Interview mit Eike Schurr

„Selbst, wenn man am Ende hinfällt, hat man wieder was gelernt“

"Einmal um die Welt." So lautet das Ziel von Eike Schurr. Der ehemalige Student der Digitalen Medien der Hochschule Bremerhaven hat seine beiden Hobbies - Fotografieren und Segeln - zum Beruf gemacht. Als Foto- und Videograf begleitet er mit seinen Kameras und Drohnen Segelboote auf ihren abenteuerlichen Rennen. Im Interview spricht er von seinem Werdegang und von seinen großen Zielen.

Eike Schurr, ehemaliger Student der Hochschule Bremerhaven
Eike Schurr, ehemaliger Student der Hochschule Bremerhaven im Interview.
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Hochschule Bremerhaven: Was bewegt dich gerade, was ist dein nächstes Projekt?

Mein letztes Projekt - und wahrscheinlich auch der letzte Job in 2020 - war die Kieler Woche. Die fand zum Glück statt. In der Segelwelt steht es aktuell ziemlich still. Man hangelt sich von Absage zu Absage. Die Zeit habe ich aber für meine Chance genutzt auf einem Volvo 65 für das Austrian Ocean Race Team segeln zu können und da die ersten Kontakte herzustellen. Das wäre in meinem normalen Zeitplan auch immer wieder mit Events kollidiert, von daher war das ganz gut.

Hochschule Bremerhaven: Welches Motiv hast du am liebsten vor der Kamera?

Es hat sich tatsächlich so dahin entwickelt, dass ich fast nur Segelboote fotografiere. Dadurch, dass ich früher selber so ein bisschen leistungsmäßig gesegelt bin und mich nach dem Studium schon direkt selbstständig gemacht habe, habe ich diese Nische gefunden. Mittlerweile sind es eigentlich fast nur Segelboote.

Eike Schurr beim Drohne fliegen
Eike Schurr beim Drohne fliegen
Quelle: © blondsign by Eike Schurr

Hochschule Bremerhaven: Was fasziniert dich so an diesem Beruf in Kombination mit diesem Sport?

Es ist total vielfältig. Ich habe in der Szene sozusagen angefangen als Motorbootfahrer für Kameraleute. Mittlerweile fliege ich die Drohnen für Liveproduktionen. Da hat sich einiges stark verändert. Einerseits ist es die technische Komponente, die bei Drohnen relativ komplex ist. Andererseits auch die bürokratische, denn für jedes Land benötigt man andere Lizenzen. Es gibt bis dato noch keinen europäischen Standard. Eine weitere Komponente ist, dass es toll ist, in so großen Teams zu arbeiten. Bei Liveproduktionen sind wir teilweise über 20 Leute aus vielen Nationen. Das macht unheimlich viel Spaß und das gilt genauso fürs Segeln. Auch dort ist es unheimlich spannend in verschiedenen Teams zu arbeiten.

Hochschule Bremerhaven: Und wie kann man sich deinen Arbeitsalltag dann vorstellen? Bist du immer mit auf dem Boot dabei?

Sowohl als auch. Ich habe das vier Jahre lang bei den Nord Stream Race gemacht, das ist ein Rennen von Deutschland nach Russland. Da war ich als "Media Crew Member" für die Medienarbeit an Bord zuständig, um für den Sponsor und die Regatta selbst Content zu produzieren während des Rennens und den direkt vom Boot wegzuschicken. Bei dem "The Ocean Race" ist das noch eine Spur intensiver. Dort arbeiten die On-Board Reporter (OBR) für das Team und streamen täglich live von Board. Das Spannende ist, dass die Boote extra für diese Aufgaben und das Produzieren von Foto- und Filmmaterial konstruiert sind, so haben diese sieben fest installiere Kameras und einen Arbeitsplatz mit Schreibtisch, ein bisschen Luxus auf den sonst sehr puristischen Booten.

Eike Schurr in Aktion
Eike Schurr in Aktion
Quelle: © blondsign by Eike Schurr / Luis Fráguas

Hochschule Bremerhaven: Solche Rennen sind nicht ungefährlich, hast du öfter mal Angst?

Nein. Es kommt zwar mal vor, dass Menschen sterben. Aber die Boote an sich sind echte Panzer. Es kann immer was passieren. Deshalb sind wir immer angeleint. Das ist sehr wichtig und ich habe maximalen Respekt. Alleine die Kräfte, die auf das Boot einwirken sind echt der Wahnsinn. Das unterschätzt man teilweise. Die Boote sind außerdem mit jeglichem medizinischen Equipment ausgestattet. Einer aus der Crew ist zudem immer Medical Verantwortlicher und auch die anderen Crew Member können eine medizinische Erstversorgung leisten. Da ist relativ gut vorgesorgt.

