Inhaltliches zum Forschungsprojekt

Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit sind Herausforderungen für Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen. Einsparungspotenziale gibt es viele, jedoch werden diese deutlich zu selten aktiv angegangen. Dieser Antrag hat CO2-Einsparungen in Folge von Seetransporten und internationalen Warenaustausch zum Gegenstand. Mit ihm soll untersucht werden, wie weit durch den Einsatz digitaler Dokumente im Seetransport, Umweltbelastungen, insbesondere CO2-Emissionen und Papierverbrauch, reduziert werden können.

Durch den Einsatz digitaler Frachtdokumente in der Seeschifffahrt, wie dem Konnossement/Bill of Lading oder dem Seefrachtbrief, soll ein erster großer Schritt gegangen werden, um zum einen das erhebliche Aufkommen an printbasierten Dokumenten und zum anderen die Umweltauswirkungen durch die Bearbeitung und den Versand dieser Dokumente auf ein Minimum zu beschränken. Hierdurch kann ein Beitrag geleistet werden, die von der Seeschifffahrt ausgehende CO2-Belastung zu reduzieren. Denn nicht nur „Slow-Steaming“ und alternative Antriebe können zu einer verbesserten Umweltbilanz in der Seeschifffahrt beitragen, sondern auch die Reduzierung der mittelbaren Transportaufwendungen.

Jeder Seetransport bedarf grundsätzlich der Erstellung von Papierdokumenten in Form von Konnossementen oder Seefrachtbriefen. Diese Dokumente, die von den Reedereien bzw. den Speditionen erstellt werden, sind wichtig, um den Frachtvertrag durchzuführen. Sie geben an, wer Empfänger ist, was transportiert wird, ob es sich um gefährliche Güter handelt usw. Im internationalen Seetransport werden jährlich ca. 400 Mio. Seetransportdokumente erstellt. Das hat nicht nur einen gewaltigen Papierverbrauch und Druckaufwendungen, einschließlich Feinstaubemissionen, zur Folge, sondern auch die gesonderte Art der Versendung dieser Dokumente zieht erhebliche Umweltbelastungen nach sich. Die Seefrachtdokumente müssen ausgestellt werden, per Kurier vom Hafen zum Büro, von dort zum Flughafen, per Luftfracht zum Empfangsland und dort wieder über das Büro zum Hafen gebracht werden, um damit den per Seefracht transportierten Container zu erhalten. Viele dieser Informationen können elektronisch weitergegeben werden. Weltweit gelten die Konnossemente (Nachfolgend „BL“ genannt) in der Seefracht und in der Spedition (FIATA-BL) als Warenwertpapiere, die das Eigentum an den Waren verkörpern. Ein Ersatz dieser Dokumente in elektronischer Art und Weise müsste allen Sicherheitsbedenken Rechnung tragen und das Maß an Sicherheit repräsentieren, welches man an einen elektronischen 500,- € Schein stellen würde, um diesen, wohlgemerkt als „Schein“, im Geschäftsleben zu akzeptieren. Eine weitere Herausforderung bei der digitalen Ersetzung von Papierdokumenten ist dem Umstand geschuldet, dass die Original-Seedokumente, wie das BL, gleichzeitig Basis für die Zahlungen im internationalen Handel sind, die vielfach auf der Basis von sogenannten Dokumentenakkreditive erfolgt. Hierbei zahlen die involvierten Banken dem Exporteur den Kaufpreis nach Vorlage der Originaldokumente, zu denen das BL gehört. Das bedeutet, eine erfolgreiche Digitalisierung von Seefrachtdokumenten bedarf der Akzeptanz durch die Banken, die im internationalen Akkreditivgeschäft involviert sind. Vergleichbares kann auch für die Versicherungsbranche gelten, deren Transportversicherungspolicen (§ 363 Abs. 2 HGB) auch Wertpapiercharakter haben können. 

Ein ähnliches Projekt in der Luftfahrt durch die IATA zeigt die Einsparungen an CO2 und Papier (7800 Tonnen Papier p.a. bei 24 Mio. Dokumenten) deutlich, wenngleich die zu transportierenden Mengen in der Luftfahrt nur einen Bruchteil der Mengen in der Seefahrt repräsentieren.

Generell werden auch heute schon Seefrachtbriefe per elektronischem Versandt verschickt. Allerdings ist dieser Weg nur dann möglich, wenn dem Warengeschäft kein Akkreditivgeschäft zugrunde liegt. Da der internationale Warenhandel auch heute noch auf Akkreditiven basiert und diese wiederum auf der Vorlage von Originaldokumenten wie dem Konnossement, kann das Konnossement nur dann elektronisch ersetzt werden, wenn ein sicherer Weg des Ersatzes gefunden ist. Hierfür bietet sich die Blockchain Technik an. Diese ermöglicht die sichere Weitergabe von Dokumenten an eine unbestimmte Vielzahl von Personen. Sie lässt auch zu, dass Beteiligte Eintragungen und Änderungen in der Blockchain vornehmen können, die ihre Aussteller erkennen lassen. Diese Technologie wurde erstmals richtig bekannt durch Kryptowährungen wie der Bitcoin. Mittlerweile sind aber auch andere Branchen, z.B. die Logistik auf die Blockchain aufmerksam geworden.

Im Zuge der Forschung des Projekts “Electronical Cosignment Note and Bill of Lading (eCONBiL) – Sustainability in Seafreight” sollen CO2-Einsparungen durch die elektronische Ersetzung von BLs realisiert werden.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Anforderungen an die Digitalisierung von Seefrachtdokumenten zu identifizieren, analysieren und zu adaptieren, um praxisbezogene und realitätsnahe Szenarien zu entwickeln, erste Feldversuche durchzuführen und dadurch schlussendlich den physischen Versand von Seefrachtdokumenten zu reduzieren. Damit sollen Schnelligkeit, Sicherheit und die ökologische Vorbildfunktion am Hafenplatz Bremerhaven gestärkt werden.

 

Ziele des Projekts im Einzelnen:

  • Identifizierung der CO2-Menge und Umweltbelastung durch Printdokumente.
  • Bezifferung der Reduktion des CO2-Fußabdrucks pro Container im Seeverkehr.
  • Marktbetrachtung aktueller E-Commerce-Modelle für digitalisierte Dokumente.
  • Erörterung des Einsatzes von Blockchain Technik zur Erstellung und Weitergabe digitaler Dokumente.
  • Untersuchung der Blockchain Technologie, um einschätzen zu können, ob diese Lösung für ECONBiL anwendbar ist.
  • Voraussetzungen (z.B. Anzahl Teilnehmer an der Blockchain, um die elektronischen Seefrachtbriefe sicher zu verschicken).
  • Sind Manipulationen der Daten durch Blockchain wirklich ausgeschlossen?
  • Implementierung eines Prototyps, um die elektronischen Seefrachtbriefe in einer existierenden Blockchain zu testen.

 

Der Umfang des Projekts beträgt 250.000€.