„In Hollywood wird auch nur mit Wasser gekocht“

Jan Stoltz
Jan Stoltz
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Visual Effects Supervisor Jan Stoltz besucht Hochschule Bremerhaven

„Ich wusste erst, dass ich ein Visual Effects Supervisor bin, als ich es schon längst war“, so Jan Stoltz. Der gebürtige Bremerhavener ist in der Filmanimationsbranche tätig und arbeitete bereits an großen Filmproduktionen mit. Fast & the Furious 8, Captain America, The Green Hornet – die Liste der Hollywood-Blockbuster, an denen er mitgewirkt hat, ist lang. Trotz seines beeindruckenden Werdegangs nimmt sich Stoltz für den Nachwuchs Zeit: Zu Gast an der Hochschule Bremerhaven erzählt der freiberufliche Visual Effects (VFX) Supervisor den Studierenden der Digitalen Medienproduktion (DMP), wie er es in der Branche so weit gebracht hat und gibt Einblicke in seine Arbeit.

„Früher wurde der Beruf des Animators noch mit dem des Animateurs verwechselt. Erst seit es Making-Ofs von Filmen gibt, verstehen die Leute auch, was ich überhaupt beruflich mache“, scherzt Stoltz. Als VFX Supervisor hat Stoltz ein Team von Animatoren unter sich, das für die praktische Umsetzung der animierten, digitalen Figuren im Film zuständig ist. Dabei besteht der Beruf vor allem aus Nachforschen und Beobachten. Für den Film „Jim Knopf“ schauten sich die Animatoren für die Figur des Nepomuk zum Beispiel die Hautfalten und Nasenhöhlen verschiedener Tiere an, um das Fabelwesen realistischer darzustellen. Gedreht wird am Set mit Platzhaltern und Green Screen. Das 3D-Modell des Nepomuk wird später beim Compositing einkopiert.

Was heute in großen Filmproduktionen Gang und Gäbe ist, war noch zu Stoltz‘ Studienzeiten eine Innovation. Der aus einer Arztfamilie stammende Stoltz studierte zunächst Medizin in Hamburg, war jedoch schon immer computerinteressiert. An seinem ersten Computer, dem Commodore 64, probierte er sich damals schon an Grafik und Demoszenen aus. Parallel zum Medizinstudium bewarb sich Stoltz an der Filmakademie in Ludwigsburg für ein Studium in der Computeranimation und wurde angenommen. Durch die Hochschule kamen die Studierenden an Aufträge aus der Wirtschaft, an denen sie sich unter Beweis stellen konnten: „Man half sich unter Studierenden – der eine konnte Ton, der andere filmen, und ich konnte gut Computeranimationen. Das sprach sich rum, bis ich dann im dritten Studienjahr an professionellen Filmen mitarbeitete und mit einem Team bis zu 20 Einstellungen bearbeiten musste.“

Als Hollywood dann anrief und Stoltz fragte, ob er Lust hätte am Film „I, Robot“ mitzuwirken, zögerte er nicht. Insgesamt ein Jahr arbeitete er in Los Angeles. Aus familiären Gründen zog er dann nach München zurück: „Ich mag den Beruf gerne, aber Deutschland ist meine Heimat. Außerdem hatte ich eine wichtige Erkenntnis: In Hollywood wird auch nur mit Wasser gekocht“. Zurück in Deutschland brach Stoltz‘ Erfolg jedoch nicht ab. Zwar sitzen die Produktionsstudios mit dem großen Geld immer noch in Hollywood, „Talent gibt es jedoch überall.“ Die Arbeit werde nicht mehr zwingend in Hollywood umgesetzt und sei dezentral geworden. Bis heute arbeitet er so als freiberuflicher VFX Supervisor unter anderem für die VFX-Firma Trixter von München aus.

Mit Volker Engel, Honorarprofessor der Hochschule Bremerhaven, verbindet Stoltz eine besondere Freundschaft. Sie kannten sich zwar beide nicht in der Jugend, hatten aber einen erstaunlich ähnlichen Werdegang: Beide besuchten das Schulzentrum Geschwister Scholl in Bremerhaven, belegten dort den Kunstleistungskurs, waren beide bei der gleichen Marineeinheit und an der Filmhochschule in Ludwigsburg, lebten sogar im gleichen Apartmentkomplex in L.A. – Stoltz jedoch gut zehn Jahre später als Engel. Zufällig saßen beide an einem Tisch in einem Café und lernten sich kennen. Damals hatte Engel schon seinen Oscar bekommen. Während Engel zu seiner Anfangszeit mit handgefertigten Modellen Effekte kreierte und mit seiner Super-8-Kamera filmte, erstellte Stoltz digitale Effekte am Computer. Konkurrenten waren sie jedoch nie: „Wir haben uns viel ausgetauscht, da wir mit unterschiedlichen Herangehensweisen arbeiten. Ich habe viel davon profitiert, mal eine andere Perspektive auf ein Problem zu bekommen“.

Mit Bremerhaven fühlt sich der in Schiffdorf und Geestemünde aufgewachsene Stoltz immer noch verbunden. Gerne erinnert er sich an alte Zeiten, wo man in der Alten Bürger an einem Samstagabend nicht mehr mit dem Auto durch kam, weil zu viele Leute auf den Straßen vor den zahlreichen Bars standen. Die zahlreichen Werften oder der Schotterparkplatz, wo jetzt das Mediterraneo steht: „Ich mag die vielen kleinen Sachen in Bremerhaven, die frische Brise, den Weitblick über das flache Land, die Schiffe und den rauen Charme.“ Damals gab es den Studiengang DMP jedoch noch nicht an der Hochschule am Meer. „Gäbe es ihn damals schon, wäre ich sicher hier geblieben“.

Der Besuch von Stoltz lag besonders DMP-Studiengangsleiter Prof. Dr. Holger Rada am Herzen. Als er erfuhr, dass Stoltz zur Schulkinowoche nach Bremerhaven kommen würde, fragte Prof. Rada ihn für einen Besuch an der Hochschule an. „Auf diesem Weg können die Studierenden aus erster Hand erfahren, was die Voraussetzungen für den Beruf sind und wie der Alltag eines Animators aussieht“, so Prof. Rada. Besonders wichtig sei jedoch ein anderer Punkt, meint Prof. Rada: „So eine Erfolgsgeschichte zu hören, spornt die Studierenden an, ihr Bestes im Studium zu geben“.