Mit dem Drahtesel durch die Stadt

Mit Rollern und Lernrädern: Sarah Ackermann und Vanessa Kowalewski (v.l.) bringen Migrantinnen das Fahrradfahren bei.
Mit Rollern und Lernrädern: Sarah Ackermann und Vanessa Kowalewski (v.l.) bringen Migrantinnen das Fahrradfahren bei.
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Hochschule Bremerhaven und Bremerhavener Sportjugend bringen Migrantinnen das Radfahren bei

Das Fahrrad ist ein beliebtes Verkehrsmittel, wenn es um eine klimafreundliche und günstige Fortbewegungsmöglichkeit geht. Rund 79,1 Millionen von ihnen tummeln sich Statistiken zufolge auf Deutschlands Straßen. Doch längst nicht alle Erwachsenen können Fahrrad fahren. Speziell Frauen mit Migrationshintergrund hatten in ihren Heimatländern häufig keine Gelegenheit, dies zu lernen. Damit auch sie bald sicher mit dem Zweirad unterwegs sein können, haben Sarah Ackermann von der Bremerhavener Sportjugend und Vanessa Kowalewski, Studentin der Hochschule Bremerhaven, einen einwöchigen Kurs für Anfängerinnen angeboten. Initiiert wurde das Angebot durch das Zentrum für Chancengerechtigkeit der Hochschule Bremerhaven.

Sarah Ackermann ist seit vielen Jahren in der Bremerhavener Sportjugend aktiv. Bereits mehrfach hat sie integrative Fahrradkurse für Frauen angeboten. „Zum Teil sind es kulturelle Hintergründe, aus denen die Teilnehmerinnen bisher nicht gelernt haben, wie man Fahrrad fährt. Teilweise gab es aber auch bisher einfach keinen Anlass, weil die Frauen in ihrer Heimat alles fußläufig erreichen konnten“, sagt Sarah Ackermann. Die Kurse starten daher immer sehr niedrigschwellig. Balanceübungen und Fahrten mit Rollern stehen zu Beginn auf der Agenda. Danach satteln die Teilnehmerinnen auf Lernfahrräder um. Neben praktischen Übungen gehört auch Theorie zu den Kursinhalten. „Wir erklären den Teilnehmerinnen die Verkehrsregeln und –schilder. Dafür machen wir auch eine kleine Tour durch den Stadtteil, bei der wir an den Verkehrsschildern anhalten und darüber sprechen, was hier zu tun ist“, erklärt Ackermann. Zum Abschluss brechen alle gemeinsam zu einer richtigen Fahrradtour auf. Nur, wer das Radfahren nicht sicher beherrscht, bleibt dann vorsichtshalber zu Hause.  

Auch dieses Mal haben alle Teilnehmerinnen es geschafft – auch wenn manche Startschwierigkeiten hatten. „In vielen Fällen ist es einfach die Angst davor, richtig Schwung zu holen. Den zweiten Fuß aufs Pedal zu stellen, ist für einige eine wirklich große Überwindung“, so Vanessa Kowalewski. Zum Teil helfe dort das Stabilisieren des Fahrrads durch Festhalten oder das Umsteigen auf einen Roller, um zunächst an der Balance zu arbeiten. Auf dem Schulhof der Schule am Ernst-Reuter-Platz hatten die Frauen Raum, um ihre Runden zu drehen. Bei sprachlichen Barrieren unterstützte die Studentin Houriet Hasan, die selbst an dem Kurs teilgenommen hat, als Dolmetscherin. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Eine Kleinigkeit soll dennoch beim nächsten Mal angepasst werden. „Für die Studentinnen war es sehr schwierig, pünktlich um 14 Uhr beim Kurs zu sein, weil sie Vorlesungen hatten. Ein späterer Start war aber aufgrund der frühen Dämmerung nicht möglich. Wir werden den nächsten Kurs daher in die vorlesungsfreie Zeit legen, damit es keine zeitlichen Überschneidungen mit den Lehrveranstaltungen gibt“, so Claudia Krieten, die als Diversity Managerin an der Hochschule tätig ist und den Kurs organisiert hat.

Das Thema Klimaschutz ist der Hochschule sehr wichtig. Dazu gehört auch die Mobilität. Aus diesem Grund wurde 2021 eine Mobilitätsmanagerin eingestellt, die unter anderem den Fuhrpark der Hochschule überprüft. Mit überdachten Stellplätzen und einer kleinen hochschuleigenen Fahrradwerkstatt soll das Fahrradfahren für Mitarbeitende und Studierende attraktiver gemacht werden. Erste Erfolge werden bereits sichtbar. Bei der Academic Bike Challenge, bei der die Teams möglichst viele Kilometer auf dem Rad zurücklegen müssen, belegte die Hochschule Bremerhaven den 8. Platz unter den 31 teilnehmenden Einrichtungen.  

Das Zentrum für Chancengerechtigkeit an der Hochschule Bremerhaven setzt sich unter dem Motto „Alle an Bord“ dafür ein, dass Studierende und Hochschulangehörige unabhängig von ihren Lebenslagen und ihren sozialen Hintergründen chancengerechte Zugänge und Teilhabe im Hochschulalltag erfahren. Dafür bieten die Mitarbeiterinnen zahlreiche Unterstützungsformate mit Blick auf den Bedarf ihrer Zielgruppen an.

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