BauNet: Ein Bremerhavener Bildungsnetzwerk der besonderen Art

Anfang 2002 wird die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft treten. Ziel dieser Verordnung ist es, den Energiebedarf für den Neubau um 30% zu senken, mehr Transparenz durch Energiepässe zu schaffen und Impulse zum verstärkten Wärmeschutz im Gebäudebestand zu geben. Dadurch sollen mit der EnEV bis 2005 etwa 10 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.
Diese Neuerungen, durch die das Niedrigenergiehaus zum Standard werden soll, stellen die Bauwirtschaft vor neue Herausforderungen. Sie muss eingehend über die Inhalte und Auswirkungen auf Planung und Baupraxis aufgeklärt werden.

Die Umsetzung der Ziele der EnEV im Hausbau erfordert ein neues Denken, das den Hausbau nicht nur als die Addierung einzelner Gewerke sondern als ganzheitliches Konzept versteht. Die erforderlichen Fertigungstechniken für die Reduktion des Energieverbrauchs schlagen sich in der Niedrigenergie- bzw. Passivhausbauweise nieder. Ein Höchstmaß an Sensibilität, fach-übergreifendes Wissen und eine funktionierende Kommunikation zwischen den Baubeteiligten ist hierbei von größter Bedeutung.

So wies z.B. eine Untersuchung des Verbandes privater Bauherren (VBA) von 400 Neubauten nach, dass über 85 Prozent der Häuser über erhebliche Mängel in der Wärmedämmung verfügten. Kaum war die Außenhülle eines Neubaus fertig, wurde sie wieder zerstört: Schornsteine, Entlüftungsrohre und andere Technik suchten sich ihren Weg. Die dadurch entstandenen offenen Fugen in Dampfbremsfolie und Wärmedämmung können ernsthafte Mängel und somit erhebliche Mehrkosten nach sich ziehen. Mehrkosten, die sich die Bauschaffenden vor dem Hintergrund eines prognostizierten Umsatzrückganges in der Bauwirtschaft von über 20%, nicht mehr leisten können.

Die Bauindustrie hat die Auswirkung der EnEV bereits erkannt und drängt mit ihrem Produkt "Fertighaus" auf den regionalen Markt. Dabei wird das dort ansässige Handwerk stark unter Druck gesetzt. Die Anwendung neuer Techniken ist gefragt. Produktherstellung per CAD und CNC sind zur Selbst-ver-ständlichkeit geworden. Durch die Nutzung des Internet erfolgt die Vermarktung nicht nur lokal, sondern im Prinzip auch weltweit. Ein Industrieunternehmen vereinigt alle Baubeteiligten, vom Planer über den Ingenieur bis zum Bauausführenden, unter einem Dach.

Diese Vorteile eines Industrieunternehmens hat der traditionelle Handwerksbetrieb zu kompensieren. Vor dem Hintergrund dass bundesweit 100.000 Stellen durch die momentane Bauflaute in Gefahr sind und der erhöhten Anforderungen der EnEV bedarf es einer strukturierten Hilfestellung für die klein- und mittelständischen Unternehmen in der Region Bremerhavens.

Das Projekt BBZ PLUS des Berufsfortbildungswerks des DGB GmbH (bfw) hat sich dieser Thematik angenommen. Es wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Senators für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales und des Arbeitsamtes Bremerhaven finanziert. Die Antragsbearbeitung, Projektbegleitung und Prüfung obliegt der Bremerhavener Arbeit GmbH.

Unter Leitung des Bauökologischen Bildungszentrums des Berufsfortbildungswerks kooperieren die Projektpartner -unter anderem die Akademie des Handwerks und das Berufsbildungs- und Technologiezentrum des Handwerks - mit dem Ziel, durch überregionale Know- how-Beschaffung, Wissenstransfer, Erfahrungsaustausch und Problemlösung den Sachverstand ihrer Mitglieder, der Mitarbeiter, ihre apparativen Ausstattungen und räumlichen Kapazitäten effizient miteinander zu verbinden sowie weiter zu entwickeln. Diese Bildungsträger beabsichtigen ihre vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen gemeinsam zu nutzen und haben das Bildungsnetzwerk BauNet gegründet. Unter diesem gemeinsamen Dach bieten sie innovative Fortbildungsseminare im Baubereich an. So werden gemeinsame Veranstaltungen rund um die Energieeinsparverordnung und deren Konsequenzen durchgeführt.

