Nachteilsausgleich bei Prüfungen

Um das Recht auf Bildung und gleichberechtigte Teilhabe am Hochschulleben zu gewährleisten, sieht das Bremer Hochschulgesetz vor, möglichst alle studienbezogenen Angebote von Hochschulen barrierefrei zu gestalten. Behinderten und chronisch kranken Studierenden können insbesondere beim Studium, bei der Studienorganisation und -gestaltung sowie bei den Prüfungen und Leistungsnachweisen Nachteilsausgleiche gewährt werden (§ 31).

Zu den Möglichkeiten einen Nachteilsausgleich zu beantragen sowie zum Antragsverfahren berät die Studienberatung.

Wer kann einen Nachteilsausgleich in Anspruch nehmen?

Einen Antrag auf Nachteilsausgleich können Studierende stellen, die eine Behinderung oder eine chronische Erkrankung haben, welche sich in negativer Weise auf die Durchführung der Studien- oder Prüfungsleistung auswirkt.

Dabei ist es nicht relevant, ob es sich um eine sichtbare oder unsichtbare Behinderung handelt, um eine physische oder psychische Erkrankung oder ob eine amtliche Anerkennung (Behindertenausweis) vorliegt oder nicht.

Auch Studierende mit z. B. depressiven Erkrankungen, Angststörungen sowie Teilleistungsschwächen (Legasthenie/Dyskalkulie) oder Aufmerksamkeitsstörungen wie AD(H)S) haben Anspruch auf  einen Nachteilsausgleich.

Beispiele für Nachteilsausgleiche

Mögliche Ausgleiche können sein:

·         eine angemessene Verlängerung der Bearbeitungszeiten von Prüfungsaufgaben

·         die Zulassung zusätzlicher Arbeits- oder Hilfsmittel

·         das Ablegen der Prüfungen in einer anderen Form (z.B. mündlich statt schriftlich)

·         individuell abgestimmte Prüfungstermine

·         eine Verlängerung und/oder Einrichtung von Pausen während des Prüfungszeitraumes

·          Fristverlängerungen bei der An- und Abmeldung zur Prüfung

·         …

Wie stellt man einen Antrag auf Nachteilsausgleich?

Der Antrag auf Nachteilsausgleich kann mit einem formlosen Schreiben an das Prüfungsamt gestellt werden. Aus dem Antrag soll für einen medizinischen Laien nachvollziehbar hervorgehen, welche Einschränkungen – bezogen auf die Prüfung – vorliegen. Außerdem sollen Lösungsmöglichkeiten skizziert werden, wie ein Nachteilsausgleich im konkreten Fall aussehen kann. Zur Begründung des Antrags können beispielsweise:

 

·          eine Kopie des Schwerbehindertenausweises,

·         eine ärztliche Bescheinigung,

·         ein sozialpädagogisches oder psychologisches Gutachten vorgelegt werden.

 

Aus dem Nachweis müssen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren konkrete prüfungsrelevante Auswirkungen hervorgehen. Diagnosen müssen nicht genannt werden. 

Der Antrag selbst sollte bereits mit der Anmeldung zur Prüfung an das Prüfungsamt gestellt werden. Eine frühzeitige Beratung und Antragstellung stellt sicher, dass eventuell notwendige Änderungen im Prüfungsbetrieb umsetzbar sind.

Bei dauerhaften Einschränkungen kann grundsätzlich auch ein Antrag für mehrere Prüfungen gleichzeitig gestellt werden.

Was passiert nach der Antragstellung?

Nach der Abgabe eines (formlosen) Antrags auf Nachteilsausgleich im Prüfungsamt werden folgende Schritte erfolgen:

1.      Der Antrag wird vom Prüfungsamt an die/den Vorsitzende/n des Prüfungsausschusses des Studiengangs weitergeleitet.

2.       Der Prüfungsausschuss entscheidet über die Bewilligung/Ablehnung des Antrags und gibt den Antrag an das Prüfungsamt zurück.

3.       Das Prüfungsamt übermittelt den schriftlichen Bescheid über den Beschluss an die/den Studierende/n.

4.       Die/der Studierende informiert ggf. den/die Prüfer/in über die Bewilligung eines Nachteilsausgleichs.

5.       Das Fachbereichssekretariat organisiert ggf. die Umsetzung des Bescheids (Räume, Zeiten).

Sie können einen reibungslosen Ablauf dieser fünf Schritte unterstützen, indem Sie Ihren Antrag spätestens mit der Anmeldung zur Prüfung im Prüfungsamt einreichen. 

Informationen zum Studieren mit Beeinträchtigung

Rechtliche Grundlagen

UN Behindertenrechtskonvention

Sozialgesetzbuch (SGB IX, § 2)

Bremisches Behindertengleichstellungsgesetz (BremBGG)

Bremisches Hochschulgesetz (§ 31)

 

Informations-und Beratungsangebote

Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung
Umfangreiche Informationen des Studentenwerks zum Studieren mit Behinderung inkl. hilfreicher Liste von Beeinträchtigungen, für die Nachteilsausgleiche beantragt werden können

Netzwerk Selbsthilfe Bremen-Nord-Niedersachsen
Datenbank mit Selbsthilfegruppen, Beratungsangeboten und Vereinen zu verschiedenen gesundheitlichen und sozialen Themen

SelbstBestimmt leben e.V.
Bremer Beratungsstelle und Treffpunkt für behinderte Menschen und ihre Angehörigen