Metropolregion fördert Forschungsprojekt der Hochschule Bremerhaven

Prof. Dr. Miriam O'Shea und Prof. Dr.-Ing. Benjamin Wagner vom Berg
Prof. Dr. Miriam O'Shea und Prof. Dr.-Ing. Benjamin Wagner vom Berg
Quelle: privat

Text verfasst von Prof. Dr.-Ing. Benjamin Wagner vom Berg und Prof. Dr. Miriam O'Shea

Prof. Dr.-Ing. Benjamin Wagner vom Berg und Prof. Dr. Miriam O'Shea erweitern die Geschäftsprozessmodellierung am Beispiel der Genehmigung einer Wasserstofftankstelle

Für die Nutzung von Wasserstoff und den Aufbau geeigneter Infrastruktur sind zahlreiche neue Prozesse zu entwickeln und zu implementieren. In welchem Prozessschritt werden welche Informationen benötigt und warum? Wie läuft der Prozess in der Wesermarsch und warum anders in Bremerhaven? Diese Fragen stehen im Fokus des von der Metropolregion Nordwest geförderten Forschungsprojektes Wasserstofftechnologie Business Process Management Modeling (H2BPMM) und sollen exemplarisch am Prozess der Genehmigung einer Wasserstofftankstelle beantwortet werden. Durch die Mittel aus dem Förderfonds der Länder Bremen und Niedersachsen an regionale Kooperationsprojekte zum Schwerpunkt Digitalisierung befassen sich Prof. Dr.-Ing. Benjamin Wagner vom Berg und Prof. Dr. Miriam O'Shea mit Erweiterungen der Geschäftsprozessmodellierung, um die Chancen der Digitalisierung auch für die Antriebstechnik auf Basis von Wasserstoff nutzbar zu machen. Insgesamt fördert die Metropolregion drei Projekte mit insgesamt 490.000 Euro. Dabei hat sich das Projekt der Hochschule Bremerhaven mit dem Magistrat Bremerhaven als Projektträger zuvor in einem Ideenwettbewerb gegen mehr 30 andere Projektideen durchgesetzt und wird mit 133.720,- € gefördert. Das Gesamtprojektvolumen von H2BPMM inkl. der Beiträge der Partnerinstitutionen beläuft sich auf 184.720,- €.

Neben der Hochschule sind zahlreiche Kommunen, Verbände und Wirtschaftsunternehmen aus der Metropolregion an dem Projekt beteiligt, die das Projekt auch finanziell unterstützen. Hierzu gehören u.a. die Bremerhavener Innovationsgesellschaft (BIS), die Städte Brake, Elsfleth und die Gemeinde Ovelgönne aus der Wesermarsch, der Landkreis Friesland, die IHK Bremen/Bremerhaven und Oldenburg sowie die Straßenverkehrsgenossenschaft Bremen. Bereits an der Antragstellung beteiligt waren H2BX e.V., Automotive Nordwest e.V. sowie die THIMMA GmbH.

Antriebstechnik auf Basis von Wasserstoff (H2) stellt eine der zentralen Möglichkeiten dar, Mobilitäts- und Logistikprozesse zukünftig nachhaltig zu gestalten. Die Digitalisierung bietet die Chance, die Prozesse in Mobilität und Logistik effizienter zu gestalten und damit die Einführung bzw. Umgestaltung zu H2-basierten Prozessen zu unterstützen. Notwendig dafür ist die Beschreibung der Prozesse in Form von Modellen, die in informationstechnischen Systemen abbildbar sind. Dazu ist der entsprechende Prozess über Landesgrenzen hinweg einheitlich und hinreichend genau zu definieren. Dies ist gerade für die neue Anwendung von Wasserstoff im E-Government sowie Mobilität und Logistik oft noch nicht implementiert.

Insbesondere muss es das Modellierungsverfahren erlauben darzustellen, wann welche Information wo bereitzustellen ist. Hier ist Forschungsbedarf gegeben, da die gängigen Verfahren des Business Process Modeling grundsätzlich auf der Berücksichtigung ganzer Dokumente basieren, von denen jedes einzelne eine Vielzahl von Einzelinformationen enthält. Das ist nicht hinreichend genau und erlaubt es nicht, die Verzahnung von Prozessschritten mit ihren Informationen mit vertretbarem Aufwand und ausreichend fehlerfrei darzustellen.

Die Projektleitung Miriam O'Shea und Benjamin Wagner vom Berg formulieren die Zielstellung wie folgt: "Unser Forschungsprojekt hat das Ziel, den Aufbau der für die Wasserstoff-Antriebstechnik notwendigen Infrastruktur durch Standardisierungsbestrebungen zu unterstützen. Am Beispiel des Genehmigungsprozesses einer Wasserstofftankstelle werden Erweiterungen am Business Process Modeling vorgenommen und getestet, die vornehmlich dem Zweck dienen, mehr Wissen über die Informationsbedarfe der Antragstellung direkt in das Prozessmodell einzuarbeiten. Die heute gängige ungenaue Darstellung hat komplizierte Einarbeitungen in die Antragstellung zur Folge. Auch der Übergang zum e-Govenment wird damit verhindert, denn eine Automatisierung von Geschäftsprozessen erfordert ebenfalls eine spezifischere Darstellung der Verknüpfung von Informationen zu Prozessschritten."

Das Projekt adressiert somit zwei Aufgaben: Einerseits die Entwicklung standardisierter H2-Prozesse, die kommunale und landesspezifische Regulierungen im Bereich der Metropolregion Nordwest berücksichtigen und so einen Standortvorteil schaffen; als ein exemplarischer Prozess dient die Planung und Genehmigung von H2-Tankstellen. Andererseits wird ein Verfahren entwickelt, mit dem Arbeitsabläufe mit optimiert verzahnter Informationsversorgung für die effiziente Umsetzung in IT-Systemen erstellt werden können. Dieses ist universell für die Digitalisierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen anwendbar.

"Digitalisierung ist die Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit aller: ob für das einzelne Unternehmen, für die Attraktivität und Effektivität von Kommunen und Verwaltung oder aber auch für Komfort und Sicherheit eines jeden einzelnen.", so Landrat Jörg Bensberg, 1. Vorsitzender der Metropolregion Nordwest. So leistet das Projekt der Hochschule Bremerhaven einen wesentlichen Beitrag für nachhaltige Mobilitäts- und Logistikprozesse auf Wasserstoff-Basis in der Metropolregion Nordwest und gibt gleichzeitig wertvolle Impulse für weitere e-Government-Prozesse aufgrund der Modellierung. Die Projektergebnisse sollen somit insgesamt für die Optimierung von Arbeitsabläufen und eine effiziente Umsetzung in IT-Systemen dienen. "Dieses ist universell für die Digitalisierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen anwendbar", so die Forscher*innen.

Die Standardisierungsbestrebungen im Bereich des Einsatzes von Wasserstofftechnologie steigern im besten Fall nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion, sondern sind auch auf eine nationale Ebene übertragbar und tragen hier zu einer Positionierung Deutschlands beim Einsatz und der Technologieentwicklung regenerativer Energien bei.

Projektstart von H2BPMM ist der 01. Juli 2020.

Zugehörige Dokumente

Zurück zur Übersicht