Irischer Austausch

Irischer Austausch

Gunda Märkle
Gunda Märkle
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Mit dem Letterkenny Institute of Technology (LyIT) in Irland pflegt die Hochschule Bremerhaven seit einigen Jahren eine enge Kooperation. Besonders im Bereich Lebensmitteltechnologie finden sich viele äquivalente Inhalte zwischen dem Studiengang Lebensmitteltechnologie/-wirtschaft (LTW) und dem Bachelorstudiengang „Food Science & Nutrition“ der irischen Hochschule. Gunda Märkle, Technische Angestellte der Hochschule Bremerhaven, besuchte im Rahmen des ERASMUS+ Mobility Programms letzten Winter das LyIT. Im Gegenzug stattete auch Ken MacIntyre, technischer Laborangesteller im Studiengang „Food Science & Nutrition“, Mitte Mai der Hochschule am Meer für vier Tage einen Besuch ab. Mit dem ERAMSUS+ Mobility Programm haben Mitarbeitende von Hochschulen die Möglichkeit, europäische Hochschulen zu besuchen und sich anzusehen, wie ähnliche Jobs und Studiengänge arbeiten und lehren. In einem Tagebuch berichtet Gunda Märkle, was dem Iren Ken an der Hochschule und in der Stadt Bremerhaven mal erstaunt, mal positiv überrascht hat.

Montag, 13. Mai 2019

Am ersten Tag organisierte ich für Ken zunächst eine Hochschulführung, damit er den Campus der Hochschule Bremerhaven kennenlernen konnte. Unter anderem zeigte ich ihm natürlich auch die Labore der Lebensmitteltechnologie und -wirtschaft. Neben dem Algenprojekt MakPak von Prof. Dr. Frederike Reimold und Dr. Ramona Bosse schauten wir uns auch das Projekt „Insekten als Futtermittel“ von Prof. Dr. Rainer Benning an. Anschließend sind wir ins Braulabor gegangen. Für Ken war dies besonders interessant, da er ebenfalls ein Braulabor an der LyIT betreut. Für Ken war auch das Labor für Wärmekraft- und Arbeitsmaschinen im Haus C interessant. Vor seiner Tätigkeit am LyIT war er in der Industrie in einem ähnlichen Feld tätig.

Ken MacIntyre
Ken MacIntyre
Quelle: Gunda Märkle

Dienstag, 14. Mai 2019

Um 8 Uhr ging der Tag heute beim Praktikum im Technologie- und Transferzentrum (ttz) los. Dort arbeiten die LTW-Studierenden im Labor für pflanzliche Lebensmittel an unterschiedlichen Projekten. Im ersten Block stellen die Studierenden verschiedene Emulsionstypen her. Eine Emulsion ist ein Gemisch aus zwei Stoffen, die eigentlich nicht mischbar sind, wie beispielsweise Wasser und Öl. Hergestellt werden im Praktikum beispielhaft für eine Emulsion Margarine, Butter und Mayonnaise. Im zweiten Block müssen die Studierenden sechs Stärketypen identifizieren und mit geeigneten Methoden charakterisieren. Im letzten Block untersuchen sie dann Reaktionen Bräunungsreaktionen oder Flavonoidreaktionen. Ken erzählte mir, dass an der LyIT ähnliche praktische Laborübungen durchgeführt werden. Auch die irischen Studierenden stellen beispielsweise Butter her.

Um Ken Bremerhaven näher zu bringen, besuchten wir zum Abendessen den Fischereihafen. Auch in Letterkenny werden häufig Meeresfrüchte gegessen. Hummer, geräucherter Lachs und "stuffed mussels" - also gefüllte Muscheln -sind dort traditionelle Speisen. Besonders letzteres ist interessant: Das Fleisch der Muschel wird mit Gemüse vermischt und wieder in der Muschelschale serviert. Neben den maritimen Spezialitäten wird auch Irish Stew - Eintopf mit Hammelfleisch -gerne gegessen, wie in ganz Irland. Ken erzählte mir, dass er auch selbst gerne Angeln fährt. Dies sei ein weit verbreitetes Hobby in Nordirland.

Mittwoch, 15. Mai

Am Morgen präsentierte Ken in der Vorlesung von Prof. Dr. Langenberg zur Lebensmitteltechnik den Studierenden Letterkenny und seine Hochschule. Letterkenny liegt an der Mündung des Lough Swilly, abgeleitet vom Fluss Swilly, und liegt im Norden Irlands. Die Stadt gehört Provinz Ulster und hat etwa 20.000 Einwohner. Damit ist es etwas kleiner als Bremerhaven, die Hochschule ist jedoch etwa genauso groß. Etwa 4 000 Studierende sind dort eingeschrieben. Neben ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen bietet die LyIT auch Studiengänge im Bereich Gesundheitsmanagement und Design an. Genauso wie der Studiengang Lebensmitteltechnologie/-wirtschaft an der Hochschule Bremerhaven wird "Food Science & Nutrition" als Bachelorstudiengang angeboten. Jedoch dauert das Studium dort vier Jahre und ein betriebliches Praktikum ist im Curriculum nicht vorgesehen. Dafür jedoch ein Forschungsprojekt. Nach seiner Präsentation, organisierte ich Ken eine HafenBusTour. Da Letterkenny nur einen kleinen Hafen hat, war Ken sehr begeistert von den vielen Autoverschiffungen und dem Platz.

Donnerstag, 16. Mai

An seinem letzten Tag an der Hochschule Bremerhaven ging es für Ken wieder ins Praktikum, diesmal in die Lebensmittelanalytik der Studierenden im sechsten Semester. Nach dem grundlegenden Praktikum lernen sie hier vertiefend die analytischen Kenntnisse. In vier Projekten analysierten die Studierenden in einem Projekt, wie man anhand der Fettsäurezusammensetzung herausfindet, um welches Öl es sich handelt, ob es behandelt ist und wie frisch es ist. Mit einer isoelektrischen Fokussierung ermittelten sie bei einem anderen Projekt, um welche Fischart es sich handelt und ob der Fisch frisch ist - oder auch "verkehrsfähig" wie man sagt. Ebenfalls untersuchten sie Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel auf den Isoflavongehalt .Im vierten Projekt wurde mit zwei verschiedenen Methoden der Zuckergehalt bestimmt. Auch in LyIT werden ähnliche Untersuchungen durchgeführt. Was Ken als sehr positiv empfand, war die Tatsache, dass alle Studierenden pünktlich um 8 Uhr im Labor waren und sofort mit der Projektarbeit gestartet sind. In Irland beginnen die Kurse meist um halb zehn. Mir erschien die Atmosphäre am LyIT - ähnlich wie bei uns an der Hochschule - sehr familiär und entspannt. Was mich in Letterkenny besonders positiv überrascht hat, war die sehr gute Laborausstattung und dass es ein komplettes Gebäude mit Büroräumen gibt, die Start-ups zur Verfügung gestellt werden. Einige Unternehmen in diesem Gebäudewurden von Absolventinnen und Absolventen der LyIT gegründet.

Ich kann den Austausch mit dem ERAMUS+ Mobility Programm nur empfehlen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und wurde äußerst freundlich aufgenommen. Man nimmt immer ein paar Erfahrungen mit. Auch für Studierende ist ein englischsprachiges Auslandssemester von Vorteil.