Was machen eigentlich unsere Absolvent:innen? Betriebwirtschaftslehre

„Die Hochschule Bremerhaven war für mich das Tor zur Welt“

BWL- Absolvent João Paulo Fernandes Marques über seinen Werdegang und den Mut eigene Ideen umzusetzen

Bremerhaven, Mexiko, Lissabon, Kassel, Frankfurt, der Werdegang von João Paulo Fernandes Marques ist geprägt von den unterschiedlichsten Stationen. Mittlerweile lebt und arbeitet er in Berlin bei PwC, einer in Deutschland führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, und ist Mitgründer eines Vereins, der sich für Zugang zu Trinkwasser im Norden Ghanas einsetzt. Den Grundstein für seine Karriere legte er in seiner Heimatstadt Bremerhaven, als Student des Bachelorstudiengangs Betriebswirtschaftslehre (BWL).

João Paulo Fernandes Marques
João Paulo Fernandes Marques
Quelle: Chris Marxen/ Headshots-Berlin

Von Laissez-faire zum ambitionierten Studenten

Die Einstellung zu seinem Studium in den ersten Semestern bezeichnet der heute 32-Jährige rückblickend als „eher Laissez-faire“. Diese Haltung änderte sich 2010 schlagartig mit einem Auslandspraktikum, das er bei Volkswagen in Mexiko im IT-Projekt-Management absolvierte. „Dieses Praktikum hat mich in vielerlei Hinsicht sehr geprägt. Ich habe damals einen Studienkredit aufgenommen, um dieses halbe Jahr zu finanzieren und habe es niemals bereut. Die Erfahrungen und den Input, den man da bekommt, sind viel mehr wert als das, was es damals gekostet hat. Danach habe ich angefangen, richtig Energie ins Studium zu stecken“, erzählt João Paulo Fernandes Marques.

Nicht nur Ambitionen, sondern auch eine neue Perspektive auf seine Identität brachte er nach seinem Auslandssemester mit nach Hause. Die Familie des BWL-Absolventen kommt aus Portugal, aufgewachsen ist er in Bremerhaven. Als Deutscher hat er sich bis zu seinem Auslandssemester trotzdem nie gefühlt. „Die Zeit in Mexiko war ein echter Anstoß, meine Identität zu überdenken. Für die Leute dort war ich Deutscher, so habe ich mich vorher nicht gesehen. Dort konnte ich meine Identifikation mit Deutschland und auch mich als Teil der Gesellschaft neu definieren. Wieder zu Hause, habe ich einen deutschen Pass beantragt“, erzählt er.

 

 

João Paulo Fernandes Marques in Mexiko.
João Paulo Fernandes Marques in Mexiko.
Quelle: Privat

Über verschiedene Stationen nach Berlin

Um weitere Erfahrungen zu sammeln, absolvierte João Paulo Fernandes Marques während seines Studiums in Bremerhaven noch ein Praxissemester in Cuxhaven bei Lohmann Animal Health (heute Elanco) und in Bad Mergentheim bei der Firma Würth. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete er anschließend für ein halbes Jahr bei Daimler im First Level Support in Bremen. Auf diese Tätigkeit folgten eine Asienreise und Masterstudium in Kassel, mit einem Auslandsaufenthalt in Lissabon an der ISCTE Business School. Kurz vor Beendigung seiner Masterarbeit bekam er eine Zusage bei PwC in Frankfurt.Dort war der ehemalige BWL-Student zunächst in der Prüfung und der prüfungsnahen Beratung von IT-Projekten zuständig.

Parallel gründete er mit seiner ehemaligen Mitbewohnerin und weiteren Freunden den Verein "Eaubiquity e.V. (Water for everyone)". Mit Crowdfundingkampagnen baut der Verein im Norden Ghanas Brunnen und ermöglicht den Menschen aus den ärmsten Communities vor Ort einen Zugang zu Trinkwasser.

In seinem dritten Jahr bei PwC begann João Paulo Fernandes Marques, sich in der Frankfurter Startup-Szene zu vernetzen, und stieg auch bei PwC in diesen Bereich ein. Als PwC ein neues Team in Berlin formierte, das den deutschlandweiten Marktauftritt im Startup-Bereich professionalisieren sollte, wechselte er intern die Position und zog nach Berlin.

