Von Aleppo an die Hochschule Bremerhaven

Jin Hasan
Stipendiatin des HERE-Studies Programm Jin Hasan
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Jin Hasan erhält Stipendium für internationale Studierende aus HERE-Studies Programm

Für ihre überdurchschnittlichen Leistungen im HERE-Studies Programm erhielt die Syrerin Jin Hasan ein Stipendium. Kurz darauf fing sie ihr Studium der Nachhaltigen Energie- und Umwelttechnologien an der Hochschule Bremerhaven an. Dank des Programms für Geflüchtete lebt Hasan nun ihren Traum.

Mit dem Stipendium fällt Hasan eine große Last von den Schultern. "Das Stipendium hilft mir finanziell sehr, da ich mich so auf mein Studium konzentrieren kann ", so die frischgebackene Studentin. Hasan war überglücklich, als sie von dem Stipendium erfuhr. Als eine von fünf wird sie nun dank ihrer besonders guten Leistungen im Programm für ein Jahr gefördert. Ohne Vorkenntnisse lernte Hasan in dem HERE-Studies Programm Deutsch auf C1-Niveau.

Das "HERE-Higher Education Refugees Entrance" Programm bereitet Geflüchtete speziell auf ein Studium in Bremen und Bremerhaven vor. Neben Sprachkenntnissen werden den Teilnehmenden fachliches sowie methodisches Werkzeug für einen sicheren Start ins Studium an die Hand gegeben. Nach Abschluss des Programms sind sie dann qualifiziert, an einer deutschen Hochschule zu studieren. Teilnehmende müssen sich im Programm für ein Fächercluster in den Bereichen Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften (GKG), Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN), Wirtschaftswissenschaften (WIWI) und Ingenieurwissenschaften (ING) entscheiden.

Für das Studium an der Hochschule Bremerhaven entschied sich Hasan nach reiflicher Überlegung. "Eigentlich wollte ich immer Architektur studieren. Doch als ich das Studienangebot in Bremerhaven sah, überlegte ich doch, in Richtung Umwelt zu gehen. Die Berufsperspektiven sind sehr gut und auch die Studieninhalte haben mich angesprochen", so die Stipendiatin. Ihre Abschlussnoten in Syrien seien gut gewesen, aber für ein Ingenieurstudium hätte sie einen sehr guten Notendurchschnitt gebraucht. So einen Ingenieursstudiengang wie Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien hätte Hasan in Syrien nicht studieren können, erzählt sie.

Im Studiengang Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien an der Hochschule Bremerhaven lernen die Studierenden, wie umweltfreundliche Energietechnik funktioniert und wie man diese entwickeln kann. Insbesondere geht es um Verfahren zur Umwandlung von Stoffen in chemischen, physikalischen oder biologischen Prozessen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Einrichtung von ressourcen- und umweltschonende Anlagen zur Erzeugung von absatzfähigen Produkten. Das Studium geht unter anderem den Fragen nach, wie Energieeffizienz gesteigert und nachhaltige Energieerzeugung gefördert werden kann.

Ein Semester hat Hasan nun in diesem Studiengang hinter sich und bereut es bislang nicht. Die Sprachbarriere ist in den Vorlesungen trotz ihres C1-Niveaus aber immer noch vorhanden. "Manchmal sitze ich in der Vorlesung und verstehe einfach gar nichts. Da muss ich mir die Folien danach mehrfach durchlesen", so die Studentin. Doch ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen stehen ihr unterstützend zur Seite. "Eigentlich kann ich immer fragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Die anderen sind sehr hilfsbereit". Mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen unterhält sie sich immer auf Deutsch. Nur so könne sie die Sprache wirklich verinnerlichen. Schwer zu schaffen macht ihr zurzeit besonders, dass man an deutschen Hochschulen nur drei Versuche für die Prüfungen hat. "Das ist in Syrien anders. Da hat man so viele Versuche bis man es schafft", erzählt Hasan. Daher überlege sie einmal mehr, ob sie für eine Prüfung gut vorbereitet ist.

Nicht immer läuft der Studienbeginn für Geflüchtete reibungslos ab. Die Sprachbarriere ist dabei nur ein Hindernis, das überwunden werden muss. Oftmals besitzen Geflüchtete Universitätsabschlüsse in ihren Heimatländern, die hier gar nicht oder erst nach einigen Jahren anerkannt werden. Wurden der Abschluss und der Aufenthaltsstatus akzeptiert, werden Studieninteressierte bei der Bewerbung an einer deutschen Hochschule wie internationale Studierende behandelt. Programme wie das HERE-Studies Programm helfen dann, gut ins Studium zu starten.

Hasans Geschwister und Mutter haben ihren Studienabschluss in Syrien gemacht. Daher wusste die junge Studentin auch ungefähr, was im Studium so alles auf sie zukommt. Was sie jedoch in Deutschland erwarten würde, war ungewiss. Mit ihrem Bruder und ihrer Mutter kam die Stipendiatin im September 2015 von Aleppo nach Deutschland. Die gebürtig aus Afrin Stammende machte sich auf eine schwere Zeit gefasst, in der sie sich in einem fremden Land ein neues Leben aufbauen musste. Die Hilfsbereitschaft, die ihr hier entgegengebracht wurde, überraschte sie demnach sehr. "Meiner Mutter, meinem Bruder und mir haben hier so viele Familien weitergeholfen. Insbesondere mit den ganzen Unterlagen für die Behörden. Das hätte ich nie erwartet", so Hasan. Nach ihrem Bachelor möchte die Syrerin noch den Master in Deutschland machen. Was danach kommt, weiß sie noch nicht genau. Wahrscheinlich möchte sie sich im Bereich Umwelttechnologien spezialisieren. Obwohl das Heimweh sie besonders anfangs immer wieder packte, sieht sie ihre Zukunft in Deutschland. Ihre Heimat sei nicht die gleiche wie früher, erzählt Hasan. "Jetzt wo ich die Sprache gelernt habe, möchte ich auch hier bleiben. Ich vermisse zwar meine Freunde und Familie, aber ich fühle mich hier wohl."