Studieren neben der Fachoberschulreife?

Funktioniert. Ich begann meine Fachoberschulreife im August 2016 an der Max-Eyth-Schule in Schiffdorf und startete dabei gleichzeitig das angebotene Frühstudium an der Fachhochschule Bremerhaven. Wie ich dazu kam? Unsere Mathematiklehrerin, Frau Stockbauer, erwähnte während des Unterrichts das Frühstudium an der Hochschule Bremerhaven. Mehrere Klassenkameraden machten sich über das Frühstudium an der Hochschule Bremerhaven erste Gedanken. Unsere Lehrerin sagte, dass das Studienangebot beim Frühstudium auf bestimmte Bereiche begrenzt ist. Gleichzeitig sollten sich die Bewerber im Klaren sein, dass die angehenden Frühstudenten motiviert genug sein sollten, damit sie das Frühstudium durchziehen und nicht vorher abbrechen. Schließlich ist es eine Menge Arbeitsaufwand für die Hochschule und Professoren. Trotzdem wollten Schüler das Frühstudium absolvieren, wie andere Schüler auch nicht. Dennoch war uns als Schüler bewusst, dass das Frühstudium sehr arbeitsintensiv sein wird. Zunächst haben wir unsere normale Schulzeit von der Oberschule und zusätzlich müssen wir noch in jede Vorlesung des Faches während des Studienganges bewältigen. Man muss also nochmal private Zeit in das Frühstudium investieren. Das war jedem bewusst, der das Frühstudium trotzdem angehen wollte. Dennoch bekommt man erste Einblicke und das kostenlos. Im Gegenzug müssen die Studenten schon Beiträge für ihr Studium leisten. Folgende wichtige Eigenschaften sollten also die Frühstudenten mitbringen: Durchhaltevermögen, bereit sein, mehr Leistung zu zeigen, besonders Organisationsfähigkeit und schon ein Ziel für seinen beruflichen Werdegang vor Augen haben. Ein paar meiner Kollegen waren bereit, das Frühstudium zu absolvieren. Aus unserer Sicht, als Frühstudenten, ist es auf jeden Fall machbar.

Es geht für uns direkt nach der Schulzeit zur Hochschule in die anderthalbstündigen Vorlesungen und erst danach nach Hause. Wir Frühstudenten lernen einfach zum normalen Schulstoff den Uni-Stoff mit. Lernen? Viel ist selbstorientiert und dazu erhält man das Skript vom Dozenten, das sich jeder Student über das Onlineprogramm ,,Elli'' besorgen kann. Die Zugangsdaten bekommt der Student direkt übermittelt oder man kann sich bei Frau Gebauer, die Kontaktperson fürs Frühstudium, melden. Nach dem Sammeln der Unterschriften vom Professor für die Anwesenheitspflicht folgt der  Abschluss, entweder eine Klausur oder wie in meinem Fall eine Hausarbeit mit Präsentation. Besteht man die Abschlussarbeit und die Anwesenheitspflicht war vollständig, dann erhält man ein Zertifikat, welches jeder Frühstudent unter anderem in seinem Lebenslauf miteinbringen oder als Anlage der Bewerbung für andere Hochschulen einreichen kann.

Also, wie läuft es ab? Als Erstes sollte man sich eine zweite Meinung von seinem Lehrer einholen, um genau entscheiden zu können, ob man das Frühstudium wirklich absolvieren will und erfolgreich sein kann. Schließlich ist es eine Menge mehr Arbeit zusätzlich zum Schulstoff. Danach bewirbt man sich mit einem Motivationsschreiben und einen Anmeldebogen bei der Hochschule Bremerhaven. Die Bewerbung reicht man bei Frau Stockbauer ein. Frau Stockbauer leitet die Bewerbung weiter an Frau Gebauer. Dabei sollte man schon vorher mit der ,,Vermittlerin'', unsere Mathematiklehrerin Frau Stockbauer,  abwägen, welche Studiengänge zeitlich für das Frühstudium infrage kommen. Viele meiner Kollegen interessieren sich für ein Ingenieurstudium und bevorzugten daher im Studiengang Gebäudetechnik die Vorlesung Technisches Zeichnen. Schließlich wird in jedem Bereich der Ingenieurswissenschaften gezeichnet. Ich dagegen war mir noch nicht zu hundert Prozent sicher und wollte daraufhin den Wirtschaftsbereich kennenlernen. Deswegen entschied ich mich für die Betriebswirtschaftslehre und die Vorlesung Wirtschaftspsychologie und -soziologie. Also ist man nicht konkret auf einen technischen Bereich angewiesen, obwohl wir alle die Studienbefähigung mit einem technischen oder gesundheitlichen Schwerpunkt erhalten. Man kann in jedem Bereich das Frühstudium beginnen, solange es nicht im Labor, mehr als ein Block oder während der Schulzeit ist. Bezogen auf den Schwerpunkt der Oberschulreife ist es auch nicht.

