Bühne frei für die Wissenschaftler des ersten Science Slam

Heizte dem Publikum ein: Moderator Patrick Heppt
Heizte dem Publikum ein: Moderator Patrick Heppt
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Entrüstet baut sich der schlaksige Typ im grauen Kittel vor seinem Pult auf. Dann stemmt er die Arme in die Hüften und wettert los „Ich keine Ahnung von Po-tenz-funk-tion? Mein lieber jolly, da hab ich so was von Ahnung von, aber hallo.“ Über 200 Zuschauer lachen, grölen, jubeln. Vor ihnen steht Prof. Dr. Boris Koch vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Für den ersten Bremerhavener Science Slam der Pier der Wissenschaft ist der Forscher in die Rolle des Hausmeisters Hinz-Dieter Sabbert geschlüpft. Denn beim Science Slam gilt die Losung: alles erlaubt außer Fachchinesisch. Mit seinen drei Konkurrenten aus der Hochschule Bremerhaven, dem Deutschen Auswandererhaus und dem Technologie-Transferzentrum (ttz) lieferte Koch sich eine intellektuelle Schlammschlacht, die vor Komik strotze - Wissenschaftler wurden zu Entertainern und der größte Hörsaal der Hochschule zur Showbühne.

Zehn Minuten Zeit hatte jeder Kandidat, um die Aufmerksamkeit und die Herzen der Anwesenden zu gewinnen. Angepeitscht von Schauspieler Patrick Heppt, der als Einstein-Verschnitt durch die Veranstaltung führte, stiegen die Wissenschaftler nacheinander in den Ring.

Den Anfang machte Prof. Dr. Carsten Harms, der für das ttz antrat. Lakonisch räumte der Molekularbiologe mit einigen vermeintlichen Missverständnissen auf: „Wir können die DNA eines Schweins essen, ohne selbst eines zu werden - von Ausnahmen natürlich abgesehen.“ Gelächter. Sodann zauberte Harms aus der DNA einer Tomate eine Kirsche. Der Trick? Er pürierte, filterte und mixte mit Alkohol. Nach dem etwas anderen Front-Cooking kredenzte er die neue Frucht in Schaumwein – und verblüffte die Testkoster: „Schmeckt nach Sekt mit Heidelbeere“, so Zuschauer Julian Richter. Tosender Beifall.

Weiter ging es mit Dipl.-Ing. Andreas Menslage, der die Hochschule Bremerhaven vertrat. Menslage - wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fertigungstechnik – gewährte dem Auditorium Einblicke in die Innereien eines Tischfußball-Roboters. Doch als er gerade richtig in Fahrt kam, musste er schon wieder aufhören. „Geht nicht, das Publikum bebt“, hielt er munter dagegen. Doch Einstein blieb hart – zehn Minuten sind zehn Minuten.

Mit Katrin Quirin vom Deutschen Auswandererhaus unternahmen die Zuschauer eine Reise ins 19. Jahrhundert. Als Auswanderin Justina Tubbe erzählte sie von ihrer Reise in die neue Welt – mit Kopftuch und Berliner Schnauze. „Ernte war im Arsch, ick sach, wir jehen nach Amerika. Da waren wer denn die Tubbies.“ Eine schauspielerische Glanzleistung. Beifall und Jubel für die Wissenschaftlerin.

Dann: Auftritt Hinz-Dieter Sabbert alias Professor Dr. Boris Koch. Trottelig und clever zugleich sinierte er darüber, wie viel CO 2 vom letzten Röchler Julius Cäsars noch durch die Welt schwirrt. Dabei eierte er vom Feierabendbier zu seinem Mopedauspuff und von da zur Molekularphysik – und erinnerte an „Dittsche“ in seinen besten Zeiten. Füßetrampeln, Pfiffe, Begeisterung. Auch bei der anschließenden Abstimmung durch das Publikum rief Koch ohrenbetäubende Jubelstürme hervor. 200 Zuschauer kürten den Wissenschaftler zum ersten Bremerhavener Science Slam-Sieger – und bescherten ihm damit den Hauptpreis, einen Segeltörn auf der „Seeschwalbe“.

Zugehörige Dokumente

Zurück zur Übersicht