Gleichstellungsarbeit an Hochschulen

Die Gleichstellung der Geschlechter als gesellschaftliches Ziel bestimmt auch das Wirken und die Entwicklung von Hochschulen. In der Regel läuft sie wie folgt ab:


1. In einem ersten Schritt werden auf Basis der entsprechenden Gesetze Gleichstellungsbedarfe    identifiziert.

Hierzu ist bestimmtes Wissen vonnöten: Einerseits ist dies das quantitative Wissen darüber, in welchem Verhältnis die Geschlechter in den einzelnen Bereichen vertreten sind – beispielsweise auffallend ungleiche bzw. gleiche Geschlechterverhältnisse in einzelnen Bereichen oder geschlechtsspezifische Studienwahlentscheidungen. Gerade an Hochschulen gibt es üblicherweise starke Unterschiede zwischen den verschiedenen Fächern und Statusgruppen sowie zwischen dem wissenschaftlichen und dem Dienstleistungsbereich.

Wichtig ist andererseits auch, diese quantitativen Befunde qualitativ zu interpretieren, denn nur dadurch können ihre Ursachen gefunden werden. Zudem kann dieses qualitative Wissen genutzt werden, um solche Gleichstellungsbedarfe zu identifizieren, die quantitativ nicht gemessen werden (können).  

 

2. Auf Basis dieses Ist-Standes werden im Folgenden für die gesamte Institution oder für einzelne Bereiche Ziele identifiziert.

Diese Ziele sind Teil der Hochschulentwicklung und gewinnen dadurch an Verbindlichkeit, dass sie beispielsweise in Zielvereinbarungen aufgenommen werden. Um diese Ziele erreichen zu können, werden anschließend vielfältige Maßnahmen gestaltet. Hierbei kommt Expert*innenwissen eine besondere Bedeutung zu, denn erst das Wissen um ausschließende Mechanismen ermöglicht es, Maßnahmen zu gestalten, die tatsächlich das Potential haben, langfristig die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen.

Neben „konkreten“ Maßnahmen mit quantitativ messbaren Ergebnissen (wie Betreuungsangeboten oder Programmen, die auf eine Erhöhung des Frauenanteils in bestimmten Studiengängen abzielen) sind dies auch solche Maßnahmen, die weniger „konkret“, aber keinesfalls weniger relevant sind, da sie auf die Hochschulkultur wirken sollen. Ein Beispiel hierfür wäre die Sensibilisierung der Hochschulangehörigen für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch, wobei eine Hochschulleitung in ihrer Kommunikation selbstredend mit gutem Beispiel vorangeht.


Mit der Integration dieser Ansätze wird das Ziel verfolgt, Hochschulen geschlechtergerecht zu gestalten. Dies erfordert regelmäßige Analysen des Ist-Standes, um die aktuellen Gleichstellungsbedarfe zu erheben und auf diese zu reagieren.