Nachhaltige Alternative zu Plastik und Co.

Makroalgen: Rohstoff für die Verpackung der Zukunft?
Makroalgen: Rohstoff für die Verpackung der Zukunft?
Quelle: Hochschule Bremerhaven/Alfred Wegener Institut

Projekt Mak-Pak Scale-up möchte Verpackung aus Makroalgen massentauglich machen

Morgens ein Kaffee zum Mitnehmen, mittags Essen vom Lieferdienst und abends noch ein Salat aus der Kühltheke: Dem Bundesumweltamt zufolge produziert jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich 227,5 Kilogramm Verpackungsmüll im Jahr. Tendenz steigend. Besonders die Plastikverpackungen stellen dabei ein großes Problem für die Umwelt dar. Als Mikroplastik landen sie in den Meeren und so auch in der Nahrungskette. Die Lösung für das Problem könnte eine nachhaltige und biologische Alternative zu den bisherigen Verpackungen sein. Im Rahmen des Projekts Mak-Pak Scale-up erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Hochschule Bremerhaven die Einsatzmöglichkeiten von Makroalgen als Verpackungsmaterial. Gemeinsam mit der Nordsee GmbH, der Pulp Tec GmbH & Co. KG sowie der Hengstenberg GmbH & Co. KG wird an einer industrietauglichen Verfahrensoptimierung gearbeitet, die schon bald die Massenproduktion dieser umweltfreundlichen Verpackungslösung ermöglichen soll. Die Makroalgenkultivierung übernimmt das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung zusammen mit der RO-V-AL GbR. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Bereits seit mehreren Jahren wird an der Hochschule Bremerhaven an den Einsatzmöglichkeiten von Makroalgen geforscht. Im Vorgängerprojekt „Mak-Pak“ konnte erfolgreich ein Verpackungsprototyp entwickelt und im Rahmen einer Verkostung getestet werden. „Wir haben das essbare Material zusammen mit Backfisch und Kartoffelsalat verkosten lassen“, erklärt Dr. Ramona Bosse, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Bremerhaven. „Dabei fanden 74 % der Befragten die Kombination mit Kartoffelsalat und 91 % der Befragten die Kombination mit Backfisch gut bis sehr gut.“ Die Herausforderung besteht nun darin, das Herstellungsverfahren so zu optimieren, dass es sich für die Massenproduktion in der Industrie eignet. Während Mikroalgen sich rasend schnell vermehren und daher schon jetzt gern in der Pharma- und Kosmetikindustrie genutzt werden, sind Grün-, Braun, und Rotalgen viel anspruchsvoller. „Makroalgen sind nicht einfach zu züchten. Jede Sorte benötigt andere Voraussetzungen, zum Beispiel besondere Lichtverhältnisse“, weiß Lisa Klusmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. Im Labor werden diese künstlich erzeugt, um eine optimale Umgebung für die Algen zu schaffen. So soll auch sichergestellt werden, dass die Qualität gleichbleibend hoch ist und nicht von äußeren Umständen beeinflusst wird.

Gearbeitet wird an verschiedenen Verpackungslösungen. Speziell die Kosten für die Unternehmen spielen dabei eine Rolle. „Eine Verpackung, die komplett aus Algen besteht, ist derzeit noch sehr teuer“, erklärt Lisa Klusmann. Dies hängt damit zusammen, dass der Rohstoff aktuell noch recht schwierig gewonnen werden kann. Kostengünstiger sei es daher, wenn man sie beispielsweise mit Kohlsorten kombiniert. Auch muss das Verpackungsmaterial so optimiert werden, dass es feuchtigkeitsresistent und gleichzeitig bedenkenlos essbar ist. „Wir gewinnen funktionelle Stoffe aus den Algen und nutzen ihre besonderen Eigenschaften“, so Klusmann weiter. Ein Beispiel dafür ist Agar Agar, das bereits als Ersatz für Gelatine in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird. In den kommenden drei Jahren soll an verschiedenen Zusammensetzungen für das Endprodukt gearbeitet werden, um die Marktreife und Wirtschaftlichkeit des neuartigen Verpackungsmaterials zu erlangen. Gemeinsam mit den anderen Projektbeteiligten wird die Zusammensetzung im Projektverlauf optimiert und in der Praxis auf ihre Funktionalität getestet.

Weitere Informationen unter www.hs-bremerhaven.de/forschung/forschungsprojekte/mak-pak-mak-pak-scale-up/

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