Lernen wie die Großen: Bericht von Sebastian Klöser

Als wir zum ersten Mal den "großen Hörsaal" im Neubau der Hochschule Bremerhaven betraten und den vielen mit Studenten gefüllten Reihen gegenüberstanden, wussten wir wahrscheinlich alle, dass es nicht so wird, wie in der Schule.

Ich war einer von drei so genannten Frühstudenten, denen es in einem Pilotprojekt der Hochschule im Rahmen der "Stadt der Wissenschaft" ermöglicht wurde schon in der 12. Klasse "Uniluft" zu schnuppern. Dieser Bericht dient dazu einen kleinen Überblick über den Ablauf, die Möglichkeit und die Erfahrungen zu geben, die ein solches vorgezogenes Studium im Fach Physik mit sich bringt.

Alles begann damit, dass ich im Unterricht von der Möglichkeit hörte, dass sogenannte "Leistungsstarke Schüler" schon jetzt Physik studieren könnten und mein Lehrer (Herr Piehler) dafür sorgte, dass mir dies ermöglicht wurde. So kam es, dass ich kaum drei Wochen später schon vor der Mensa auf die beiden anderen Frühstudenten sowie unsere Betreuerinnen traf, die uns in die Räumlichkeiten und die Organisation an der Hochschule einwiesen.

Zwei Tage danach war es dann endlich soweit, zum ersten Mal in einer echten Vorlesung; Vorfreude vermischte sich mit Nervosität, die jedoch schnell verflog, als wir den Professor kennen lernten: einen jungen, engagierten Physiker, der uns herzlich willkommen hieß und uns sogar ermutigte, das persönliche Gespräch mit ihm zu suchen, wenn wir etwas nicht verstehen.

Von nun an sollten wir also zweimal die Woche, zum normalen Physikunterricht, auch noch den Stoff in der Hochschule verarbeiten, was sich als gar nicht so schwer erwies, wie es vielleicht klingen mag. Viele Themengebiete kennt man aus der 11ten Klasse und auch im Weiteren überschneiden sich viele Schwerpunkte, wodurch das Lernen erleichtert wird und man auch noch ein tieferes Verständnis für den Unterricht bekommt.

Dennoch haben wir oft gemerkt, dass Schule nicht gleich Hochschule ist und dass, wenn man mal "5 Minuten nicht aufpasst" ganz schnell den Faden verliert, vor allem dann, wenn man in Vorlesungen fehlt, was die zwei anderen dazu veranlasste die Abschlussklausur nicht mitzuschreiben und somit die begehrte Auszeichnung: den "Physik-I Schein" nicht zu bekommen.

Vor dieser braucht man aber keine Angst zu haben, es wird nichts Unmögliches verlangt und die Vorbereitung wird durch ausgiebige Tutorien mit praxisnahen Übungsaufgaben äußerst studentenfreundlich gestaltet.

Mir ging es bei dem Studium nicht primär darum, das Semester zu schaffen und den Schein zu bekommen, der zwar in jedem Lebenslauf einen dicken Pluspunkt darstellt, außerhalb der Hochschule aber nicht anerkannt wird, sondern viel mehr darum zu erfahren, ob Physik das ist, was ich mir als Studienfach vorstelle. Ich denke, dies ist auch die wichtigste Erfahrung, die man aus einem solchen Studium ziehen kann.

Wer also Spaß an Physik hat und gerne schon einmal sehen möchte, was ihn später an der Uni erwarten könnte, dem kann ich ein Frühstudium nur wärmstens empfehlen, denn auf Grund der guten Organisation hatte ich in der Schule keinen Stundenausfall und somit auch keinerlei Leistungsdefizite in irgendwelchen Fächern.

Nach einem halben Jahr an der Hochschule und bestandener Klausur kann ich nur sagen, dass ich es jeder Zeit wieder tun würde, denn es war ein halbes Jahr voller interessanter Eindrücke und Erfahrungen, von denen ich denke, dass sie mir die Entscheidung, welches das richtige Studienfach für mich ist, sehr erleichtert haben.Und für alle die noch ein letztes Argument brauchen: Wer kann schon in der Oberstufe von sich behaupten, er sei Student?

Bericht von Sebastian Klöser, Gymnasium Wesermünde