2020 konnte er sich dort erneut weiterentwickeln und arbeitet bis heute als Manager im Bereich Corporate Development & Innovation bei PwC. In seiner Rolle als Partnership Ambassador ist er u.a. dafür zuständig technologiegetriebene Unternehmen ausfindig zu machen, die mit PwC innovative Geschäftsmodelle realisieren möchten.

Brunnenbau in Ghana
Brunnenbau in Ghana
Quelle: João Paulo Fernandes Marques

Etwas Neues wagen

Seiner Tätigkeit als Partnership Ambassador geht er allerdings nur an vier Tagen die Woche nach. An einem Tag seiner Arbeitswoche treibt er ein eigenes internes Projekt voran. Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen für PwC recherchiert er auch in einem Bereich auf den er während seines Masterstudiums aufmerksam geworden ist: Base of the Pyramid (siehe Infokasten). In diesem Bereich oder im Bereich Kreislaufwirtschaft möchte er eine Idee finden, die sich im Markt realisieren lässt und gleichzeitig auch für PwC relevant sein könnte.

Eigene Ideen und Vorstellungen umzusetzen, auch wenn es andere zuvor noch nicht so gemacht haben, das ist ihm nicht immer leichtgefallen. "Ich hatte lange Zeit Schwierigkeiten zu schauen, was es eigentlich bedeutet, erfolgreich zu sein. Ich habe mich lange gefragt: Was muss man sich abgucken und wie viel von sich muss man hinter sich lassen? Früher habe ich eher gesagt, dass ich nach links und rechts schaue und mir viel abschaue. Langsam bin ich der Meinung, dass man noch stärker den Mut haben sollte, auch seine eigenen Ideen und Vorstellungen umzusetzen", schildert João Paulo Fernandes Marques seine damaligen Zweifel.

Base of the Pyramid:

Das Konzept Base of the Pyramid, abgekürzt BoP beschreibt Geschäftsmodelle und Ansätze zur erfolgreichen Einbindung bisher weitgehend vernachlässigter Bevölkerungsschichten in unternehmerische Wertschöpfungsketten. Als "Base of the Pyramid" wird dabei zunächst der unterste Teil der Welteinkommenspyramide beschrieben. Diese "Ärmsten der Welt" sollen in die unternehmerische Wertschöpfung bspw. als Kunden, Lieferanten oder Distributeure integriert werden. Grundgedanke ist, dass sich der Lebensstandard der eingebundenen Menschen erhöht und gleichzeitig unternehmerische Ziele verfolgt werden.

 

 

Kreislaufwirtschaft:


Eine Kreislaufwirtschaft (englisch circular economy) ist ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden; dies kann durch langlebige Konstruktion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Remanufacturing, Refurbishing und Recycling erzielt werden.

Bremerhaven als Tor zur Welt

Seine Zeit in Bremerhaven hat für seine Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt: "Die Hochschule Bremerhaven war für mich das Tor zur Welt. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, nach Mexiko zu gehen, wiederzukommen und mein Leben anzupacken. An der Hochschule habe ich mich immer sehr heimisch und nie fehl am Platz gefühlt. Alle Dozent:innen und Professor:innen waren dort offen gegenüber allen Menschen, egal welche Kultur, egal welcher Background", so beschreibt er seine Zeit an der Hochschule.

Das BWL-Studium empfiehlt er vor allem Personen, die Interesse an unternehmerischen Tätigkeiten haben, verstehen wollen, wie ein Unternehmen funktioniert, oder wie volkswirtschaftliche Dynamiken zusammenspielen. "Das BWL-Studium an der Hochschule Bremerhaven ist ein gutes Studium, um in diese Welt einzutauchen und bietet die Möglichkeit, sich danach noch weiter zu spezialisieren", so Fernandes Marques.

Weiterführende Informationen:


Weitere Informationen zum Bachelorstudiengang BWL finden sich hier: www.hs-bremerhaven.de/bwl
Weitere Informationen zu Eaubiquity unter www.eaubiquity.com  
Weitere Informationen zu PwC unter www.pwc.de und zu seinem Bereich unter www.pwc.de/ecosystems