Wir Frühstudenten tauschen uns sehr stark untereinander aus, weil das Frühstudium viele interessante Facetten mitbringt. In den Vorlesungen werden wir Frühstudenten als völlig normale Studenten behandelt. Wir wurden gut in der Hochschule Bremerhaven aufgenommen sowie in den Studiengängen oder von den Dozenten. Haben wir etwas in der Vorlesung nicht konkret verstanden, so konnten wir mit unserem Dozenten im Nachhinein oder zwischenzeitlich nachfragen.

Unsere Lehrer an der Oberschule haben dafür auch eine Begeisterung gezeigt, wenn wir darüber erzählten oder um Unterstützung nachfragten. Zum Beispiel bei mir: Herr Tegebauer, mein Deutschlehrer, las meine Hausarbeit Korrektur - besser geht es nicht. Außerdem bekommen wir erste Einblicke für das Studieren, sammeln Erfahrung und können es im Lebenslauf vermerken, für unsere zukünftigen Arbeitgeber. Natürlich heben wir uns von den konkurrierenden Bewerbern auf Ausbildungs- oder Studienplätze ab, durch die höhere Leistungsbereitschaft, die wir gezeigt haben. Ein wirklich wichtiger Punkt ist, dass man sich die Vorlesung, die man mit einem Zertifikat absolviert hat,  beim voraussichtlichen und angestrebten Studium anrechnen lassen kann. In meinem Fall müsste ich, wenn ich Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Bremerhaven studieren würde, die Vorlesung von Wirtschaftspsychologie und -soziologie nicht mehr besuchen. Ob die Anerkennung des Frühstudiums auch bei anderen Hochschulen akzeptiert wird, ist abhängig von der jeweiligen Hochschule. Ich weiß, dass die Universität Hamburg auch ein Frühstudium anbietet, bei der Fakultät heißt es ,,Juniorstudium''. Ein Frühstudium ist also auch in anderen Fakultäten bekannt.

Dazu kann man sagen, dass man das, was man beim Frühstudium lernt, auch in der Oberschule anwenden kann bzw. auch andersherum. Ist man sich schon im Klaren, in welchen Bereich man später tätig sein möchte, so kann der Frühstudent schon erste Einblicke in diesem Bereich bekommen, um genau abzuwägen, ob dieser Bereich der Richtige für einen ist. Des Weiteren kann man sich mit den anderen Studenten austauschen. Die Studenten können aus eigener Erfahrung das Studium oder im Allgemeinen das Studieren beurteilen.

Aus meiner Sicht würde ich das Frühstudium jedem empfehlen, der dazu Lust hat, die jeweilige Leistungsbereitschaft mitbringt und schon einen beruflichen Werdegang im Blick hat. Grundsätzlich überwiegen die Vorteile eines Frühstudiums. Der einzige Nachteil für uns war, dass wir Zeit investieren mussten. Der Zeitaufwand für Frühstudium gleicht sich mit den Vorteilen aus. Schließlich sind wir mit unserem Frühstudium und dem, was wir gelernt haben, einen Sprung weiter als unsere Mitstreiter. Wir würden weitere Frühstudien an der Hochschule Bremerhaven absolvieren, wenn uns die Chance weiterhin gegeben wird. Einige von uns werden auch ein Frühstudium im Sommersemester absolvieren, welches jetzt folgt.

 

Jennik Schalk, Schüler der FOT 12-1, im April 2017