Servicekraft „Pepper“ kommt

Yuvakvechheka Som

Studenten machen humanoiden Roboter für den Tourismus fit

„Digitalisierung und Künstliche Intelligenz“ sind Schlagworte unserer Zeit – auch im Tourismus, in dem die von Menschen erbrachte Dienstleistung nach wie vor im Vordergrund steht. Doch gibt es nicht Tätigkeiten, die sinnvollerweise an ein anderes Wesen delegiert werden können? Dieser Frage geht die Erlebnis Bremerhaven GmbH (EBG) in einem neuen Projekt nach, bei der der humanoide Roboter „Pepper“ die Hauptrolle spielt. Er wird in den kommenden Wochen von zwei Studenten der Hochschule Bremerhaven fit gemacht, um eines Tages in der Tourist-Info Schaufenster Fischereihafen zur Entlastung der Mitarbeitenden auf sich wiederholende Fragen antworten zu können. Dafür kooperiert die EBG mit dem Institute of Artificial Intelligence Methods and Information Mining (AIM) und dem KI-Lab der Hochschule Bremerhaven unter Leitung von Prof. Dr. Nadija Petram. „Ich bin sehr stolz darauf, dass Bremerhaven ein so gutes Feld für wissenschaftliche Kooperationsprojekte ist, wie es die städtische Tourismusgesellschaft und die Hochschule im Rahmen des Aktionsprogramms zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt gerade unter Beweis stellen “, freut sich Oberbürgermeister Melf Grantz.

„Pepper“ ist rund 1,20 Meter groß, wiegt 28 Kilo - und kann nichts. Momentan jedenfalls, denn Sahin Gültekin und Yuvakvechheka Som sind gerade erst mit der Programmierung gestartet. Der Roboter muss sogar laufen und sprechen lernen. Auch Entscheidungen trifft er nicht, ohne dass ihm vorher erklärt wurde, welche Reaktion bei welcher Frage angebracht ist. Um Pepper dies beizubringen, nutzen die beiden Studenten ein klassisches Element bei der Programmierung Künstlicher Intelligenz: maschinelles Lernen. Dafür werden Pepper Lerndaten zur Verfügung gestellt, die ihm Beispiele für die gewünschten Reaktionen liefern. Am Ende des Lernprozesses kann der humanoide Roboter daher auch auf Fragen antworten, die nicht wörtlich einprogrammiert wurden. Pepper entscheidet also anhand seiner Erfahrungen selbst, wie er reagiert. Ein Algorithmus sorgt außerdem dafür, dass der Roboter nach seinem Arbeitseinsatz immer weiter lernt und somit immer besser antworten kann. Dabei kommt es nicht nur darauf an, was gefragt wird, sondern auch, wer mit Pepper spricht. Pepper erkennt nicht nur Sprache und Stimmung, sondern weiß auch, ob er von Kindern oder Erwachsene angesprochen wird. Seine Antworten passt er dementsprechend an.

Mit „Pepper“ ergänzt die EBG ihre Bemühungen um eine fortschreitende Digitalisierung des Seestadt-Tourismus. Seit langem können sich Gäste auf den Social Media Kanälen oder auf der Website der EBG von den Reise-Angeboten inspirieren lassen, dort direkt buchen oder nach der Reise ihre Reflektionen hinterlassen. Bis „Pepper“ seinen Teil zum digitalen Angebot beiträgt, muss er aber lernen. Studierzimmer für den Roboter und seine menschlichen Lehrer ist der „Maschinenraum“. Unter der Adresse Obere Bürger 125 hat die EBG mit Unterstützung des Columbus Shopping Centers für einige Monate ein Ladengeschäft angemietet und attraktiv gestaltet. „Mit Pepper als Bestandteil unseres touristischen Geschäftsfeldes Wissens- und Erlebniswelten schaffen wir ein einmaliges Gästeerlebnis und machen Robotik und Künstliche Intelligenz inmitten der Bremerhavener City für alle erlebbar“, lädt Dr. Ralf Meyer als EBG-Geschäftsführer die interessierte Öffentlichkeit in das „offene Labor“ ein. Mehr noch: „Pepper braucht Sie, deshalb sind Besuche ausdrücklich erwünscht“, ergänzt Professorin Dr. Nadija Petram. „Der Roboter lernt durch jeden Kontakt“. Sollte der nicht möglich sein, kann jederzeit ein Blick durch die Scheiben in den „Maschinenraum“ geworfen werden.

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