Wenn Abwasser zur Rohstoffquelle wird

Ob Wasser aus der Toilette oder aus der Badewanne: Alle Wege führen in die Kläranlage. Hier sorgen verschiedene Prozesse dafür, dass am Ende möglichst sauberes Wasser zurück in die Natur geleitet wird. Doch was ist mit den Schadstoffen, die dabei herausgeholt wurden? Dies ist eines der Fachgebiete von Prof. Dr. Dieter Lompe. Gemeinsam mit seinem Team forscht er in verschiedenen Bereichen der Umweltverfahrenstechnik, unter anderem zur nachhaltigen Nutzung unserer Wasser-Ressourcen, zur Kreislaufwirtschaft und zur Energieeinsparung.

Schadstoffe? Nein, Wertstoffe!

Ungereinigt wären viele Stoffe in Abwässern ein Risiko für Pflanzen und Tiere in unseren Gewässern und somit schließlich auch für den Menschen. Aus diesem Grund werden Abwässer gereinigt und die Schadstoffe entfernt. Damit gehen allerdings auch viele Rohstoffe verloren, die eigentlich noch genutzt werden könnten – eine unnötige Verschwendung von Ressourcen. „Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Abfälle so aufzubereiten, dass sie als Wertstoffe weiter genutzt werden“, erklärt Prof. Lompe. Als Beispiel nennt er Ammoniak, einen wichtigen Rohstoff für Düngemittel. „Durch hohe Gaspreise ist Ammoniak ein sehr teurer Rohstoff geworden, da viel Erdgas für die Herstellung verbraucht wird. Dadurch steigen derzeit auch die Preise für Düngemittel stark an. Ammoniak ist aber auch in Abwasser enthalten. Wenn wir ihn vollständig daraus zurückgewinnen, kann er wieder für die Herstellung von Düngemitteln genutzt werden“, so Prof. Lompe weiter. Das wird den Gasverbrauch senken und kann die Kosten für Düngemittel verringern, was sich schließlich auch auf die Lebensmittelpreise auswirkt. So können Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden.

Prozessoptimierung, energiesparend und wirtschaftlich

Überlegungen, wie Abfälle genutzt werden können, gibt es viele. Dass nicht alle Ideen am Ende auch umgesetzt werden, liegt häufig an den Kosten. „Nicht immer sind umweltfreundlichere Alternativen zu bisherigen Verfahren auch bezahlbar für die Unternehmen. Daher muss eine neue Idee oder ein neues Verfahren immer auch von den Kosten her für die Anwender interessant sein“, so Prof. Lompe. Häufig suchen Unternehmen nach Optimierungsmöglichkeiten ihrer bestehenden Prozesse, z.B. zur Einsparung von Rohstoffen und Energie oder zur Vermeidung oder Nutzung von Abfällen. Solche Vorschläge werden dann direkt auf ihre Umsetzbarkeit im Hinblick auf Mitarbeiter, Technik und Wirtschaftlichkeit überprüft. So kann es sein, dass in älteren Anlagen nur einige Komponenten, zum Beispiel Rührwerke oder Pumpen in Kläranlagen, durch neue effizientere ersetzt müssen, um kosten- und energiesparender zu arbeiten. Solche Maßnahmen bieten ein großes Potenzial für den Klimaschutz und den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien.

Wissenstransfer in Unternehmen

Manchmal stehen Unternehmen auch vor Problemen oder fragen sich, wie sie nachhaltiger mit Abfallprodukten umgehen können. Hier beraten Prof. Lompe und sein Team gern. Die Anfragen sind vielfältig. Mal geht es um eine umweltfreundliche Reinigung von Schiffsschrauben, mal um die Nutzung von Regenwasser, mal um biologischen Abbau von Schadstoffen. Immer im Blick: der Umweltschutz. „Wenn wir eine Lösungsidee haben, so überprüfen wir diese genau. Wie effektiv funktioniert das, was wir uns überlegt haben? Ist es vor Ort überhaupt umsetzbar? Mit welchen Fakten überzeugt man die Beteiligten im Unternehmen, in der Politik und der Nachbarschaft?“ so Prof. Lompe. Im Labor der Hochschule arbeiten nicht nur wissenschaftlich-technische Angestellte gemeinsam mit dem Professor an den Projekten, sondern auch Studierende. Besonders im Rahmen von Abschlussarbeiten unterstützen diese die Unternehmen mit ihrem Know-how und kreativen, nachhaltigen Ideen.