Ergebnisse

Im Rahmen der Untersuchung zeigt sich bereits jetzt, dass sich die Verläufe der Delikte im Bereich der Schleusungskriminalität durch die Pandemie verändert haben. Neben konventionellen Verläufen im Sinne einer Behältnisschleusung (also dem verdeckten, teilweise lebensgefährlichen Transport von Menschen in Fahrzeugen, Containern oder anderen Behältnissen) ergeben sich immer häufiger auch arbeitsteilig organisierte Delikte, bei denen kein verdeckter Transport erforderlich ist. Beispielsweise reisen Personen mit Hilfe von Visen ein, die aufgrund von medizinischen Befunden ausgestellt wurden. Ärzte aus Ländern außerhalb der EU attestieren hierfür die Notwendigkeit medizinischer Behandlungen. In Deutschland angekommen, kommt es dann jedoch nicht zu der medizinischen Behandlung, da die Notwendigkeit entfallen ist. Stattdessen wird durch einen Vermittler ein Kontakt zwischen der eingereisten Person und einer anderen Person aus einem Drittstaat (häufig aus Osteuropa vermittelt), der teilweise unmittelbar zu einer Eheschließung führt. Der vermittelte Kontakt reist dabei nur kurz nach Deutschland, um an der standesamtlichen Trauung teilzunehmen. Kurz darauf reist die vermittelte Person wieder in den Drittstaat zurück, wo sie eigentlich ihren Lebensmittelpunkt unterhält. Durch die Personenfreizügigkeit kann sich die (ursprünglich aufgrund der Notwendigkeit medizinischer Behandlung eingereiste) Person in Deutschland aufhalten. Derartige Tatverläufe stellen die Ermittlungsbehörden gegenwärtig vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Hierzu zählen u.a. das veränderte Kommunikationsverhalten sowie die Fremdsprach-lichkeit der Tatbeteiligten und die Verarbeitung von großen Datenmengen (Dokumente unterschiedlicher Art, Daten aus Telekommunikationsüberwachung etc.). Von besonderer Bedeutung erscheint dabei die Verarbeitung digitaler Daten. Diese werden seitens der Ermittlungsbehörden durch Beamte (meist ohne technische Unterstützung) aufbereitet, analysiert und bewertet. Die Verarbeitung bindet dementsprechend personelle und zeitliche Ressourcen, die die bearbeitbare Fallzahl stark reduziert.

 

Auch im Bereich der Behältnisschleusung haben sich aus Sicht der befragten Beamten in den letzten Jahren Veränderungen ergeben: Einerseits haben sich die Routen verändert. So kommen seit Beginn der Pandemie bspw. kleine Charteryachten im Mittelmeer zum Einsatz, um Menschen verdeckt zu transportieren. Zudem beobachten die Befragten aus dem Kreis der Ermittlungsbehörden eine zunehmende Rücksichtslosigkeit, Gewaltbereitschaft und Verrohung auf Seiten der Schleuser gegenüber den Opfern.     

Projektbezogene Vorträge

Kudlacek, D. (2021). The Complicated Relationship between Perpetrator and Victims in the Context of Human Smuggling and Trafficking [Conference presentation]. 76th Annual Meeting of the American Society of Criminology, Chicago, USA.

Fleischer, S. (2021). Organized Crime Networks as a Motor of Illegal Migration – Results from a Survey among Prosecutors [Conference presentation]. 76th Annual Meeting of the American Society of Criminology, Chicago, USA.