Ein Auszug aus dem Herbstprogramm:

Fördermittel zum energieeffizienten Hausbau und zur Altbaumodernisierung
· Was, wer und wie wird noch gefördert?
Reduzierung von Wärmebrücken im Hochbau
· Gemeinsames Planen und Ausführen von Wärmebrückendetails
Luftdichtigkeit der Gebäudehülle
· Bedeutung der Luftdichtigkeit und die Vermeidung von Mängeln
Stand der Technik im zeitgemäßen Wohnungsbau
· Schwerpunkt: Der Holzrahmenbau
Aber auch Themen, die der Optimierung des Betriebsablaufes dienen, werden behandelt.
Professionelle Büroarbeit mit Datenbanken
· Adressen, Kontakte,Beziehungen - das Kapital des Unternehmens
Professionelle Kommunikationslösungen
· Arbeiten mit "unified messaging" Systemen
Baustellenmanagement
· Telekooperationslösungen und deren technischen Anbindung
Nichttechnische Präsentationstechniken
· Mehr Erfolg durch eine perfekte Präsentation

Durch diese Kooperation und deren Veranstaltungen wird eine effiziente und wichtige Hilfestellung für die Bauwirtschaft der Region geleistet werden können.

Die Projektinhalte werden von der Hochschule Bremerhaven wissenschaftlich begleitet. Durch die Einbindung der Hochschule in das Projekt und sein Netzwerk werden die geplanten Weiterbildungen den aktuellen Stand der Technik erhalten und auf die neuesten technischen Entwicklungen in diesen Bereichen hinweisen können. Innerhalb der Netzwerkstruktur werden die Partner im Rahmen von Workshops über aktuelle Entwicklungen informiert, ein fachlicher Austausch ist somit garantiert. Die Workshops der Bildungsoffensive sind kein geschlossener Kreis, sondern nach allen Seiten geöffnet. Verbände, Institutionen und Firmen sind herzlich willkommen, an der gemeinsamen Bildungsoffensive mitzuarbeiten.

Auch hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt, in erster Linie die klein- und mittelständische Industrie auf dem Gebiet des Baustoffrecyclings anzuregen, ihren technischen Stand im Dialog mit der Wissenschaft weiterzuentwickeln. In Zusammenarbeit mit der Forschungsvereinigung Recycling und Wertstoff-verwertung im Bauwesen e.V. sind Qualifizierungen geplant, die die Grund-lagen dafür geben, recyclierte Zuschlagstoffe im Hochbau anwenden zu können.

Der dritte Schwerpunkt des Projektes gilt der Verbesserung der Ausbildung in den Ausbildungsberufen des Bauhandwerks. Rahmenlehrpläne in den Ausbildungsberufen sind längst nicht mehr zeitgemäß, werden aber trotz der Neuorientierung in den Ausbildungsberufen noch nicht umgesetzt. Durch eine vom BBZ angebotene Zusatzqualifikation konnten Bewerbungen auf solche Stellen erfolgreich verwirklicht werden. Praktikanten, die diese Zusatzqualifikationen nachweisen können, wurden von den Firmen gerne beschäftigt.

Die Teilnehmer des Projektes erhalten nicht nur eine qualifizierte Facharbeiterausbildung, sondern erwerben zusätzliche Kenntnisse, die sie auf ihre zukünftige Berufstätigkeit speziell vorbereiten. Die zusätzlichen Inhalte werden in Form in sich abgeschlossener Projekte erarbeitet, so dass Handlungskompetenz und Kooperation zwischen den Handwerken geübt werden kann.

An folgende Zielgruppen richtet sich das neue Projekt:
1. Firmen, Einrichtungen und Verbände;
2. Planer und ausführendes Gewerbe der Baubranche;
3. Multiplikatoren im Lehr- und Ausbildungsbereich;
4. Arbeitnehmer, Angestellte und Führungskräfte der Baubranche;
5. Meisterschüler, Studenten;
6. Beschäftigungsträger;
7. Teilnehmer der Berufsbildungsstätte Bau des bfw -Bremerhaven.

Die Qualifizierungsinhalte (Auszug) aus den Bereichen:
Bauökologie,
Bauphysik,
Baukonstruktion,
Energieeinsparverordnung
Recycling von Baumaterialien,
Schadstofferkennung auf der Baustelle,
Gebäudetechnik
sowie EDV und neue Technologien: .CAD, .CNC, .EIB,
Kalkulation,
Kommunikation im Büro, .Kommunikation auf der Baustelle, .
Internet,
Fernwartung per DFÜ
werden mit Zertifikaten und Teilnahmebescheinigungen von dem jeweiligen Projektpartner bestätigt. Die Teilnehmer der Umschulungsmaßnahme schließen mit der Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer beziehungsweise der Handwerkskammer ab.

Ausführliche Information des Projektes unter www.baunet-bremerhaven.de

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