Hochschule Bremerhaven: Was war dein spannendstes Rennen bis jetzt?

Da gibt es einige. Spannend war in Portugal die 52 Super Series, die ich jetzt schon seit 2016 mit begleite. Das ist eine große Produktion. Da bin ich als Kameramann für die Produktionsfirma gebucht. Besonders spannend war da bei 35 Knoten und zwei Meter Welle mit der Drohne zu fliegen und das auf einem kleinen Schlauchboot. Mein Assistent stand mit verschränkten Beinen hinter mir, um mich festzuhalten. Daraufhin gab´s einen Klettergurt- Das war schon ziemlich cool. Südafrika oder auch die Bahamas waren auch echt coole Erlebnisse und spannende Orte.

Arbeitsplatz auf dem Segelboot
Arbeitsplatz auf dem Segelboot
Quelle: © blondsign by Eike Schurr

Hochschule Bremerhaven: Du hast an der Hochschule Bremerhaven Digitale Medien (heute: Digitale Medienproduktion) studiert, wie ging es von da aus für dich weiter?

Naja zuerst muss man anfangen, zu erzählen, wie es so war. Es war ein Stück weit auch eine gute harte Schule, weil es sehr praxisorientiert war. Gefühlt mussten wir jede Woche einen Clip abgeben und haben gelernt, wie man in der Nachtschicht arbeitet. Wir waren auch eine relativ kleine Gruppe von Studierenden. Dadurch war es auch schon ein sehr familiäres Arbeiten, aber auch die Nähe zu den Profs war perfekt. Ich habe während meines Studiums bereits als Werksstudent als Inhouse- Grafiker gearbeitet. Dort sollte ich auch übernommen werden, mit der Bedingung, dass ich jedes freie Projekt bei der Geschäftsleitung genehmigen lassen muss. Das war für mich ein No Go, denn dafür habe ich nicht Digitale Medien studiert, um jeden Tag den gleichen Krempel zu machen. Also ging´s ins kalte Wasser und ich habe mich selbstständig gemacht. Zuerst habe ich super viel als Fotoassistent gearbeitet und bin als Kameraassistent Motorboote gefahren. Dadurch konnte ich ein gutes Netzwerk aufbauen, das wirklich hilft. Die Nord-Stream Race, kurz nachdem ich mich selbstständig gemacht habe, war echt eine krasse Schule. Wenn du da als Neuling ankommst wirst du halt erstmal gedrillt. Jetzt merke ich, wie wichtig das war. Das war halt auch noch mal eine andere Ausbildung und das passt halt super gut, dass man in beiden Disziplinen die Menschen verstehen kann. Sowohl im Segeln als auch im Fotografieren. Wenn du die Boote kennst und auch weißt wie so ein Team funktioniert, macht es das Leben definitiv einfacher.

Hochschule Bremerhaven: Inwiefern hat dich das in die Richtung, die du heute gehst gelenkt?

In meiner Bachelorarbeit habe ich mich auf Color Grading spezialisiert. Da war schon die Absicht immer da, sich vielleicht doch selbstständig zu machen, in welcher Form auch immer. Dann kam die Nische mit dem Segeln auf und weil ich schon immer einige freie Projekte gemacht habe, hat das gut funktioniert.

Eike Schurr bei der Arbeit
Eike Schurr bei der Arbeit
Quelle: © blondsign by Eike Schurr

Hochschule Bremerhaven: Hast du einen Tipp für Studierende, die noch nicht so richtig wissen, wohin die Reise gehen soll?

Auf jeden Fall während des Studiums schon mal alles probieren, was geht. Man muss gucken, dass man eine Leidenschaft für etwas hat. Sonst hat man irgendwann eh keinen Bock mehr Gas zu geben. Und dann würde ich sagen: Einfach machen! Risikobehaftet ist es eh. Und selbst wenn man am Ende hinfällt, hat man auch wieder was draus gelernt.

Drohnenaufnahme bei einem Rennen
Drohnenaufnahme bei einem Rennen
Quelle: © blondsign by Eike Schurr

Hochschule Bremerhaven: Und wohin soll deine Reise gehen?

Einmal um die Welt segeln, bei dem sogenannten The Ocean Race und dort für die Medienarbeit zuständig sein! Das ist die ultimative Herausforderung. Das ist das, wo du alles was du mal gemacht hast, anwenden kannst.