Mit dem Brauprojekt auf Spurensuche in der Hochschule Bremerhaven

Der Standort der Gebäude der Hochschule Bremerhaven ist geschichtsträchtig. So gab es an der Karlsburg nicht nur eine schwedische Kaserne und das Auswandererhaus, sondern auch eine große Brauerei, die 1891 gegründet wurde. Bis ins Jahr 1974 braute man Bier, dann stellte die damalige Bremische Brauerei Haake Beck den Betrieb in Bremerhaven ein. Nun wird wieder Bier hergestellt – und zwar im Labor Lebensmittelverfahrenstechnik der Hochschule.

Prof. Dr. Ludger Figura hat das Wahlprojekt ins Leben gerufen, um interdisziplinäre technische Fragestellungen in der praktischen Anwendung im Studiengang Lebensmitteltechnologie/Lebensmittelwirtschaft zu bearbeiten. „Obwohl die Bierherstellung lange bekannt und traditionsreich ist, wird weltweit ständig an Verfahrensoptimierungen gearbeitet. Aktuelle Felder sind zum Beispiel Trennverfahren, Automatisierung, Biotechnologie und Verpackungstechnik“, erklärt Figura.

So ist inzwischen im Haus K eine Mikrobrauerei entstanden. Mit gebrauchten Geräten wie Maischebehälter und Läuterbottich können pro Braugang 50 Liter hergestellt werden. Bier wird durch Gärung aus Getreide und anderen stärkehaltigen Körnerfrüchten gewonnen. Das meiste Bier wird aus zu Malz verarbeiteter Gerste hergestellt und mit Hopfen gewürzt. Weltweit gibt es eine große Vielfalt unterschiedlicher Rezepturen und eine Reihe von Rohstoffen, die sich vergären lassen. Soll Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 hergestellt werden, so bestehen die Rohstoffe lediglich aus Malz, Hopfen, Wasser und Hefe. Der Charakter und die Farbe des Bieres werden im Wesentlichen vom verwendeten Malz bestimmt. „Bier herstellen kann jeder, aber das richtige Rezept entwickeln und es reproduzierbar machen, bedarf einer systematischen Vorgehensweise“, sagt Diplomingenieurin Antje Mües, technische Angestellte im Labor Lebensmittelverfahrenstechnik.

Zusammen mit einem Studierendenteam haben Figura und Mües bereits einige Braugänge durchgeführt. „Der erste dauerte noch zwölf Stunden, inzwischen sind wir bei üblichen sechs bis sieben Stunden“, so Mües. So gibt es bereits ein reproduzierbares Lagerbier. Zudem laufen die Versuche für ein Exportbier. 50 Liter ist die maximal herstellbare Menge, und jeder Braugang muss angemeldet werden. Das Zollamt überwacht die Aktivitäten im Labor. Schließlich gibt es in Deutschland die Biersteuer, die abhängig vom Stammwürzegehalt bezahlt werden muss.

„Wir wollen keine Brauerei aufmachen, sondern in erster Line die Brautechnik für die akademische Ausbildung nutzen“, verdeutlicht Prof. Figura. „Die Brautechnik vereint viele Fachdisziplinen wie Trennverfahren, Haltbarmachung, Hygiene, Analytik, Gerätetechnik, Messtechnik, Marketing und Logistik.“ Ihm liegt die integrative studiengangsübergreifende Lehre am Herzen. Die Mikrobrauerei wird unter seiner Leitung vor allem durch ein Studierendenteam betrieben. Vier bis fünf Studierende können mitarbeiten, zurzeit sind angehende Ingenieure aus den Studiengängen Lebensmitteltechnologie und Produktionstechnologie im Team. „Aber auch Studenten aus Betriebswirtschaftslehre, Logistik oder Verfahrenstechnik werden gebraucht“, so Figura. Er wünscht sich ein fluktuierendes Team, wobei die Mitglieder maximal zwei Semester dabei sein sollten. „Nur so können wir zum einen Lehr- und Entwicklungserfolge erzielen, zum anderen das Bierbrauprojekt am Leben erhalten.“ Denn Finanzmittel stehen nicht zur Verfügung. Das Labor ist auf Sponsoren und Spenden angewiesen. Die Anschaffung der Brauanlage konnte durch den hochschuleigenen F&E-Fonds finanziert werden.

Bisher wurde das als „Karlstadt Lager“ getaufte Bier allein für den Laborbetrieb im Studiengang hergestellt. „Das Echo war riesengroß. Unser Bier schmeckt“, sagt Mües.

Zugehörige Dokumente

Zurück zur Übersicht