KLASSE THEMAtisieren im Studiengang Soziale Arbeit
Armut, soziale Ungleichheit und Klassismus sind zentrale Themen der Sozialen Arbeit. Im Studiengang Soziale Arbeit der Hochschule Bremerhaven setzen sich Studierende und Lehrende mit den Auswirkungen von Armut und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinander. Die folgenden Projekte zeigen, wie diese Themen in Lehre, Forschung und Praxis aufgegriffen und reflektiert werden.
Klassismus erkennen in Lehre, Forschung und Praxis
Fachkräfte, Studierende und Wissenschaftler:innen, die in der Praxis der Sozialen Arbeit tätig sind und zu Armut arbeiten, werden mit der Frage konfrontiert, wie sie über Armut sprechen können – mit Klient:innen, mit von Armut betroffenen Menschen, mit Forschenden. Einen möglichen Zugang bietet die Perspektive der Klassismuskritik. Klassismuskritische Soziale Arbeit meint zum einen die eigenen Prägungen zu kennen und zu verstehen, d.h. das eigene Aufwachsen in einer Gesellschaft, die immer auch eine Klassengesellschaft ist, analytisch zu erfassen. Sich dieser Wirkung bewusst zu sein, ist im Hinblick auf ein partnerschaftliches, anerkennendes Arbeiten mit Adressat:innen zentral. Stereotype bilden Mauern und verhindern Brücken, die für eine professionelle Beziehungsarbeit benötigt werden. Eine Herrschafts- und Machtanalyse der Klassengesellschaft ist zum anderen von Nöten, um strukturelle Ungleichheiten verstehen zu können und sie im Sinne der Förderung sozialer Gerechtigkeit zu adressieren.
Publikation von Studierenden „Aufwachsen im ärmsten Stadtteil Deutschlands ist…“
Mit Fragen von Armut und Klasse beschäftigten sich eingehend die Studierenden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Bremerhaven. Im Mai 2026 entstand daraus eine Publikation, in der sie ihre eigenen biografischen Bezüge mit dem Thema literarisch und künstlerisch reflektieren.
Die Beiträge eröffnen Perspektiven auf alltägliche Erfahrungen mit Klassismus, etwa beim Wohnen, im Alltag, im Beruf oder im Bildungswesen. „Während des Studiums zu arbeiten ist für mich keine Wahl – und ist so oft eine Qual. Wenig Schlaf, wenig Freizeit, wenig Zeit für die Liebsten; das ist für mich klar, für die anderen jedoch oft unsichtbar.“ Gleichermaßen sind diese Texte Zeugnisse von Scham, Ängsten und Ausgrenzungserfahrungen sowie auch von neuen Erkenntnissen, von Mut, Stärke und Zuversicht.
Am 25. August 2026 um 18:00 Uhr werden im Beet am Zollinlandplatz in Bremerhaven Auszüge aus der Publikation gelesen. Ergänzt wird die Veranstaltung durch die Vorführung des studentischen Kurzfilms „Klassismus und Arbeitsmarkt“ von Abdullah Abram. Im Anschluss sind alle Interessierten herzlich zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen.
Film: Klassismus und Arbeitsmarkt Ein studentischer Kurzfilm
Dieser Film des Studierenden Abdullah Abram entstand im Rahmen der „Klassismuswerkstatt“ im Modul 6.20 „Diversität und soziale Gerechtigkeit“. Darin reflektiert Abram auf kreative und künstlerische Weise seine Erfahrungen mit Diskriminierung beim Zugang zum Arbeitsmarkt.
Am 25. August 2026 um 18:00 Uhr findet im Beet am Zollinlandplatz in Bremerhaven eine Lesung aus der Publikation der Klassismuswerkstatt sowie die Vorführung des studentischen Kurzfilms „Klassismus und Arbeitsmarkt“ statt.
Im Anschluss an Lesung und Film besteht die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch über die Themen Klassismus, soziale Ungleichheit und Chancengerechtigkeit.
Tagung KLASSE THEMAtisieren Klassismuskritisch Sprechen, Reflektieren und Forschen
„Ich habe vorher nicht so genau hingeschaut und bin nun sensibilisiert, neugierig geworden und dankbar für die mutigen Beiträge, die zugleich informieren und ins gemeinsame Weiterdenken einladen“, beschreibt Karolin Ritschel, Sozialpädagogin und systemische Therapeutin und Beraterin ihre Perspektive auf die Tagung Klasse THEMAtisieren. Diese fand von Montag, den 23. Juni bis Dienstag, den 24. Juni 2025 an der Hochschule Bremerhaven statt. Die Ergebnisse der Tagung erscheinen in 2026 beim transcript Verlag als Sammelband „Klassismus in der Sozialen Arbeit: Impulse für eine kritische Praxis, Theorie und Forschung “.