Weniger Emissionen bei der Begasung von Exportgütern

Ole Desens

Hochschulprojekt „redSF“ entwickelt Methode zum Abbau des Insektizids Sulfuryldifluorid

Werden Waren aus Deutschland exportiert, so muss sichergestellt werden, dass keine „blinden Passagiere“ in Form von Schädlingen mit an Bord sind. Um dies zu verhindern, werden die Güter mit dem Insektizid Sulfuryldifluorid (SF) begast. Doch was passiert mit dem überschüssigen Gas, wenn die Behandlung abgeschlossen ist? Genau um diese Fragestellung ging es im Projekt „redSF“ an der Hochschule Bremerhaven. In Kooperation mit der HARACO Offshore GmbH und der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS) haben die Forschenden eine Versuchsanlage entwickelt, mit der sie das Insektizid mit Hilfe von Kalkmilch in ungiftige Stoffe umwandeln können. Die Ergebnisse sollen in die Entwicklung einer Demonstrationsanlage übertragen werden.

Die Wespe auf dem Pflaumenkuchen – besser lässt sich das ambivalente Verhältnis des Menschen zu Insekten kaum beschreiben. Während Naturliebhaber das Tier während des Mahls fasziniert beobachten, halten andere Menschen lieber Abstand zu Kuchen und Insekt, um keine Bekanntschaft mit dem Stachel zu machen. Bei manchen Insekten dürften sich jedoch alle einig sein: Bettwanzen im Schlafzimmer und Kakerlaken im Vorratsraum? Lieber nicht! Dies gilt auch für den Export von Waren. „Nehmen wir zum Beispiel die marmorierte Baumwanze. Dieses Insekt überträgt Krankheiten auf Pflanzen. Wachsen diese Pflanzen dann auf anderen Kontinenten, so haben sie wenig oder keine Abwehrkräfte gegen diese für sie unbekannten Krankheiten. Also muss die Baumwanze hierbleiben – und wenn sie doch reist, dann bitteschön als totes Insekt und auch nicht im Ei- oder Larvenstadium“ so Prof. Dr. Wilfried Schütz, der an der Hochschule Bremerhaven im Studiengang Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien (NEU) lehrt.

Werden Waren beispielsweise nach Australien exportiert, so schreiben die dortigen Einfuhrbestimmungen vor, wie diese vor der Verladung in Bremerhaven mit einem Insektizid behandelt werden müssen. Die Begasung erfolgt in einem Zelt oder direkt im Container. Nach der Behandlung müssen diese belüftet werden, um die begasten Güter wieder frei vom Insektizid zu bekommen. So gelangt dieses in die Umgebung. Sulfuryldifluorid ist allerdings nicht nur giftig, sondern besitzt als Gas auch ein erhebliches Treibhauspotential –fast 5000-mal höher als Kohlendioxid. Für die Forschenden ist dies Grund genug sich mit dem Thema ausgiebig zu beschäftigen. „Dabei ‚kämpfen‘ wir an verschiedensten Fronten: Neben der fachgerechten Ausbildung der Mitarbeitenden über die Optimierung der logistischen Abläufe und die Nachbehandlung der mit dem Gas kontaminierten Luft bis hin zur Rückgewinnung des Giftes reichen die Aufgaben“, so Prof. Schütz. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde der Nachbehandlung der Luft geschenkt. Hier vermuteten die Forschenden den größten Erfolg in überschaubarer Zeit. Sie stützen sich dabei auf Erkenntnisse bei der Abluftbehandlung von Kraftwerken. So konnte in der kurzen Projektlaufzeit von elf Monaten eine Versuchsanlage entwickelt, konzipiert und aufgebaut werden. „Das Gas wird in der Anlage mit Hilfe von Kalkmilch in die ungiftigen Stoffe Gips und Flussspat umgewandelt. Noch besser wäre die Rückgewinnung des Gases durch den Einsatz physikalischer Speichermaterialien, z.B. Aktivkohle. Bei zukünftigen Projekten sollte die Entwicklung solcher Verfahren verstärkt zu den Aufgaben gehören“, erklärt Prof. Schütz.

In der derzeit laufenden Planung ist der nächste Schritt aber, die Ergebnisse der bisherigen Versuche auszuwerten und auf eine Demonstrationsanlage zu übertragen. „Der Teufel steckt im Detail. Und wenn in Bremerhaven eine Technik entsteht, die nirgendwo anders auf der Welt existiert, dann kann das Team auch ein bisschen stolz darauf sein“, so Prof. Schütz. Oliver Rautenberg, Geschäftsführer der HARACO Offshore GmbH, hat große Pläne: „Wenn wir aufzeigen, dass es geht und selber wissen, wie es geht, dann können wir die Dienstleistung weltweit anbieten.“ Dies wäre ein weiterer Schritt für eine umwelt- und klimafreundliche Logistik.

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