Frischer Wind für die Energiewende

Seit Ausbruch des Ukrainekriegs wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien stärker denn je diskutiert. Die Unabhängigkeit von Erdöl und Erdgas ist ein wichtiges politisches Ziel, das es nun zu erreichen gilt. Ein Baustein: die Windenergie. Beim Windenergiegipfel im dänischen Esbjerg im Mai 2022 haben sich Deutschland, Dänemark, Belgien und die Niederlande auf einen deutlichen Ausbau verständigt. Bis 2030 wollen diese Länder ihre Offshore-Leistung vervierfachen, auf insgesamt mindestens 65 Gigawatt. Bis 2050 soll die Leistung sogar auf 150 Gigawatt ansteigen. Um diese ambitionierten Ausbaupläne auch umsetzen zu können, braucht es hochqualifizierte Fachkräfte, die sich mit den Besonderheiten von Offshore-Windparks auskennen und dabei nicht nur technische, sondern auch die Gesamtheit der zu managenden Aspekte im Blick haben. Den Bedarf hat die Hochschule Bremerhaven längst erkannt und gemeinsam mit der Business Academy Southwest in Esbjerg eine Weiterqualifizierung für Manager:innen entwickelt: den Offshore Wind Energy MBA.

Eine einzigartige Weiterqualifizierung für Führungskräfte

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Offshore- und Onshore-Wind nur Variationen derselben Art von regenerativer Energie darstellen. Bei näherer Betrachtung gibt es jedoch wesentliche Unterschiede. „Zumindest in der Vergangenheit umfassten Onshore Windparks überwiegend eine kleine Zahl von Turbinen auf einer überschaubaren Fläche, während Offshore Windparks, abgesehen von den Pionieren, eher großflächig mit vielen Turbinen ausgelegt wurden“, weiß Prof. Dr. Wolfgang Lukas, der den Offshore Wind Energy MBA mitentwickelt hat. Ganz erhebliche Unterschiede gebe es außerdem im Bereich der Offshore-Logistik - sowohl beim Bau als auch beim Betrieb. Wo beispielsweise an Land ein:e Monteur:in mit einem Fahrzeug zur Windturbine kommen kann, um Reparaturen vorzunehmen, sind im Offshore Bereich Schiffe oder Helikopter notwendig, um Wartungspersonal auch bei sehr ungünstigen Witterungsbedingungen viele Kilometer weit zu transportieren. Die weiten Anfahrtswege und dezentralen Arbeitsorte sorgen auch für andere Bedarfe beim Thema Mitarbeitendenführung und Sicherheitsmanagement.

Auch bei der Umweltverträglichkeit stellen sich offshore mit dem maritimen Umfeld ganz andere Fragen als bei onshore: Während Offshore-Windparks häufig wegen der Auswirkungen auf Seevögel und Meereslebewesen, wie Wale, kritisiert werden, ist bei der Onshore-Windenergie u.a. die Nähe zur Besiedelung ein entscheidender Aspekt. „Bei näherer Betrachtung ist für einen MBA, der die wirklich notwendigen Kompetenzen adressiert, sehr sinnvoll, sich komplett auf eine der beiden Windparkarten auszurichten. Diesem Weg beispielsweise haben auch unsere polnischen Partner der Universität Gdynia mit unserer Hilfe eingeschlagen. Der Offshore Wind Energy MBA beteiligt sich mit vier Modulen am MBA-Programm der Universität Gdynia“, so Prof. Lukas.

Fachkräfteausbildung mit viel Erfahrung in Theorie und Praxis

An der Hochschule ist das Potenzial von Windenergie schon lange bekannt. Am Institut für Windenergietechnik, fk-wind, wird seit vielen Jahren geforscht und gelehrt. Der Bachelorstudiengang Maritime Technologien (ab dem Wintersemester 2022/23 als Vertiefungsrichtung des Studiengangs Ingenieurwesen) sowie der Masterstudiengang Windenergietechnik sind mit Blick auf den regionalen Fachkräftebedarf entwickelt worden. Dass die Hochschule diesen nicht aus den Augen verliert, liegt auch an den beruflichen Hintergründen der Lehrenden. Sie waren selbst viele Jahre in der freien Wirtschaft tätig, bevor sie an die Hochschule gekommen sind. Daher sind sie mit den Herausforderungen, die die Berufspraxis mit sich bringt, vertraut und wissen, wie wichtig auch die Weiterqualifizierung von Mitarbeitenden ist. „Die Möglichkeiten, sich von einem Bereich in den anderen zu qualifizieren, sind sehr attraktiv. Auf Kompetenzen aus dem Bereich fossiler Energieproduktion oder des Maschinen- und Anlagenbaus kann problemlos aufgebaut werden, wenn man sich für Offshore Wind weiterqualifizieren möchte“, weiß Prof. Lukas. Besonders mit Blick auf die Ausbaupläne der Regierung sei es notwendig, schnell Fachpersonal für diesen speziellen Tätigkeitsbereich zu gewinnen.