Eine Brille für jede Gesichtsform

v.l. Lars Reese, Jacqueline Kneisel, Dilan Dogan, Prof. Dr. Susanne Reimann
v.l. Lars Reese, Jacqueline Kneisel, Dilan Dogan, Prof. Dr. Susanne Reimann
Quelle: Paulina Rottmann|Hochschule Bremerhaven

Medizintechnikstudentinnen entwickeln maßgeschneiderte Sonnenbrillen

Wer auf der Suche nach einer neuen Brille ist, hat viele Wahlmöglichkeiten: Zahlreiche verschiedene Modelle stehen zur Auswahl, passend für jede Gesichtsform. Wirklich perfekt sitzen sie dennoch nur selten. Auch die Bremerhavener Medizintechnikstudentinnen Jacqueline Kneisel, Bilge Aslan und Dilan Dogan kennen dieses Problem. Im Rahmen ihres wissenschaftlichen Praxisprojekts haben sie in Kooperation mit Optiker Bode in Bremerhaven und unter Anleitung von Prof. Dr. Susanne Reimann, Professorin für Medizintechnik an der Hochschule Bremerhaven, an einer Möglichkeit gearbeitet, wie sie individuell gestaltete Sonnenbrillen maßschneidern können: mittels 3D-Druck.

Die Sonnenbrillen bestehen aus einem speziellen Kunststoff, der sich ohne Verwendung umweltschädlicher Chemikalien weiterverarbeiten lässt und thermisch verformbar ist. „Das ist wichtig, damit später die Gläser eingesetzt werden können“, erklärt Lars Reese, der seitens des Optikers die Studentinnen bei ihrer Arbeit unterstützt hat. Obwohl Brillen inzwischen etwas vollkommen Alltägliches sind, ist ihre Herstellung gar nicht so einfach. „Wir waren überrascht, welche Anforderungen eine Brille erfüllen muss, zum Beispiel bestimmte Winkel oder wie sie gebogen ist. Und wir hätten nicht gedacht, was alles hinter der Herstellung von Brillen steckt. Es gibt so viele Arbeitsschritte und dauert wirklich lange“, sagt Jacqueline Kneisel. Erschwerend kam hinzu, dass die Sonnenbrillen exakt an die eigene Gesichtsform angepasst werden sollten. „Es ist wichtig, dass die Nasenauflage optimal passt und die Bügel parallel zum Kopf verlaufen, damit die Brille weder rutscht noch drückt. Auch hinterm Ohr ist die richtige Passform wichtig. Bei einer individuell angepassten Brille muss das natürlich erst recht perfekt sein“ so Lars Reese. Um ihre Gesichter auszumessen, haben die Studentinnen mehrere Methoden getestet. „Wir haben es zunächst mit technischen Lösungen versucht: einer Facescanner-App und einem Oberflächenscanner. Leider hat beides nicht wirklich gut funktioniert. Am Ende haben wir unsere Gesichter von Hand gemessen“, berichtet Bilge Aslan. Auch die Nutzung des 3D-Druckers brauchte etwas Übung, bis perfekt geformte und tragbare Sonnenbrillen entstanden sind. „Wir haben viel gelernt. Wir beherrschen nun die verwendeten Programme viel besser und haben unser Wissen umsetzen können“, so Dilan Dogan.

Kooperationsprojekte sind fester Bestandteil des Studiums an der Hochschule Bremerhaven. „Die Studierenden lernen in den Projekten unglaublich viel. Sie arbeiten da vollkommen selbstständig und müssen bei Problemen selbst eine Lösung finden“, erklärt Prof. Reimann. Für den Optiker ist die Kooperation eine Win-Win-Situation. „Optiker Bode ist nun seit mehr als 30 Jahren Bestandteil der Stadt Bremerhaven. Deshalb fühlen wir uns der Hochschule besonders verbunden“, so Lars Reese. „Als modernes Unternehmen muss man stetig auf dem Laufenden bleiben, da passt das 3D-Druckerprojekt perfekt zu uns. So konnten wir etwas über den 3D-Druck lernen und die Studentinnen über die Augenoptik." Im Projekt ist auch Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt für die Studentinnen. „Sollte man eines Tages nur noch mit 3D-Druck arbeiten, muss natürlich unbedingt auf die Verwendung nachhaltiger Materialien geachtet werden“, sagt Bilge Aslan. Da der Druck mit einem holzhaltigen Werkstoff nicht gelingen wollte, haben sie sich für eine andere nachhaltige Alternative entschieden. „Wir haben einen Kunststoff ausgewählt, bei dem nicht nur das Material selbst, sondern auch die Verpackung nachhaltig ist. Außerdem werden von dem Unternehmen Bäume gepflanzt: pro Rolle einer“, erklärt Jacqueline Kneisel.

Die drei Studentinnen haben jedes Bauteil ihrer Sonnenbrillen selbst im 3D-Drucker hergestellt. Sie konnten dabei nicht nur die Form, sondern auch die Farbe wählen. Von neongrün bis klassisch schwarz war alles möglich. Die Gläser sind eine Spende von Optiker Bode. Sie wurden sogar in der richtigen Sehstärke für die Trägerinnen hergestellt und von ihnen gemeinsam mit Lars Reese geschliffen. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Optiker ist fest geplant. Gespräche, wie genau dies aussehen könnte, stehen aber derzeit noch aus.

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