„The Toolbox“: Studierende erarbeiten sich ihren elektronischen Werkzeugkoffer für das Berufsleben

Professor Dr. Axel Gottschalk ist seit April 2013 Professor für Thermische Verfahrenstechnik und Energieumwandlung. Sein innovatives Lehrkonzept für die Lehrveranstaltung Advanced Energy Conversion im Masterstudiengang Process Engineering and Energy Technology wurde im Sommer 2014 für eine Förderung ausgewählt. Er beschreibt sein Konzept wie folgt:

„Als neuer Professor an der Hochschule habe ich mich gefragt, wie ich heute einen Beitrag dazu leisten kann, junge Menschen zu hervorragenden Ingenieurinnen und Ingenieuren von morgen auszubilden. Neben der Wissensvermittlung von Fakten und Methoden ist es zunehmend wichtig, Studierende zu trainieren, selbst neue Themenfelder zu erschließen, zu durchdringen und hier zu Lösungen von Schwierigkeiten beizutragen. Nur so werden die künftigen Ingenieurinnen und Ingenieure die Herausforderungen von übermorgen meistern können. Sie werden unter anderem Aufgabenstellungen bearbeiten, die wir heute noch gar nicht kennen.

Mein innovatives Lehrkonzept soll hierzu einen nachhaltigen Beitrag leisten. Es erfordert aber, die Lehrveranstaltung grundlegend zu reformieren. Das Konzept habe ich für die Lehrveranstaltung Advanced Energy Conversion im ersten Semester des internationalen englischsprachigen Masterstudiengangs  Process Engineering and Energy Technology (PEET) entwickelt. Ingenieurtechnisches Grundlagenwissen kann ich bei den Studierenden voraussetzen. Viele Studierende haben aber noch keine Praxiserfahrung gesammelt, da sie nach dem Abschluss ihres Bachelor-Studium sofort das Masterstudium beginnen.

Das innovative Lehrkonzept ist eine kreative Mischung verschiedener Elemente aus Projektarbeit, Trainee, eLearning, Computer Aided Process Engineering (CAPE) sowie Qualitätsmanagement. Jede/r Studierende wählt sich zunächst ein individuelles Thema aus dem Rahmen der Lehrveranstaltung zur Bearbeitung aus. Es folgen:

  • Individuelle fachliche Lernphase – jede:r Studierende taucht als „Trainee“ in ein neues Thema ein, um es zu erschließen. Dazu gehören beispielsweise die Recherche, das Lesen und das Verstehen von Literatur sowie das Rechnen von Beispielen.
  • Wissenskonservierung – jede:r Studierende bereitet als „Experte/in“ das neu erlangte Wissen in konzentrierter Form auf (z.B. als Merkblatt, Anleitung oder kurzes Handbuch) und setzt es computerbasiert in einen Wiki-Artikel um, ggf. ergänzt durch ein Excel-Tool. Diese Unterlagen sind gleichzeitig die Lernmaterialien für die Mitstudierenden.
  • Qualitätssicherung und -kontrolle – jede:r Studierende fungiert als Gutachter/in für das Lernmaterial einer/s anderen Studierenden („Experten:in“). Dabei lernen die Studierenden konstruktive Kritik zu üben, um die der Qualität des Wiki bzw. Excel-Tools hinsichtlich Verständlichkeit, Fehler, Formatierung, etc. weiter zu verbessern.
  • Wissensvermittlung und Weiterentwicklung – jede:r Studierende präsentiert das bearbeitete Thema vor den anderen Studierenden. Alle Rückmeldungen und Fragen werden anschließend in das Lernmaterial eingearbeitet.
  • „The Toolbox“ zum Mitnehmen – am Ende erhält jede:r Studierende die Ausarbeitungen aller „Experten/innen“ in Form eines elektronischen Werkzeugkoffers („The Toolbox") und nimmt sie aus der Lehrveranstaltung mit ins Berufsleben.

Die Studierenden werden von mir in allen Phasen der Lehrveranstaltung intensiv begleitet. Generelle Dinge werden mit allen gemeinsam besprochen und diskutiert, individuelle Fragen in Einzelgesprächen geklärt. Als Dozent sorge ich für eine angemessene Durchdringung der zu bearbeitenden Themengebiete. Die Betreuung und Beratung der Studierenden erfolgt einerseits verfahrenstechnisch fachlich, andererseits auch informationstechnisch (Wiki bzw. Excel-Programmierung) sowie hinsichtlich weiterer Fertigkeiten (Soft-Skills). Ziel ist, dass die Studierenden zum Ende der Lehrveranstaltung selbstsicherer werden und stolz auf ihre neu erworbenen fachlichen Fähigkeiten sowie Soft-Skills sind.“