Umsetzung als AnimaDok, einer Mischung aus Animations- und Dokumentarfilm, auseinandergesetzt. Unter Leitung von Prof. Dr. Holger Rada ist schließlich ein aufwändig produzierter achtminütiger Film entstanden.

Bereits im April hatte RTL in einem fünfminütigen TV-Beitrag über "Kimberly" berichtet. Ein weiterer Beitrag von SAT.1 musste wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Doch auch so hat sich das Projekt der Hochschule Bremerhaven mehr als gelohnt, denn Kimberly selbst findet den Film sehr gelungen. Nach Abschluss der Produktion hat sie sich anonym bei Projektleiter Holger Rada gemeldet und sich für das mutige Projekt bedankt.

Kimberly schreibt in Ihren Tagebüchern über Antriebslosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl, ihre quälende Einsamkeit und das Gefühl, von niemandem verstanden zu werden. "Das ist genau der Punkt, wo ein animierter Dokufilm seine Stärken ausspielen kann", erläutert Holger Rada die Idee: "Die echte Kimberly hätte einer Realverfilmung nicht zugestimmt, so aber können wir Anonymität gewährleisten und sind doch ganz nah an ihren Gedanken und Gefühlen."

Die Ideenfindung und Kontaktaufnahme hat einige Wochen gedauert, sehr viel mehr Zeit hat das Team dagegen auf die Entwicklung des Stils und der Animationstechniken verwendet. "Am Ende haben wir uns für einen klassischen Zeichenstil entschieden und die Bildebenen in der Postproduktion bewusst auf einfache Weise animiert", erklärt Illustratorin Caroline Schneider die Umsetzung. Dennoch sind Monate vergangen, bis die ersten beiden Tagebuchsequenzen fertig geworden sind.

Am Ende steht ein Animationsfilm, der sich durch seinen Zeichenstil und seinen Entwurfscharakter klar von gängigen 3D-Animationsfilmen abgrenzt. "Und auf das Tabuthema Depression aufmerksam macht", ergänzt Kristen Maree Jewson. Depressionen gehören zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Lauf seines Lebens davon betroffen. Viele Betroffene trauen sich aber nicht, darüber zu sprechen. "Mit unserem Film", so Jewson, "verfolgen wir das Ziel, den Zuschauerinnen und Zuschauer zu zeigen, dass Depressionen mehr bedeuten als nur traurig zu sein."

Link zum Film: youtu.be/_Ba33TAbx2Q

Eine stark gekürzte Fassung des RTL-Beitrags ist hier zu sehen: www.rtlnord.de/nachrichten/tabu-thema-depressionen-dank-studenten-aus-bremerhaven-bekommt-das-tagebuch-einer-anonymen-gehoer.html

Nominierungen und Auszeichnung

  • Finalist Best Independents International Film Festival, Karlsruhe 2019
  • Audience Award E&U European Short Film Festival, Frankfurt 2020
  • Official Selection Near Nazareth Festival 2020
  • Official Selection Independent StarFilmfest, Freising 2020
  • Official Selection International Short Film Festival, Detmold 2020
  • Official Selection Wales International Documentary Festival, Cardiff 2021

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