Frühstudieren in Zeiten der Pandemie

Bereits bei der Wahl meiner neuen Schule plante ich am Frühstudium teilzunehmen und nachdem Frau Gebauer dieses zu Beginn der 11. Klasse vorgestellt hat, habe ich mich aus verschiedenen Gründen angemeldet, obwohl ich zuvor Zweifel hatte, ob ich den Vorlesungen folgen könnte. Die Gründe für ein Frühstudium sind wohl für jeden unterschiedlich, aber mich haben mein Interesse an der Physik, der Vorteil für Bewerbungen und das mögliche verkürzte Studium überzeugt (abgeschlossene Vorlesungen mit bestandenem Leistungsnachweis können teilweise beim Studium angerechnet werden).

Anmeldeprozess:

Nachdem man sich nun mit einem Motivationsschreiben, einem Empfehlungsschreiben des Lehrers und den nötigen Anmeldedokumenten angemeldet hat, folgt der (für mich) komplizierte Teil: Nun musste ich eine geeignete Vorlesung finden, die mich interessiert, die außerhalb der Schulzeit liegt und die nicht Teil eines Moduls mit Übungen oder LaborVeranstaltungen ist (d. h., dass die Vorlesung als einzelne Vorlesung mit 2 Stunden pro Woche sein muss). In meinem Fall war dies immer etwas komplizierter, sodass ich mich im ersten Semester erst nach langem Hin und Her für die Vorlesung „Technische Physik I“ aus dem Studiengang Transportwesen / Logistik (TWL) entschieden habe.
 
Vorlesungen:

Mein erstes Semester im Winter 2019 war aufgrund der Pandemie das Einzige, welches ich in Präsenz an der Hochschule verbracht habe. Zu dieser Zeit verbrachte ich jeden Donnerstagnachmittag 1,5 Stunden in der Hochschule, um an der Vorlesung teilzunehmen. Die wöchentliche Belastung betrug mit Lernen und Busfahrten knapp über 3 Stunden. Mit 6 Schulstunden am Tag war dies für mich noch sehr verkraftbar. Auch der Vorlesung konnte ich größtenteils gut folgen, nur in Einzelfällen fehlte mir fortgeschritteneres MathematikWissen. Im folgenden Sommersemester habe ich weiterhin die Physikvorlesung besucht – jetzt aber die Fortsetzung „Technische Physik II“, jedoch musste die Vorlesung auf eine wöchentliche Videokonferenz umgestellt werden, weil die Pandemie zu gleicher Zeit begann. Diese Umstellung hat mir das Zeitmanagement deutlich vereinfacht, weil ich ohne Probleme von zuhause aus schauen konnte. Dafür ist es schwerer, der Vorlesung zu folgen und die Erfahrung, unter Studierenden zu lernen, fehlt.

Prüfung:

Seit Beginn des Semesters war ich entschlossen die Prüfung zu schreiben, die erst nach dem zweiten Semester geschrieben wurde, weil es (außer Zeit) nichts zu verlieren gibt. Auch ermöglicht es bei Erfolg, die Vorlesung beim späteren Studium  von TWL an der HS Bremerhaven zu überspringen. Die Prüfung habe ich nach langem Lernen mit Erfolg bestanden. In meinem dritten Semester nehme ich momentan an den Veranstaltungen „Physik“ und „CAD“ des Studiengangs Produktionstechnologie teil. Diese sind auch online, jedoch mit der Änderung, dass sie nicht live, sondern jederzeit abrufbar sind. Dadurch wird das Lernen noch leichter als Frühstudent.

Die bisherigen Vorlesungen haben mir einerseits den Schulunterricht im Physik Leistungskurs stark vereinfacht und anderseits gehe ich davon aus, dass ich einige Vorteile bei Bewerbungen, im Studium und im Berufsleben haben werde. Aus diesen Gründen bereue ich persönlich die Entscheidung als Frühstudent zu studieren nicht, auch bereue ich weder ich die Wahl der Vorlesung noch an der Prüfung teilzunehmen. Abschließend plane ich das Frühstudium bis zum Abitur fortzuführen und ich empfehle jedem, der bereit dazu ist einige Stunden wöchentlich aufzuwenden und dem äquivalenten Schulunterricht gut folgen kann, ein Frühstudium auszuprobieren.
 
Elias Paasch (Gymnasium Wesermünde) im Januar 2021