Biotechnologie praktisch erleben

Schülerinnen und Schüler im Labor
Schülerinnen und Schüler im Labor
Quelle: Mareike Heger

Neuer Kurs für Oberstufenschülerinnen und -schüler gestartet

Bereits vor dem Abitur Laborerfahrungen sammeln, sich mit einem Studienfach beschäftigen und feststellen, wohin der berufliche Weg führen soll - oder wohin nicht: Das ermöglicht nun auch das Labor für marine Biotechnologie an der Hochschule Bremerhaven. Im Rahmen eines Laborkurses forschten hier erstmalig Oberstufenschülerinnen und -schüler des Lloydgymnasiums Bremerhaven zu Themen aus den Bereichen Biochemie, Biotechnologie und Bioanalytik. Das zweitägige Kursangebot soll nun verstetigt werden.

Insgesamt vier Kurse für die E- und Q2-Phase konnte Prof. Dr. Stefan Wittke gemeinsam mit seinem Team aus technischen Angestellten und studentischen Hilfskräften anbieten. Der Professor für Biotechnologie zeigt sich begeistert. "Die Schülerinnen und Schüler waren sehr motiviert. Ich wurde sogar angesprochen, was man machen muss, um das studieren zu können." Das Interesse am Studienfach zu wecken, ist ein Ziel der Projekttage. Die Teilnehmenden sollen hineinschnuppern, ausprobieren und dabei herausfinden, ob ihnen die Laborarbeit Spaß macht. Das kann langfristig nicht nur die Zahl der Studierenden erhöhen, sondern auch die der Studienabbrecher verringern. Denn wer bereits vor dem Studium feststellt, dass die Inhalte eines Studienfachs in der Praxis anders sind als erwartet, bewirbt sich gar nicht erst. Gleichzeitig kann aber auch das Interesse für ein Fach geweckt werden, das Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer schulischen Erfahrungen bisher für sich ausgeschlossen hatten.

Der Professor, der im Bachelorstudiengang Biotechnologie der marinen Ressourcen und im Masterstudiengang Biotechnologie lehrt, hat den Kurs gemeinsam mit Biologielehrer Lars-Ole Rühmann entwickelt. Gerade an den Oberstufen besteht großes Interesse, Labortage an außerschulischen Lernorten wahrzunehmen. "Solche Versuche können wir in der Schule gar nicht durchführen, weil uns die Geräte fehlen", berichtet Biologielehrerin Steffi Kerner. Praktisches komme daher leider oft zu kurz. Aus diesem Grund bietet die Hochschule bereits seit vielen Jahren Kurse für Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen naturwissenschaftlichen und technischen Themen an. Die Inhalte finden sich im Rahmenlehrplan des Bundeslandes Bremen wieder, sodass sie eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts darstellen. Die Theorie wird in der Schule vermittelt, im Labor geht es um die Praxis.

Die Versuche des Laborpraktikums begegnen auch Studierenden in den ersten vier Semestern ihres Studiums. Im Gegensatz zu ihnen müssen sich die Schülerinnen und Schüler nicht alles selbst erarbeiten, sondern bekommen Unterstützung durch studentische Hilfskräfte. Die einzelnen Arbeitsschritte führen sie dennoch selbstständig durch. So wiegt die Schülerin Lucy Glück getrockneten Rotbarsch für den nächsten Versuch ab. "Wir wollen die Zellen zerstören und so Proteine gewinnen", erklärt die 17-Jährige. Für sie und ihre Laborpartnerin Vanessa Gervalla steht die berufliche Zukunft bereits fest. Die jungen Frauen wollen nach dem Abitur Medizin studieren. Die Laborerfahrung und die praktischen Einblicke in die Biochemie finden sie da nützlich. Neben den fachlichen Inhalten nehmen sie aus dem Kurs noch persönliche Eindrücke mit: "Laborarbeit macht Spaß, kann aber auch ganz schön anstrengend sein."

In diesem Durchgang wurden die Labortage exklusiv für zwei Biologiekurse des Bremerhavener Lloyd Gymnasiums angeboten. Dies soll sich für die Zukunft ändern, sagt Stefan Wittke. "In der vorlesungsfreien Zeit können wir den Kurs auch öfter anbieten, sofern die personellen Kapazitäten das zulassen." Vorher soll das Kurskonzept überprüft und überarbeitet werden. Anfragen können bereits jetzt per Mail an die Kontaktstelle Schule-Hochschule gerichtet werden.

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