Von Förderprogrammen, Rotorblättern und Aquakulturen

Zahlreiche Teilnehmer aus Industrie und Wissenschaft trafen sich jetzt zum 6. Forschungsworkshop der Forschungs- und Koordinierungsstelle Windenergie (fk-wind) an der Hochschule Bremerhaven. Der mit Unterstützung der Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen e. V. (WAB) organisierte Workshop bot einen umfangreichen Überblick über nationale und internationale Forschungsförderprogramme und zeigte die Ergebnisse von sieben im Land Bremen durchgeführten Forschungs- und Entwicklungs-Projekten auf.

In den ersten Vorträgen konnte sich das Fachpublikum über die vielfältigen Varianten der Förderung von Windenergieprojekten für Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen informieren. Von der BIG Bremen und der BIS Bremerhaven wurden die spezifischen Förderprogramme des Landes Bremen vorgestellt. Welche bundesweite Förderung von Windenergieprojekten es gibt, zeigten die Vorträge des Bundesumweltministeriums und der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt.
Der zweite Vortragsblock war ganz dem Themengebiet „Rotorblatt“ gewidmet. Ein Mitarbeiter des Bremer Instituts für Konstruktionstechnik verdeutlichte, dass eine reproduzierbare Rotorblattherstellung nur durch eine Automatisierung des Fertigungsverfahrens erreicht werden kann. Dass Rotorblätter von Windenergieanlagen auch noch nach dem Fertigungsprozess für einen einwandfreien Betrieb auf Schäden und Unregelmäßigkeiten untersucht werden müssen, zeigte der Beitrag des ttz Umweltinstituts zur vorbeugenden Instandhaltung mittels IR-Thermographie.
Den bei der Fertigung von Rotorblättern eingesetzten Materialien und deren Verwertung widmete sich der anschließende Vortrag. Die in Kooperation zwischen der fk-wind und dem Institut für Umwelt und Biotechnik der Hochschule Bremen durchgeführte Machbarkeitsstudie zur Verwertung von Faserverbundwerkstoffen zeigte einen großen Bedarf bezüglich der Entsorgungsproblematik auf.
Die vielfältigen Perspektiven der Windenergie zeigten die vier Nachmittagsvorträge. Dem Thema Aquakulturen widmeten sich die Vorträge vom AWI Bremerhaven und von der fk-wind. In dem Forschungsprojekt Mytifit untersucht das Alfred-Wegener-Institut die Eignung des Seegebietes um den geplanten Offshore-Windpark „Nordergründe“ für die Zucht von Miesmuscheln. Der Zuchterfolg der an Kulturleinen zwischen einzelnen Offshore-Windenergieanlagen aufgehängten Miesmuschelanlagen ist hierbei stark von Faktoren wie den Standortbedingungen, der Wasserqualität oder des Wassersauerstoffgehalts abhängig.
Welche Lasten auf diese Langleinenaquakulturen wirken können, ist Thema des von mehreren Bremerhavener Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführten Projektes Aqualast. In einem Testaufbau westlich von Sylt wurden über Sensoren ozeanographischen Daten und Lasten, wie Strömungs-, Temperatur- und Sauerstoffwerte ermittelt. Hierbei konnte ein bedeutender Einfluss des Wellenfeldes mit Wellengeschwindigkeiten und Strömungsrichtungen festgestellt werden.
Mit einem gänzlich anderen Gebiet beschäftigt sich die energy & meteo systems GmbH. Ihre Idee von der Direktvermarktung von Windstrom konnte das in Bremerhaven angesiedelte Unternehmen durch den Aufbau eines virtuellen Handelskraftwerks in die Wirklichkeit umsetzen. Die Vermarktung des Windstromes erfolgt über ein Webportal mittels Telefonhandel sowie direkt an der Strombörse.
Ein Forschungsworkshop in Bremerhaven ohne einen Vortrag zu den dort aufgestellten Offshore-Windenergieanlagen Multibrid M5000 ist fast schon undenkbar. Diesmal ging es um das PC-basierte Steuerungssystem der M5000. Über einen Teststand mit Echtzeitsimulation kann die gesamte Sensorik und Aktuatorik der Steuerung überwacht werden. Eine zusätzlich aufgebaute Datenbank dient u. a. der Zugriffs-Historie.
„Der Forschung und Entwicklung für die Windenergie, insbesondere für den Offshore-Einsatz, stehen noch viele offene Fragestellungen gegenüber. Dies zeigt die Vielfalt der auf dem Forschungsworkshop vorgestellten Projekte. Unterstützung finden die Projektpartner hierbei bei den nationalen und internationalen Förderprogrammen“ resümierte Prof. Henry Seifert, Leiter der Forschungs- und Koordinierungsstelle Windenergie.
In seiner Bilanz verwies Seifert auf weitere Veranstaltungen an der Hochschule und in Bremerhaven. Hierzu zählen die regelmäßig stattfindenden fk-wind:energiekolloquien, die Offshore-Wind-Konferenz „Windstärke 07“ der WAB am 13. und 14. Juli und die Abschlusskonferenz des EU-Projektes POWER (14.-15. Juli). Der Termin für den nächsten Forschungsworkshop der fk-wind steht mit dem 17. April 2008 auch bereits fest.
Weitere Informationen zur Forschungs- und Koordinierungsstelle Windenergie und zur Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen e. V. sind im Internet abrufbar unter www.fk-wind.de und www.windenergie-agentur.de.

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