Wie schütze ich mein Kind im Internet? Checkliste für Eltern entwickelt

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Cybermobbing, Stalking, Datenspionage - die Gefahren, die das World Wide Web neben all seinen Vorteilen mit sich bringt, sind nicht zu leugnen. Doch gerade Kinder und Jugendliche unterschätzen die Bedrohung und geben in virtuellen Netzwerken leichtfertig persönliche Details preis. Nicht erst seit der CeBIT 2009, die unsere Netzgesellschaft unter dem Schlagwort "Web-Ciety" zu einem Schwerpunktthema gemacht hat, wird die Forderung nach einem effektiven Online-Jugendschutz laut. Einen viel versprechenden Ansatz bietet hier Dr. Edgar Einemann, Professor der Hochschule Bremerhaven.


Einemann, der in den Studiengängen Informatik und Wirtschaftsinformatik lehrt, sieht die Primärverantwortung für die Internet-Sozialisation der Kinder bei den Eltern – und darin auch eine Strategie zur Lösung der Probleme: Über die Internetkompetenz der Eltern soll langfristig auch die Internetkompetenz der Kinder gestärkt werden. So hat Einemann die Checkliste „Eltern-Aktivitäten zum Schutz der Kinder im Web“ entworfen, mit der er Eltern für bestimmte Altersgruppen spezielle Reglementierungen empfiehlt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen beziehen sich sowohl auf Sicherheitseinstellungen am Computer als auch auf soziale Einschränkungen und Kontrollen. Für ältere Kinder legt Einemann den Eltern beispielsweise eine Internet-Nutzungsvereinbarung nahe, in der die Kinder sich u.a. verpflichten, persönliche Daten und Fotos nicht öffentlich zu präsentieren, Mails von Unbekannten zu löschen oder umgehend über Sex- oder Gewaltseiten zu berichten. „Die Checkliste soll Eltern als eine erste praktische Hilfe bei der Web-Erziehung dienen“, so Einemann.

Grundlage der Checkliste ist die Studie „Entdecke Web 2.0. Chancen nutzen – Gefahren vermeiden“, in der Einemann geprüft hat, ob die Erziehungsberechtigten fit genug sind, um ihre Sprösslinge verantwortungsvoll ins Web zu begleiten. Eine Online-Umfrage unter 633 Eltern, die Kinder im Alter ab acht Jahren haben, brachte zum Vorschein, dass die meisten Befragten die Sicherheit ihrer Kinder durch Stalking, Spionage-Programme, Online-Kriminalität und den leichten Zugang zu Sex- und Gewaltseiten bedroht sehen, jedoch keine ausreichenden Konsequenzen aus dieser Sorge ziehen. Es herrscht eine deutliche Diskrepanz zwischen den Einschränkungen und Kontrollen, die Eltern für sinnvoll halten, und denen, die sie tatsächlich realisieren. Der Unterschied zwischen Idee und Tat gilt vor allem für Maßnahmen, die direkte Eingriffe der Eltern erfordern, so z.B. für den Einsatz von Filtern und Sperrungen, die Beschränkung des Zugangs auf bestimmte Seiten, die Einsicht in Protokolle der Seitenbesuche und die Überprüfung der Transfervolumina. Somit macht die Studie deutlich, dass Eltern offensichtlich noch nicht in der Lage sind, ihre Kinder effektiv vor den Risiken des World Wide Web zu schützen. Sie brauchen und suchen Hilfen.

Auch wenn die Erziehungsberechtigten konkrete Unterstützung von Staat und Internet-Unternehmen erwarten, verortet Einemann eine große Handlungskompetenz bei ihnen selbst. Der Hochschullehrer, der in den letzten Jahren viele beachtete Beiträge zur Internet-Forschung geleistet hat (u.a. 2006 das auch in Englisch publizierte Buch „Das Internet in Deutschland“), begreift die Eltern als die erste wirksame Schutz-Instanz für junge Netz-User. „Eltern müssen und können ihre Kinder davor bewahren, als gläserne Surfer durchs Netz zu rauschen“, so Einemann. Dafür seien Aufklärungs- und Weiterbildungsinitiativen, die speziell auf Eltern und Kinder zugeschnitten sind, jedoch zwingend erforderlich. „Nur wenn Eltern die Verantwortung für die Internet-Sozialisation ihrer Kinder übernehmen und ihnen neben dem Essen und Fahrradfahren auch den richtigen Umgang mit dem Cyberspace beibringen, werden kleine Chatter zukünftig gegen die Risiken des Webs immun sein.“ Einemanns Checkliste ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Viele weitere müssen folgen.

Die komplette Studie inklusive Checkliste und Internet-Nutzungsvereinbarung ist für Interessierte auf Anfrage erhältlich.

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