Food Port-Projekt präsentiert beim Fischgipfel

v.r.n.l.: Werner Prill moderiert den Vortrag von Wolfgang Zeitz und Prof. Dr. Wolfgang Lukas beim Fischgipfel 2013 an
v.r.n.l.: Werner Prill moderiert den Vortrag von Wolfgang Zeitz und Prof. Dr. Wolfgang Lukas beim Fischgipfel 2013 an
Quelle: Ralf Masorat

Wie kommt der Fisch am besten und sinnvollsten von Norwegen nach Bremerhaven? Das ist eine Frage, die sich das Projekt Food Port stellt, an dem die Hochschule Bremerhaven beteiligt ist. Beim traditionellen Fischgipfel des Presseklubs Bremerhaven-Unterweser stellte Prof. Dr. Wolfgang Lukas gemeinsam mit Wolfgang Zeitz, Leiter der Logistik bei "Deutsche See" den Stand der Forschungsarbeiten vor. Mehr als 150 Gäste folgten den Ausführungen der Beiden interessiert.

„Wir haben mehrere Arbeitsschwerpunkte“, sagt Lukas, der das internationale, EU-geförderte Projekt betreut. Insgesamt sind 18 Partner an dem Projekt beteiligt. Ziel ist es, im Nordseeraum Transportkorridore zu identifizieren und optimale Transportformen zu entwickeln. „Wir müssen neue Wege gehen“, sagt Prof. Lukas „Die Anforderungen an einen umweltfreundlichen Transport haben sich in der Lebensmittelindustrie deutlich erhöht.“ Das sei ein Grund, warum zum Beispiel "Deutsche See" als Projektpartner dabei ist. „Die Fischmanufaktur hat einen sehr guten Ruf und wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2010 ausgezeichnet“, sagt Prof. Lukas. Damit nimmt das Unternehmen auch in diesem Projekt eine Vorreiterrolle ein und ist unter anderem damit befasst, neue Verpackungsformen zu entwickeln und zu testen. „Wir arbeiten an unterschiedlichen Konzepten, das Eis durch modifizierte Atmosphäre im Kühlcontainer und in Transportboxen zu ersetzen“ erläutert Zeitz. „Kompromisse bei der Qualität darf es dabei nie geben“.

Im Kern geht es bei Food Port um die Lieferwege und die Erreichung der EU-Ziele in Bezug auf die Verringerung der CO2-Emissionen. Dazu sollen 30 % des Straßengüterverkehrs über 300 km bis 2030 vom LKW auf andere Verkehrsträger wie Eisenbahn- oder Schiffsverkehr verlagert werden. „Die Bündelung der Verkehre ist das große Thema unseres Projekts, denn nur über die Bündelung können die für Schiffs- oder Bahntransport notwendigen Mengen erreicht werden“, sagt Prof. Lukas. Zeitz verweist dabei auch auf einen Sonderaspekt, der sich insbesondere auf filetierten Fisch aus Island bezieht. „Auch wenn Frischfisch per Flugzeug nur einen relativ kleinen Teil der Importmenge ausmacht, sei diese Transportform schon aus Kostengründen und wegen des hohen CO2-Ausstoßes zu prüfen“. Nicht nur die Hochschule und "Deutsche See" sind als Partner dabei, sondern auch der Magistrat der Stadt Bremerhaven und die Häfen unter anderem von Kristiansund, Göteborg, Zeebrügge und Oostende sowie mehrere Universitäten. „Das ist eine Voraussetzung für die EU-Förderung“, erläutert Prof. Lukas das Konsortium.

In Bremerhaven wird konkret am Beispiel von norwegischem Lachs geforscht. Die Mengen an produziertem Zuchtlachs haben sich zwischen 1997 und 2011 mehr als verdreifacht. Ein weiteres dynamisches Wachstum wird erwartet. Die norwegischen Fischproduzenten haben Interesse daran, ihre Ware schnell zu verkaufen und zu transportieren. Mit den zunehmenden Mengen, die in den norwegischen Fjorden produziert wird, liegt es nahe, die Ware per Schiff zu liefern. „Dann könnte man zum Beispiel in einem Liniendienst erst Bremerhaven und vielleicht weiter auch Belgien beliefern“, erläutert Lukas das Konzept. Die Weiterverteilung würde dann nach wie vor mit dem LKW erfolgen. Die großen Streckenabschnitte würden aber mit dem erheblich umweltfreundlicheren Schiff zurückgelegt. Dabei dürfte nicht nur Fisch an Bord sein: „Wir können ja nicht vier Wochen sammeln, bis das Schiff ausgelastet ist“, sagt Lukas. Deshalb wird im Rahmen des Projekts untersucht, welche weiteren Transportgüter aufgenommen werden können und für eine entsprechende Auslastung sorgen. Das gilt natürlich auch für die Rückfracht.

Eine unmittelbare Umsetzung ist aufgrund der derzeit noch nicht ausreichenden Mengen nicht zu erwarten, aber als zukünftige Lösung denkbar. Die organisatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zu beleuchten ist Ziel des Projekts, so dass klar erkennbar wird, wann eine Umsetzung Erfolg haben kann.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten der Professor der Hochschule Bremerhaven und der Leiter der Logistik bei Deutsche See noch gemeinsam mit den weiteren Referenten Sebastian Gregorius von der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft (FBG), dem Geschäftsführer der Cuxhavener Kutterfisch-Zentrale Kai-Arne Schmidt sowie Thorsten Matthias, Marketingleiter bei Frosta AG über Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Moderiert wurde der Fischgipfel 2013 von Werner Prill im Forum Fischbahnhof im Bremerhavener Fischereihafen.

Zugehörige Dokumente

Zurück zur Übersicht