Studienpatin Lea macht Mut zu MINT-Studium

Studienpatin Lea macht Mut zu MINT-Studium

Lea Seiffart (Studienpatin Anlagenbetriebstechnik)
Lea Seiffart (Studienpatin Anlagenbetriebstechnik)
Quelle: Kai Martin Ulrich

Naturwissenschaftliche und technische Berufsfelder sind spannend und zukunftsweisend. Trotzdem bewegen sich die Bewerber:innenzahlen seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Laut MINT-Nachwuchsbarometer entschieden sich 2021 nur rund 38% der Studienanfänger:innen für ein MINT-Fach. Besonders Frauen sucht man in den Hörsälen oft vergeblich. Nur ein Viertel aller MINT-Studierenden ist weiblich. Eine von ihnen ist Lea Seiffart. Sie ist derzeit die einzige Studentin im Studiengang Schiffsbetriebstechnik (SBT) an der Hochschule Bremerhaven und arbeitet als Studienpatin für die Servicestelle Marketing. In dieser Funktion möchte sie anderen Interessierten Mut machen, sich ebenfalls für ein MINT-Studium zu entscheiden.

Von der Kauffrau zur Ingenieurin

Nicht immer führen die Wege direkt in einen MINT-Beruf. Auch Lea Seiffart hatte sich zunächst anders entschieden und nach dem Abitur eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau in einer Reederei begonnen. "Dabei habe ich gemerkt, dass mir die handwerklichen Tätigkeiten mehr liegen und mich mehr interessieren als die Arbeit im Büro", so die Studentin. Auf ihre Bitte hin konnte sie den Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens wechseln und wurde fortan in der reedereieigenen Werkstatt eingesetzt. Dort stellte sie fest, dass die Kombination von Schifffahrt und Handwerk für sie besonders spannend ist. Um dies noch zu vertiefen, hat sie sich nach erfolgreichem Abschließen der Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau für den Studiengang Schiffsbetriebstechnik entschieden und absolviert nebenbei ihre zweite Ausbildung zur Technischen Offiziersassistentin (TOA). "SBT ist einer der wenigen Studiengänge, aus dem man als Ingenieurin rausgeht und gleichzeitig das Patent zur technischen Wachoffizierin erwerben kann", erklärt Seiffart. Das befähigt sie zum Beispiel zur Durchführung der Maschinenwache auf einem Schiff.

Facettenreich und breit aufgestellt - so ist MINT

Die Entscheidung für ein MINT-Studium ist Lea Seiffart trotz ihres Interesses nicht leichtgefallen. "Bevor ich mich beworben habe, war ich unsicher, ob ich das schaffe. Aber dann habe ich mir gedacht: Lieber probieren und dann merken es ist nichts für mich, als irgendwann zu sagen: Ach hätte ich mal", so die 23-jährige. Bereut hat sie diesen Schritt nicht. Besonders begeistert ist Lea davon, dass ihr Studium so abwechslungsreich ist. Neben Grundlagen wie Mathematik, Elektrotechnik und Technisches Zeichnen hat sie auch Fächer wie Kältetechnik, Automatisierungstechnik und Verbrennungskraftmaschinen. Diese Bandbreite ist Seiffart wichtig: "Ich sage immer, ein Schiff ist wie eine kleine Stadt. Dort muss man alles können wie an Land: Energie erzeugen, Abwasser aufbereiten, Müll trennen, verbrennen oder an Land entsorgen und die Klimaanlagen müssen auch funktionieren. Auf einem Schiff muss man immer Lösungen parat haben und selbstständig arbeiten können." Bei einem technischen Problem auf hoher See schnell ein Ersatzteil besorgen, ist nicht so einfach möglich.

Einzige Frau im Studiengang? Kein Problem!

Lea hat sich an der Hochschule Bremerhaven für den Studiengang mit dem geringsten Frauenanteil entschieden. Vorurteile begegnen ihr im Studienalltag dennoch nicht. Lediglich bei der Arbeit an Bord hat sie schon gemerkt, dass Frauen zunächst etwas getestet werden. "Sobald die Kollegen dort aber merken, dass man Interesse an der Arbeit hat und was kann, ist das kein Problem mehr", so Seiffart. Nach dem Abschluss ihres Studiums und der Ausbildung zur TOA möchte sie das Patent zur technischen Wachoffizierin beantragen und als sogenannte Dritte Ingenieurin zur See fahren. Damit wäre sie als Schiffsingenieurin die drittrangige Offizierin an Bord und u.a. zuständig für Brennstoffe, Kessel und Hilfsmotoren. Direkt nach dem Abschluss in diesen Beruf einsteigen kann sie allerdings nicht. Zunächst muss sie noch Seefahrtzeiten als TOA sammeln und Fortbildungen besuchen. Die Inhalte ihres Studiums bereiten sie darauf gut vor.

Als Studienpatin bei der Studienwahl helfen

Dass sie bei ihrem Studiengang genau weiß, was sie später beruflich machen kann, motiviert Lea Seiffart besonders. Ihre Begeisterung möchte sie mit anderen teilen und arbeitet daher seit einem Jahr als Studienpatin für die Servicestelle Marketing. Im Blog und auf Instagram berichtet sie über ihren Studienalltag. Außerdem sind Studienpat:innen wichtige Ansprechpartner:innen für Schülerinnen und Schüler, weil sie Fragen aus Studierendensicht beantworten. Sie unterstützen auch bei Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür und auf Messen. Wer sich für ein Studium interessiert, kann die Studienpat:innen auch persönlich anschreiben und Fragen stellen. Eine Übersicht gibt es hier: www.hs-bremerhaven.de/studienpaten

Technische:r Wachoffizier:in

Technische Wachoffizier:innen übernehmen Planungs-, Führungs- und Überwachungsaufgaben im technischen Schiffsdienst. Hierzu gehört insbesondere die Durchführung der Maschinenwache, bei der sie die zahlreichen Anlagen im Maschinenraum oder in der Steuerungs- und Regelzentrale (Maschinenkontrollraum) überwachen, warten, instand setzen und bei Störungen eingreifen.

MINT-Nachwuchsbarometer

Das MINT Nachwuchsbarometer ist ein bundesweiter Trendreport. Der Bericht versammelt und kommentiert die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Nachwuchssituation im MINT-Bereich von der frühen Bildung bis zur beruflichen Ausbildung und zum Studium. Herausgegeben wird die Publikation jährlich durch die Körber Stiftung.

Weitere Informationen hier:
www.koerber-stiftung.de/mint-nachwuchsbarometer