„Tens“ - Studentisches Filmprojekt inszeniert Abgründe der Sucht

Von der ersten Idee bis zum Film - die Studierenden um Jens Lippert (Mitte) haben in Eigenregie einen ungewöhnlichen Leinwand-Schocker produziert.
Von der ersten Idee bis zum Film - die Studierenden um Jens Lippert (Mitte) haben in Eigenregie einen ungewöhnlichen Leinwand-Schocker produziert.
Quelle: Hochschule Bremerhaven

Träge tropft der Kaffee durch den Filter. Auf dem Tisch kleben Zigarettenstummel und leere Astraflaschen. Der Mann im Feinrippunterhemd starrt ins Leere. Dann greift er nach der Elektroschockpistole, steckt sie in den Mund und drückt ab. Wieder und immer wieder. Bis seine Augen zufrieden fiebern – bis ihn die Stromschläge in eine Welt geschleudert haben, die er ertragen kann. Diese Szene stammt aus dem Spielfilm „Tens“. Entstanden im Rahmen einer Projektarbeit im Studiengang Medieninformatik, bricht der 25-minütige Film mit sämtlichen Konventionen und Tabus. Bei der öffentlichen Vorführung in der Hochschule erlebten die Zuschauer einen gewaltigen Bilderrausch, der sie teilweise an die Grenzen der nervlichen Belastbarkeit führte.

In „Tens“ gibt es zwei Protagonisten. Der eine ist der ziellose Verlassene, der gelähmt auf seinem Sofa herumdümpelt und sich zudröhnt. Der andere ist der Stoff, nach dem er sich verzehrt, der Stoff, der ihm den Kick gibt und der sich mehr und mehr in sein Leben frisst: elektrischer Strom. Grelle, schonungslose Bilder erzählen die Geschichte eines Mannes, der mit der Droge fliegt und fällt. Dabei besticht der Streifen vor allem durch seine eindringliche Ästhetik. Wenn sich der namenlose Charakter auf der Suche nach Glück mit der Zunge in der Steckdose festkrallt, transportieren schnelle Schnitte und wirre Bildfolgen seinen 5000-Volt-Rausch. Im starken Kontrast dazu steht die Leere, die er erlebt, wenn er „off“ ist. Eine statische Kamera fängt die bleierne Ödnis seines Rest-Lebens ein – eines Lebens, das sich nur noch zwischen durchgesessener Sitzgarnitur und schmierigen Badezimmerspiegeln bewegt. Der Film gipfelt in einem blutdurchtränkten Finale, das den Zuschauer laut und erbarmungslos mit der Sprengkraft der Sucht konfrontiert.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Film ist Drehbuchautor Jens Lippert „bei einem kühlen Bier“ gekommen. Mit dem Storyboard, das er auf einen Schmierzettel kritzelte, konnte der Studierende seine Kommilitonen schnell begeistern. Acht volle Drehtage und 500 Stunden Nachbearbeitung haben die zwölf Studierenden in ihre erste eigene Filmproduktion gesteckt. „Die Studenten hatten keinerlei Vorerfahrung und haben sich alles selbst erarbeitet. Das Ergebnis ist wirklich toll“, lobte Uwe Zander, der das Projekt als Gastdozent im Studiengang Medieninformatik betreute. „Die Alterfreigabe sollte allerdings bei 21+ liegen.“ Letzteres spürten auch die Zuschauer im Hörsaal – einige mussten während der Schlusssequenz die Augen schließen.

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