Bremerhaven

Bremerhaven als Standort für den Studiengang "Soziale Arbeit"

Der Aufbau des Studiengangs "Soziale Arbeit" erfolgt zusammen mit einer Planungsgruppe, in der Vertreter:innen des Magistrats und der Freien Wohlfahrtspflege vertreten sind.

Der folgende Text wurde erstellt von den Dezernenten Uwe Parpart und Michael Frost:

Bremerhaven hat 117.700 Einwohner:innen, nach Bevölkerungsgewinnen in den Jahren 2014 und 2015 ist die Bevölkerungszahl in den Jahren danach stabil. Der kontinuierliche Bevölkerungsrückgang konnte umgekehrt werden. Diese Wachstumstendenzen sind auf den Zuzug ausländischer Staatsbürger:innen zurückzuführen. Der Anteil der Ausländer:innen an der Gesamtbevölkerung beträgt 20,05 % und ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Seit 2020 hat sich die Zahl der Bürger:innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit verdoppelt. Die häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten sind Syrien, Türkei, Bulgarien, Polen, Portugal und Rumänien. Inzwischen leben Menschen aus über 140 Staaten in Bremerhaven. Nimmt man das Merkmal Migrationshintergrund im Kontext des demographischen Wandels in den Blick, werden die Tendenzen noch deutlicher. Im Land Bremen haben mehr als die Hälfte aller unter 18-Jährigen einen Migrationshintergrund. Migration ist ein Zukunftsthema. Integrations-arbeit ist eine soziale Investition in die Zukunft und das friedliche Zusammenleben unserer Stadt.Bremerhaven baut auf eine lange Tradition als Auswanderungs- und Einwanderungsstadt. Die kulturelle Vielfalt spiegelt sich im Erscheinungsbild der Stadt wieder. Migration ist Teil des kulturellen Erbes Bremerhavens. Diese Potentiale soll der Studiengang aufgreifen. Die Stadt Bremerhaven soll stärker vom kulturellen Reichtum der Stadtgesellschaft profitieren. Die Auseinandersetzung mit Migrationsphänomenen ist als inhaltliche Klammer des Studiengangs in allen Studienangeboten zu berücksichtigen. Integration ist ein Querschnittsthema und betrifft alle Bereiche der Gesellschaft. Die Vielfalt der Lebensformen muss in der Ausbildung der des Studiengangs berücksichtigt werden. Eine diversitätssensible Auseinandersetzung mit Fragestellungen der sozialen Arbeit ist vor dem Hintergrund einer vielfältigeren Stadtgesellschaft erforderlich. Die Themen, wie interkulturelle Kommunikation und Kompetenz, Inklusion aber auch Exklusionsmechanismen, die das friedliche Zusammenleben gefährden, sind für alle Studierenden Bestandteil der akademischen Ausbildung. Darüber hinaus bietet das vorgesehene Projektstudium Anknüpfungspunkte mit einer pluralisierten Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten und insbesondere die Teilhabe der Migrant:innen über gemeinsame Projekte, beispielsweise zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der darüber vermittelnden Kompetenzen und Kontakte in die Gesellschaft, zu verbessern .Die Anzahl der Geburten stabilisiert sich seit einem deutlichen Anstieg im Jahr 2014 auf rund 1.160 Geburten pro Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt über 12 % mit derzeit wieder steigender Tendenz. Von den Arbeitslosen leben nahezu 80 % im Arbeitslosengeld II-Bezug und sind somit langzeitarbeitslos. 33,4 % aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in Bremerhaven leben im SGB-II-Bezug, dabei gibt es erheblich höhere Quoten in einzelnen Ortsteilen, den höchsten Wert mit 51,8 % erreicht der Ortsteil Goethestraße (im Stadtteil Lehe). Die vorhandene Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe reicht von der Krippe (27,7 % Versorgungsquote) über die Kindertagesstätten (95,1 % Versorgungsquote) über die Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendverbandsarbeit, Beratungsstellen bis hin zu den Hilfen zur Erziehung. Hier ist eine vergleichsweise hohe Quote von 30,5 stationären und 23,4 ambulanten Hilfen zur Erziehung pro 1000 jungen Menschen unter 21 Jahren zu verzeichnen. Die jährlichen Meldungen von Kindeswohlgefährdungen sind seit Jahren ansteigend und im Jahr 2020 auf einen neuen Höchstwert von 826 Meldungen gestiegen.Besondere und stetig wachsende Herausforderungen bringen auch die kultursensible Altenarbeit sowie gesundheits- bzw. sozialpsychiatrische und inklusionsbezogene Fragestellungen mit sich – vielfach eng verflochten mit sozialräumlichen Armutslagen. Entsprechende Handlungs-bedarfe verschärfen sich durch den fortschreitenden demografischen Wandel und werden u.a. durch die mit 75,8 Jahren deutschlandweit geringste Lebenserwartung Bremerhavener Männer und die weit überdurchschnittlichen Anteilswerte von Bezieher:innen ambulanter Grundsicherung im Alter an den Senioren in manchen Quartieren (bis annähernd 25 % in Teilen Lehes) belegt.Für die Bearbeitung der unterschiedlichen sozialen Problemlagen, die bereits aus dieser kurzen Darstellung der Bevölkerungs- und Sozialdaten deutlich wird, gibt es einen stetigen Bedarf an Fachkräften der Sozialen Arbeit.