Wie Europa dem Verkehrskollaps vorbeugt

Langfristig werden die Tendenzen in der Logistik mehr Verkehr verursachen. Derzeit versucht die europäische Verkehrspolitik, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene und die Wasserstraßen zu verlagen. Prof. Dr. Heiner Hautau vom Institut für Verkehrswissenschaft der Universität Hamburg präsentierte anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der deutschen Gesellschaft für angewandte Wissen-
schaften ausgewählte Projekte im Großen Hörsaal an der Hochschule Bremerhaven.

Während seines Vortrages ging der Experte auf die Tendenzen in der Logistik ein: „Die Entwicklungen induzieren mehr Verkehr, vor allem sinkende Logistikkosten sorgen für zunehmende Gütermobilität.“ Seit Jahren nähmen die Transportweiten zu. Wissenschaftler rechnen damit, dass im Jahr 2030 der Anteil des Lkw an der europäischen Verkehrsleistung rund 77 Prozent betragen wird.

Um einem Verkehrskollaps vorzubeugen, baut die europäische Verkehrspolitik auf transeuropäische Netze (TEN), die langfristig den Seehafenhinterlandverkehr entlasten sollen. Im Zusammenhang mit TEN-Projekten würden oftmals die Meeresautobahnen genannt, erklärte Prof. Hautau. Diese Hochgeschwindigkeitsverbindungen für die Küstenschifffahrt sollen durch die Verbindung von Häfen entstehen und zeichnen sich insbesondere durch eine leistungsstarke Infrastruktur und ein modernes Umschlagsequipment aus.

Neben den maritimen Verkehrsträgern werden auch die Schienenverbindungen weiter ausgebaut. „Über die zweigleisige Betuwe-Linie zwischen Rotterdam und Krefeld wird der Hinter-landverkehr von Europas größtem Seehafen beschleunigt“, erläuterte Prof. Hautau.

Weitere TEN-Projekte werden in Polen und Slowenien, aber auch in Spanien, Portugal und Italien realisiert. Dazu zählt eine Bahnverbindung von Danzig über Warschau nach Wien, um den polnischen Ostseehafen als Hub für Containerverkehre attraktiver zu machen.

„Die TEN-Projekte sollen dazu beitragen, den Güterverkehr umweltfreundlicher zu gestalten“, weiß Prof. Hautau. Als grüne Verkehrskorridore bezeichnet, sollen die Maßnahmen die Nachhaltigkeit der umweltfreundlichen Güterströme in Europa fördern.

Unter dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit stand auch die Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss und von Prof. Dr. Heinz-Jürgen Scheibe moderiert wurde. Einige Stimmen aus dem Auditorium bemängelten die Zielsetzung der TEN-Projekte, die wohl zu spät umgesetzt werden würden, um den drohenden Verkehrsinfarkt abzuwenden. Einigkeit demonstrierten dennoch die Experten bei der Betrachtung der Seehafenhinterlandverkehre. Sie sollen künftig für den Erfolg europäischer Logistikketten entscheidend sein.

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